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Eine der obersten Fragen der vergangenen Tage (hier in der Klapse) lautete: Wer zum Teufel bin ich wirklich? Welcher Mensch verbirgt sich hinter Kronys Maskeraden, welche Emotionen umspielen sein wahres Gesicht? Wer bin ich – und wie viele?

Denn eine aus besonnenen Selbstreflexionen gewonnene, bittere Erkenntnis gewahr mir die Gewissheit, dass ich mitnichten eben jener erwachsene Mensch bin, für den ich mich Land auf und Land ab so günstig verkaufe. Nein, ich bin lediglich ein geübter Schauspieler, gefangen in der Rolle seines Lebens. Eine perfide einstudierte Hülle, eine zum Leben erweckte, schwule Barbiepuppe mit glitzerpinken Fingernägeln. Mit jeder Rolle, die du spielst, gibst du ein Stück von dir selbst auf. Und ich traf einst die Entscheidung, jene Verkleidung an- und im Gegenzug meinen kindlichen Teil abzulegen. Bewusst und aus freien Stücken heraus. Sicher, wir alle treffen Entscheidungen. Aber letztendlich machen diese Entscheidungen uns aus.

Ich erschuf mein heutiges Ich aus Selbstschutz; formte und ergänzte über viele Jahre hinweg, wuchs an meinen Herausforderungen und perfektionierte letzten Endes die hohen Künste der makellosen Selbstinszenierung. Nach außen bin ich mitunter imstande, überzeugend erwachsen zu wirken. Bodenständig. Etwas … nun gut, bisweilen äußerst verrückt, aber ebenso weise, zuvorkommend und gewissenhaft handelnd. Ich bin augenscheinlich Krony, Softwareentwickler und 25 Jahre jung [siehe auch].

Doch innerhalb der schützenden Mauern lauert hingegen – ein Kind (des Karras). Ein knapp 10-jähriger Junge; eine metaphysische Überzeugung, welche ich bereits seit vielen Jahren predige, sich nun jedoch einmal mehr als grundlegend wahr entpuppte. Mein eigentliches Ich besteht nicht nur zu Teilen aus jenem obligatorischen Kind im Manne, nein, ich BIN in der Tat durch und durch ein kleiner Junge. Ein kindlich naives Wesen, welches Umwelt und Menschheit bunter und ehrlicher denn Erwachsene zu schauen vermag und sich mit jeder Faser seines Körpers nach Wärme, Geborgenheit und Schutz verzehrt.

Schon in frühen vorkindergartlichen Tagen erkannte ich, dass die Welt der Erwachsenen weit farbloser, kühler und gemeiner ist als die eines glückseligen Kindes. Sie wird regiert vom schnöden Mammon und der Gier nach Macht, koste es, was es wolle. Die Gefühle Einzelner zählen nicht, denn es gilt ausschließlich, als starkes Glied in der großen Kette der Gesellschaft zu fungieren. Ich schrak bestürzt zurück vor all den Lügen und dem Leid der Erwachsenenwelt – und nahm mir im gleichen Zuge vor, niemals nie erwachsen zu werden.

Denn ich wollte freier sein. Meine kindliche Neugierde, all die unscheinbaren Freuden eines kleinen Jungen, dessen zutiefst ehrliches Wesen und kecke Verspieltheit behalten. Mitsamt allen emotionalen Facetten, sowohl in positiver als auch negativer Weise; schließlich empfinden Kinder sensibler und verletzlicher als ihre erwachsenen Pedanten. Ergo sträubte ich mich vor dem Erwachsenenwerden – und ward diesbezüglich letztlich mit Erfolg beschienen.

Wer bin ich wirklich?

Nun, ein kleiner Junge. Welcher im Alter von 10 Jahren einsah, dass ihn all die sozialen Einflüsse sowie die globalen Herausforderungen einer modernden modernen Gesellschaft zu zerbrechen vermögen. Ich empfand zu jener Zeit erstmalig Angst vor unserer Welt. Empfinde diese auch heutigen Tages nach wie vor. Ich blieb Kind, distanzierte mich von Eltern sowie Familie und legte die Erziehung meiner Wenigkeit in eigene, da von mir kontrollierte Hände.

