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Das Web ist frei. Es beschränkt sich nicht nur auf einige wenige Länder, sonder umfasst den gesamten Globus. Es macht keinen Unterschied zwischen Geschlecht, Kultur, Hautfarbe oder persönlichen Meinungen. Die Gedanken sind frei – und das Internet somit der ideale Platz, um sie mit anderen Leuten zu teilen. Abseits von staatlicher Überwachung und Protokollierung. Und das schmeckt so Machen gar nicht.

Seit es das Internet gibt, gab und gibt es von staatlicher Seite schon immer Bestrebungen, Kontrolle über diesen gigantischen, anscheinend rechtsfreien Raum zu erlangen. Es besteht ein ewig weilender elektronischer Kampf zwischen Behörden und Regierungen auf der einen und den Usern auf der anderen Seite. Sobald eine bisherige rechtliche Grauzone durch ein Gesetz gestopft wird, gibt es findige Programmierer, die einen Weg finden dieses neue Recht mehr oder weniger legal zu umgehen. Sobald etwas an einem Platz gelöscht wird, taucht es anderswo wieder auf. Das Internet vergisst nichts. Für jeden staatlichen Eingriff gibt es binnen kürzester Zeit eine im Web kursierende „Lösung“. Außerdem ist das Web eben der ideale Platz, um frei eigene Meinungen zu vertreten und mit anderen darüber ausgiebigst zu diskutieren. Auch jene, die für den einen oder anderen Politiker oder Vorstand mehr als Unangenehm sind.

Vorbild China

Klar, dass das der allmächtigen Politik auf Dauer stinkt; es kann nicht angenehm dass es einen rechtsfreien Raum gibt, auf den sie absolut keinen Einfluss ausüben können. Des Politikers Holzhammer-Lösung: Das Internet muss unter staatlicher Kontrolle gebracht oder zumindest meinungstechnisch eingeschränkt werden. Extrem-Beispiel China: mehrere Hunderttausend Staatsdiener kümmern sich rein um die Zensur und Überwachung des gesamten chinesischen Datenverkehrs und sorgen dafür, dass Regimekritisches Gedankengut vernichtet wird oder erst gar nicht entstehen kann, auch unter Anwendung von Gewalt und Folter.

Nun leben wir allerdings in einer demokratischen Republik, in der man dem Volk nicht von dem einen auf den anderen Tag das Netz sperren kann, der Aufschrei der Bevölkerung, der Medien und der Datenschutzbeauftragten wär zu laut. Die verantwortlichen Politiker würden einen Skandal diesen Ausmaßes nicht durchstehen. Also Tröpfchenweise. Ein bisschen hier zensieren, ein bisschen dort zensieren und das dort hinten kann gelöscht werden. Nach und nach, Teil für Teil bis das Puzzle ein Gesamtbild ergibt und es zu spät zum Umkehren ist.

Die Tür wurde geöffnet …

Die Sperrung von Websites mit kinderpornografischen Inhalten ist da nur ein weiterer Schritt in diese Richtung. Nicht dass das hier jemand falsch versteht, es unterliegt höchster Priorität, pädophil veranlagten Menschen den Zugang zu solchen Inhalten zu verwehren. Nur die Art und Weise, auf der das geschieht, lässt den Verdacht aufkommen dass es in letzter Instanz nicht um den Schutz der Kinder, sondern um eine erfolgreiche Wahl und einen ersten Schritt in Richtung deutscher Internetzensur geht. Die besagten Inhalte werden ja nicht gelöscht, sondern nur gesperrt – jeder halbwegs fähige User kann diese Barriere binnen weniger Minuten umgehen. Das ironische an der Sache ist ja, dass der User durch ein „Stop„-Schild angehalten wird. Ein Stop-Schild fordert den Fahrer zum Anhalten, Ausschau-halten und dann zur Weiterfahrt auf – ein „Durchfahrt Verboten„-Schild hätte eine sinngemäßere Wirkung.

Wie auch immer, das Gesetz öffnet der Politik die Tür zu weiteren Zensuren und Blockaden. Unterstrichen wird diese Vermutung mit der Forderung des CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Strobl, nicht nur Seiten mit kinderpornografischen Inhalten zu sperren, sondern auch „Killerspiele„-Websites. Zitat: „Wenn es einen Nachweis gibt, dass sich Killerspiele negativ auf das Verhalten Jugendlicher auswirken, dann kann das Internet kein rechtsfreier Raum sein.“ Aha. Und dann? Filmeseiten mit Inhalten über FSK 18? Spieleseiten, die über „Killerspiele“ berichten? Gothic- und Metaller-Foren, da deren Musik so aggressiv ist? Junge Junge, da kommt in den nächsten Jahren einiges Unangenehmes auf uns zu. Abschließend können wir dazu nur noch sagen: Das Schlimmste an Zensur ist ja, █████ ███ ████████ ██████!

Hier aber nun endlich der Zensursula-Sommerhit 2009 – inhaltlich überzeugend, musikalisch Geschmackssache:

Zensursula-Song

Zensursula-Song Lyrics zum mitgröhlen

Zensi Zensa – Zensursula
Laa lala Laa Laa la la Laa
Zensi Zensa – Zensursula
Laa lala Laa Laa la la Laa

Zensi Zensa – Zensursula
Wir filtern das Netz mit dem BKA
Zensi Zensa – Zensursula
Sperren statt löschen wunderbar

Zensi Zensa – Zensursula
Laa la la Laa Laa – Bla Bla Blaa
Zensi Zensa – Zensursula
Eins Zwei Polizei tatü tataa

Ursula, du bist aber richtig gut drauf
Machst uns ein Gesetz ausm Ausverkauf
Da hast du wohl einen Fehler gemacht
Artikel 5 sagt jetzt „Gute Nacht“

Das Ministeramt hast du wohl bei Ebay ersteigert
Dich der Intelligenz komplett verweigert
Ein feines Gesetz für die ganze Nation
Ein Stopp Schild auch bald im Telefon

Uiii auf dem Schild da steht STOPP!
Bin ich jetzt in China???

Man kann das erklären wie ne Mauer quasi
Jetzt geht es los mit der Internet Stasi
Das ganze Gesetz ist doch Gurkensalat
Ich hab jetzt DSL im Schurkenstaat

Bis gerade hat der Song echt gut gerockt
Doch jetzt wurde der Refrain geblockt

Ein Kommentar

  1. Pingback: Von der Knuddelkuh und dem Fotonirvana | KronosNET

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