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Viele Philosophen von der Antike bis zur heutigen Zeit stellten sich in ihrem Leben eine zentrale, nicht zu beantwortende Frage: Die Frage nach dem Warum? Warum gibt es uns Menschen? Und vor allem: Was ist der Sinn des Lebens? Die Frage ist so alt wie die Menschheit an sich, seit jeher stellen sich Philosophen, Theologen und Normalsterbliche diese Frage. Und außer tausender religiöser Ausgeburten blieb uns Menschen eine Antwort auf die Frage aller Fragen bislang vorenthalten.

Also, betrachten wir unsere Gesamtsituation mal ganz objektiv: Wir Menschen leben auf einer kleinen, unscheinbaren blauen Kugel mitten im scheinbar unendlichen Nirvana des Universums. Unsere Spezies zählt zurzeit knappe 6,9 Milliarden Individuen, so viel, wie noch niemals davor. Es gibt Schätzungen, die besagen, dass bis zum heutigen Tage knapp 110 Milliarden Menschen auf unserem Planeten lebten. 110 Milliarden – und alle taten das Gleiche. Wir Menschen leben – auf die wichtigsten Fakten reduziert – einzig und alleine aus dem Grunde, unser Fortbestehen zu sichern. Fortpflanzung, damit unsere Spezies nicht ausstirbt. Hier unterscheiden wir uns kaum von Tieren. Dann kommt aber noch hinzu, dass wir einen eigenen Willen entwickeln konnten, wir empfinden Emotionen und Gefühle, können abstrakt und subjektiv denken, können miteinander komplexe Aufgaben lösen und haben eine weltumfassende, größtenteils funktionierende Gesellschaft gegründet. Und dennoch bleibt ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit und der Resignation, denn unser aller Leben schaut wie folgt aus: Geburt, Lernphase, Arbeitsphase um zu überleben, Fortpflanzung, Alter und anschließend der Tot.

Aufgrund dieser Entwicklung sind wir – leider? – in der Lage, uns zu fragen: Das ist alles? Leben wir wirklich nur, um zu leben? Nicht, um etwas Grundlegendes zu bewirken, um aus unserer blauen Kugel ein Paradies zu schaffen? Und selbst wenn wir aus letzterem Grund leben sollten – warum? Wo bleibt hier der Sinn?

Nun gibt es Religionen, die folgende Theorie vertreten: Es gibt einen Gott. Einen Schöpfer, ein Wesen oder eine Art von Energie, die das gesamte Universum geschaffen hat. Das muss nicht einmal ein Gott oder eine menschenähnliche Person sein, es kann sich dabei durchaus auch um das größte aller Naturgesetze handeln oder um eine in sich verschachtelte mathematische Fakultät. Wie auch immer, besagte Religionen lehren folgenden Grundsatz: Es gibt eine große Schale voller Samen, voller Menschensamen. Unentwickelte menschliche Seelen. Diesen gibt Gott die Chance, sich auf unserer Erde im Laufe mehrerer menschlicher Leben zu entwickeln und ein höheres, perfekteres Level zu erreichen. Damit diese eine strahlende, reine Seele bekommen und nach Abschluss der Entwicklung in die Feinstofflichkeit übersiedeln können, um in eben jenen Paradies für immer weiterzuleben.

Uff!

Stellt sich einem nur die Frage, warum der „allmächtige Gott“ überhaupt unterentwickelte Menschen schuf, nur damit sich diese im Laufe von Jahrmillionen weiterentwickeln. Warum nicht gleich fertig entwickelt? Nun, so ähnlich klingen viele Schöpfungsgeschichten anderer Religionen, einige bedienen sich noch abgefahrener Szenarien. Doch eines haben alle Religionen gemeinsam: Sie bieten keine befriedigende und vor allem logische Antwort auf die Frage, warum es uns gibt und was der Sinn des Lebens ist.

Vielleicht gibt es einfach keinen. Eventuell sind wir alle und das gesamte komplexe Universum ein Relikt des Zufalls. Ein Fehler in der Matrix sozusagen, eine unvorhergesehene Gleitkommaziffer in einer riesigen, nicht reduzierbaren laufenden Rechenoperation. Vieles spricht dafür: Unser kleiner blauer Planet umkreist bekanntlich die riesige Sonne in unserem Sternensystem. Ein kleiner heller Punkt. Einer von einhundert Milliarden Milliarden Sonnen in unserer Milchstraße. Also 1 aus 100.000.000.000.000.000.000. Wohlgemerkt nur in unserer Milchstraße, welche eine Galaxie darstelle. Eine kleine, unbedeutsame Galaxie mit einem verhältnismäßig kleinen Durchmesser von 100.000 Lichtjahren. Und unsere kleine Milchstraße ist eine Galaxie von ebenfalls geschätzten 100 Milliarden Milliarden Galaxien. Somit wäre unsere Sonne eine von 100.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000 (!). Andere Schätzungen gehen von 70 Trilliarden Sternen aus – immer noch viel. Auf unserem Planeten konnte sich nur Leben entwickeln, weil die Erde auf wenige Kilometer genau im perfekten Abstand um die Sonne kreist. Weil die Erdneigung auf wenige Grad genau so stimmt und weil auch der Tag-Nacht-Rhythmus auf wenige Sekunden genau passt. Auch die Position der anderen Planeten stimmt in unserem Sonnensystem auf wenige Kilometer genau, wäre nur eine winzig kleine Variable anders, wäre die Erde ein unbewohnbarer Wüstenplanet oder ein durchs All trudelnder Eisblock.

