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New York City – größte und beliebteste Millionenstadt der Vereinigten Staaten von Amerika. Pulsierende, sich an die Ostküste sanft heranschmiegende Metropole. Kreativer Moloch unzähliger Künstler, Musiker und skurriler Eigenbrötler. Eine Stadt, stets durchwoben ob knallgelber Taxis, schnöden Mammons, dufter Dudes und mieser Haudegen. Des Nächstes einer verworrenen Galaxie gleichend hell erleuchtet; tagsüber hingegen glitzernd dank all der Reflexionen gen Himmel strebender Glasfassaden. Kommerzielles Herz betuchter Shoppingfanatiker und düstere Absteige drogenverseuchter Undergroundpartygänger. Eine Weltstadt der Superlativen und Super-Naiven. New York City. Schön hier – nur kein W-LAN.

Jedoch fehlt’s diesem exotischen Mix internationaler Ethnien an einer eklatanten Zutat: Superhelden. Batman, Superman, Spiderman, die Fantastic Four und King Kong – alle statteten sie dieser schrecklich schmutzigen, zugleich unheimlich bezaubernden Nutte Perle einen Besuch ab – oder ließen sich zumindest davon inspirieren. Und doch treibt keiner besagter Helden sein heldenhaftes Unwesen in den Straßenschluchten von New York.

Und das ist auch gut so, liebe Genossinnen und Genossen! Ich will euch kraft meines Amtes in wenigen Worten aufwarten, warum den so ist. Ruft euch doch nur einmal all die in und um und um Big Apple herum spielenden Superhelden-Filme ins Gedächtnis. Und erinnert euch nun des Weiteren an all jene epischen Kämpfe von Gut gegen Böse über den nächtlichen Dächern New Yorks. Und nun erinnert euch zu guter Letzt an die obligatorischen Sequenzen, in welchen nahezu jeder Superheld ein volles Pfund aufs Maul bekam – und infolgedessen nicht selten aufgrund eines Mega-Roundhouskicks – BÄÄÄÄM!!!einself! – in einen einsam auf einem beliebigen Dach herumstehenden Wasserspeicher gekickt wurde – oder meinetwegen auch nur aus purer Unachtsamkeit dagegenrempelte. SPLASH! – was für ein effektvoller Abspritz. Tosende Wassermassen umschließen die nun durch und durch feuchten Helden, rauschen gleichsam eines unbeugsamen Tsunamis über das Dach, reißen Dachgärten und IKEA-Sitzgelegenheiten mit sich und stürzten sich schlussendlich über den Rand des Daches in den bodenlosen, gähnenden Abgrund gen düsterer Straßen.

Das Problemchen: New York ist die Hauptstadt der Wassertürme. Wahrlich, auf nahezu JEDEM verfickten Dächlein steht mindestens ein mit Tausenden Litern Brackwasser gefüllter Turm aus Holz oder Aluminium. Diese Eigenart stellt also nicht nur ein stilistisches Wiedererkennungsmerkmal aus Hollywood dar, sondern blanke Realität. Ziehe dir dazu beispielsweise jene auf Wikipedia gelagerte Aufnahme des Empire State Buildings rein. Blende das eigentliche, im Fokus stehende Gebäude aus und halte explizit nach auf Dächern stehenden Wassertürmen Ausschau. Den ersten Turm wirst du erst nach einigem Suchen finden. Den Zweiten dann schon eher. Der Dritte folgt zugleich. Und je mehr Wassertürme du erkennst, desto mehr wirst du auf weiter entfernten Dächern ausmachen. Bis die gesamte Stadt aus einem gigantischen Pulk verschiedenster Wassertürme zu bestehen scheint.

Hollywood lehrte uns nun, dass in jedem titanischen Fight mindestens ein Wasserturm zu Bruch geht und die darin enthaltenen Wässerchen gen Straßen schwappen. Wenn also Superhelden durch New York hangelten, schwängen, kletterten, sprängen oder liefen – und jeder noch so fiesen Verbrechervisage mittels eindrucksvollen Dachkampfes den Garaus machten – was meinst du, was das auf Dauer für eine Sauerei ergäbe? Ungescholtene Bürger und am Gehwägelchen gebundene Omis auf dem Weg zum Enkelsöhnchen währen ihres braven Lebens und ihrer trockenen Kleider nicht mehr sicher. Sie litten eingezogenen Kopfes und unsicheren Blickes gen Himmel unter der glimmenden Angst, jederzeit von Tausenden Litern Wasser überrascht, hinfort gespült, zermalmt und beschmutzt zu werden. Ganz zu schweigen von den exorbitanten Unkosten der Hauseigentümer, welche alle Daumen lang neue Wasserspeicher kaufen müssten. Einziger Profiteur jener desaströsen Lage wäre möglicherweise das in diesem hier beschriebenen Paralleluniversum existierende internationale Wasserspeicherprägewerk Gebrüder Kugel und Rund.

Dennoch. Dies wäre auf Dauer ein Unding, wie ich meine. Und von daher darf New York City stolz darauf sein, sich eine Stadt der Superhelden ohne Superhelden nennen zu dürfen 🙂

Foto: Spidey leap by hyzak

3 Kommentare

  1. Xcy aka Peter Paker
    Schwafelte

    Zitat aus dem allwissenden Fundus von Wikipedia: „Der von einer radioaktiven Spinne gebissene Teenager Peter Parker muss sich in seiner Heimatstadt New York vielen Ganoven und Superschurken stellen, hat sich aber auch gegen die Presse und die Falschmeldungen des Daily Bugle zu verteidigen.“ BADABAAAAAMMMMM!!! 😛

      • Krony
        Schilderte

        Moinmoin Peter,

        ohne dich kritisieren zu wollen – klar treibt dieser Held sein heldenhaftes Unwesen in den Straßen von New York. Allerdings – und ich hoffe, dass ich dir hiermit keine bis dato existierende, dem Weihnachtsmann gleichende Illusion zerstöre – nur in Comics und Filmen. Fakt ist: New York besitzt keine Superhelden. Abgesehen der heldenhaften Feuerwehrmänner vom 11. September 2001, von Chesley B. Sullenberger – dem Piloten des 2009 auf dem Hudson River notgewasserten Flugzeuges – und all den Polizisten, freiwilligen Helfern, sozial Engagierten und Barney Stinson 🙂

        Dein Krony

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