Zugleich schuf ich mir aus reinem Selbstschutz ein erwachsener wirkendes Äußeres; eben jenen maskierten Unbekannten, welcher zur Stunde meine Gedanken, Emotionen, Gefühle sowie Reaktionen beherrscht. Ich verbarg mich, grub mich ein, trieb mich selbst in die Enge – und muss nun betrübter Äuglein erkennen, dass diese enorme Sehnsucht nach Freiheit, welche mich seit gefühlten Äonen begleitet, lediglich ein verzweifelter Hilferuf meines eigentlichen Ichs, des kreativen (sowie vorpubertär-dauernotgeilen) Jungen in mir, darstellt. Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren – und im Gegenzug die Depression als stetigen Begleiter hinzugewinnen.

Viele meiner derzeitigen und auch vergangenen Probleme, welche allesamt in und um die Depression herum angesiedelt sind, lassen sich direkt sowie indirekt auf besagte bewusste Unterdrückung meines wahren Ichs zurückführen. Wobei jene Feststellung auch nur Teil eines viel größeren, übergeordneten Puzzles, unter anderem aus Hochbegabung sowie gegebenenfalls teilautistischen Zügen aufgebaut, besteht [siehe auch]. Ich bin komplexer, als gedacht – und mitunter für Außenstehende alles andere als greifbar [siehe auch]. Wohl wahr, mein tarnender Schutz ward zu mächtig geworden; ihn gilt es nun sukzessive zu entthronen. Denn ich will wieder ich selbst sein.

Ich werde mich verändern, langsam, step by step, mit einer gehörigen Portion Geduld [siehe auch]. Werde kindlicher werden, zurück zu meinen persönlichen Wurzeln kehren. Werde kurzfristig aus meiner derzeitigen Bleibe aus- und in eine „kindergerechtere“ Wohngemeinschaft umziehen. Und mittelfristig eine berufliche Neuausrichtung wagen; weg von der mich umgebenden trockenen Materie hin zu einer schöpferischeren, grenzenloseren und individuelleren Arbeitsstätte.

Ich werde frei sein. Kind sein. Ich sein :bear:

6 Kommentare

  1. Patrik
    Erörterte

    Deine Entscheidung finde ich gut. Nur so kann man glücklich bleiben – selbst zu sein.

    • Krony
      Formulierte

      Moinmoin Patrik,

      man hat nur Angst, wenn man mit sich selber nicht einig ist. Um eben jenen – und anderen – unangenehmen Zuständen der letzten Jahre entgegenzuwirken, besteht meine aktuelle tägliche Herausforderung unter anderem tatsächlich darin, bewusst darauf zu achten, ich selbst zu sein. Und nicht in alte Muster zurück zu fallen. Das vermag für Außenstehende zwar mitunter bizarr anzumuten, entspricht jedoch in der Tat meiner gegenwärtigen metaphysischen Realität. Sicher, dies ist ein langwieriger Prozess, den ich aktuell durchschreite; von heute auf morgen werden sich keine großartigen Veränderungen ergeben. Aber es ist für mich dennoch bereits absehbar, dass dieser andauernde Vorgang tiefgreifende Veränderungen in meinem Leben bewirken wird; gegebenenfalls gar größere denn je zuvor; sowohl privater also auch beruflicher sowie wohnlicher Natur 🙂

      Viele Grüße, Lui

  2. Etienne
    Artikulierte

    Toll geschrieben!

    Ich wünsche Dir alles nur erdenklich Gute auf dem Weg zum Ich-Sein.

    LG
    Etienne

    • Krony
      Referierte

      Moin Etienne,

      danke für deine aufmunternden Worte – wenngleich auch heute noch nicht alles reibungslos läuft, denke ich, dass ich langsam aber sicher den richtigen Weg zum eigentlichen Ich beschreite. Braucht eben mehr denn eine kleine Preise Zeit, Ausdauer und Geduld 🙂

      Ichige Grüße, Krony

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