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Last Christmas, I gave you my heart. But the very next day you gave it away. This year, to save me from tears, I’ll give it to someone special …

GRRRR, welch schnulzig’ mich die Tage verfolgendes Muschi-Gewäsch! O Weihnachten, du “holdes Fest der Liebe” – du kotzt mich an! Die Perversion deiner bloßen Existenz erklomm auch dieses Jahr neue, gar gülden aufblitzende Höhen. Deine Transformation zum ureigenen Innbegriff geldgierigen Kommerzes scheint irreversibel und allumfassend abgeschlossen.

Innenstädte und Kaufhäuser gleichen kapitalistischen Winterwunderländern. Einem schleimigen Gebräu aus Weihnachtsgerüchen, Weihnachtsrabatten und der allgegenwärtigen „du-musst-möglichst-viele-Geschenke-kaufen-sonst-bist-du-ein-Niemand“-Mentalität. Unsere die Unterschicht beschwichtigenden Medien strotzen nur so vor quirligem Weihnachtsgedöns. Akute Gehirnerweichung hervorrufende Weihnachtsschmonzetten folgen auf penetrant-fröhlicher Weihnachtswerbung, allzeit untermalt mit nervenaufreibenden Schellengesüppe. Milliardenträchtige Weltkonzerne wie Burger-Kong bieten verlockende Weihnachtsburger feil, derweil verschmuste Schnurrfellknäule mit reichlich Zucker angereichertes, da umsatzversprechendes Karies hervorrufendes Weihnachtskatzenfutter kredenzt bekommen. Pausbackige, übergewichtige und zugleich ungepflegt-rauschbärtige Männer schmücken die Fronten vieler Werbeplakate. Wir lobpreisen sie Weihnachtsmänner, obgleich ihre heutige Version eine perfide Werbegeburt reinen Coca-Cola-Kommerzes verkörpert. Mächtig, gierig, fett, beherrschend! Aber Weihnachtlich?

Die Shoppingmeilen unserer Einkaufszentren – erfüllt sind sie ob vorweihnachtlichem Trubel. Gestresste Menschen hetzen lechzend und gierend von A nach B, erpicht darauf, noch möglichst viele ausgefallene Geschenke für Sippschaft und schlechte Freunde zu ergattern. Denn – so lautets‘ verbreitet – Freundschaft misst sich primär am Umfang des Geschenkeberges. Verschenkst du nichts zu Weihnachten, bist du ein Schmarotzer. Ein Unmensch. Ein Außenseiter. Ein Nob, welcher nicht einmal n00b korrekt zu schreiben vermag. Investierst du hingegen massig Kohle in letztlich heuchlerisch-selbstbeweihräuchernden Präsenten, gildest du als liebenswerter Mensch. Obgleich nur zur Weihnacht. Spontan unterm Jahr vom Herzen kommende Gaben sind fatalerweise schnell vergessen und verdrängt.

Selbst multimediale Informationskanäle unserer dauerberieselten Unterhaltungsgesellschaft preisen dich Tag ein Tag aus, o Weihnachten. Der Weihnachtsumsatz stimmt; kratzt an neuen Rekorden? Halleluja, Friede, Freude, Eierkuchen! Der Weihnachtsumsatz stagniert? O Graus! Ein Aufschrei geht durch deutsche Landen, die DAX’sche Kurve knittert fies; derweil selbst ernannte Experten fiebrig nach Gründen ob dieser tragischen Misere suchen. Wohl war, die Weihnacht gilt erst dann als gelungenes Fest, wenn der im oberen zweistelligen Milliardenbereich prognostizierte Umsatz eintrifft.

Der Tragödie bitter‘ Schluss: Weihnachten, du bist für mich gestorben. Einsam stehe ich düstren Schneetreibens umweht gesenkten Kopfes vor deinem offenen Grab, eine stille Kullerträne weinend. Ich beschränkte mich deiner Tage fortan auf das Verschenken von vom Herzen kommender Geborgenheit, Liebe und Vertrauen. Auf freundschaftliche Pläusche mit heißem Käffchen und Glühwein sowie lecker Kuchen und Keksii. Und bin gewillt, diesen kommerziellen Wahnsinn zukünftig ausnahmslos auszublenden, ihm auszuweichen. Um letztlich nicht auch zu einer dieser Millionen schier geistlosen, giergetriebenen Weihnachtsmarionetten zu mutieren. Howgh, ich habe geschrieben!

7 Kommentare

  1. Mia
    Formulierte

    Warum kotzt dich Weihnachten denn so an? Ich finde es schön 😀

    • Krony
      Verbalisierte

      Nun, dass Weihnachten eben mittlerweile nur noch einen reinen Kommerzfreizeitpark darstellt. Alles ist bunt, blinkt, lärmt und auf fröhlich getrimmt. Weihnachten ist gerade in den vier Wochen vor dem eigentlichen Feste allgegenwärtig, sei es im Radio, Fernsehen, auf der Straße oder in Geschäften. Reizüberflutung und schier unzählige Verlockungen für eine auf Spaß- und Materialismus getrimmte Gesellschaft in Vollendung. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass sich viele Menschen freuen, wenn der 24. Dezember endlich anbricht – weil dann ein Ende dieses stressigen Tumultes in Sichtweite rückt.

      Früher hieß es, Weihnachten sei eine Zeit der Besinnung und Stille. Heute nervt mich das ganze Drumherum nur noch, ach was – es widert mich an!

  2. Torben
    Schilderte

    Hi Krony,
    dieser Artikel gefällt mir sehr gut. Endlich mal einer der das passende sagt. Mir geht das genauso jedes Jahr auf den Sack! Schon jetzt steht bei uns im Supermarkt wieder Lebkuchen. Verdammte Kommerz-Huren!
    LG Torben

    • Krony
      Haspelte

      Moinsn Tobi,

      nicht nur Lebkuchen, Weihnachtsstollen und Spekulation stehen ab Ende August in den Regalen unserer Supermärkte – sondern mittlerweile auch ganzjährig bunt bemalte Ostereier, Osterhasen und Nikoläuse. Zwar noch nicht in jedem Supermarkt, aber es wird insgesamt dennoch mehr. Einfach mal darauf achten 🙂

      LG Krony

      • Torben
        Formulierte

        Stimmt, müsste ich echt mal nachsehen 🙂

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