Zufall? Wie entstand das Universum überhaupt? Es ist schon einmal alt wie Methusalem. Über 13,75 Milliarden Jahre. Und hat einen Durchmesser von mittlerweile über 75 Milliarden Lichtjahren – aufgrund der exponentiellen Ausdehnung wird es auch laufend in alle Richtungen größer. Nun war ganz am Anfang der Urknall, binnen weniger millionsten Sekunden entstand aus dem Zustand der absoluten Singularität eine unvorstellbare Masse an Materie und Energie. Die Singularität beschreibt einen nicht näher definierbaren Punkt, an dem sich alle Materie, Energie und Zeit des gesamten Universums auf einen winzig kleinen Punkt konzentriert in einem nicht nachvollziehbaren physikalischen Zustand. Zeit existiert in diesem Zustand nicht, diese entstand erst durch den Urknall. Stellt sich einem die rein objektive Frage: Was war neben dem kleinen Punkt? Wie sieht es aus, wenn es gar nichts gibt, nicht mal Nichts? Nicht einmal Zeit, keine Gesetzmäßigkeiten, kein Licht – gar nichts? Sondern nur diesen klitzekleinen Energiepunkt?

Noch kurioser wird diese Vorstellung durch die Prognosen der Astronomen, die davon ausgehen, dass das Universum in einigen Milliarden Jahren in sich selber zusammenstürzen wird, weil es dann einen Zustand der maximalen Ausdehnung erreicht hat. Es wird also instabil. Sprich, wenn das Universum einen Zustand maximaler Ausdehnung erreicht hat, wird die universale Rechenoperation abbrechen. Und anschließend wird es kompliziert: Alle Materie wird sich verdichten, die Zeit hört auf zu existieren und es entsteht wieder ein Zustand der Singularität. Ein Anti-Urknall sozusagen.

Und dann? Könnte es einen neuen Urknall geben? Gab es schon einen Urknall vor unserem Universum, sind wir nur die Bewohner eines von unendlich bereits existierenden Universen? Ein unbedeutendes, zufälliges Universum, das sich in die unendliche Reihe aller Universen einreiht? Und was war ganz am Anfang, bevor das allererste Universum entstand? Was wird ganz am Ende sein? Fragen, die über den menschlichen Horizont hinausgehen und den Sinn des Lebens auch nicht beantworten können. Aber das wäre zumindest logisch, alles auf unserem Planeten entsteht und vergeht. Vom ganz Kleinen – das Leben einer Milbe – über den Kreislauf der Jahreszeiten bis hin zur Geburt von Sternen und deren Ableben als Supernova. Alles beginnt irgendwann und geht irgendwann dem Ende entgegen, so auch unser Universum. Und alles beginnt anschließend wieder von vorne …

Was bleibt, ist Unzufriedenheit. Das ist alles? Wir sind Zufall? Ein Zufall in einer unendlichen Reihe zu Zufällen? Und gibt es nun einen Gott, der uns schuf? Oder nicht? Nun, Gott ist vielleicht das Universum, und das wiederum eine emergente Eigenschaft seiner Einfachheit. Es existiert, weil es einfacher ist als das Nichts. Das ist vielleicht der Grund seiner Existenz. Das scheinbar so komplizierte Universum, das wir sehen, ist eine klare Eigenschaft seiner Einfachheit. Das Universum existiert, weil es einfacher ist als das Nichts. Das Universum könnte nicht einfacher sein, als es ist. Dies ist ein physikalisches Gesetz, aus dem sich alle anderen ergeben. Es ist pure Mathematik. WIR sind pure Mathematik. Ein Produkt des Zufalls. Wir existieren einfach aus dem einzigen Grunde: Wieso denn eigentlich nicht?

Und wer weiß, vielleicht schreibt in 2.000 Jahren ein Mensch über den Sinn des Lebens und wirft dabei einen Rückblick auf Philosophen der Vergangenheit. Und vielleicht stößt dieser Mensch im Laufe der Recherchen auf mich und meine Website, liest sich das durch und beginnt anschließend zu schreiben: Viele Philosophen von der Antike bis zur heutigen Zeit stellten sich in ihrem Leben eine zentrale, nicht zu beantwortende Frage: Die Frage nach dem Warum? Warum gibt es uns Menschen? … Womit der ewige Kreislauf wieder geschlossen wäre!

Foto: Bengelsdorf / photocase.com

2 Kommentare

  1. Schaeuble
    Laberte

    Mit dem Universum expandieren auch wir alle zusammen. Nichts passiert einfach zufällig. Manche glauben an das Schicksal, andere wiederum nicht. Der Urknall, wie es ihn vor 13,6 Milliarden Jahren gab, wird sicherlich nicht der einzige gewesen sein, warum auch? Was wäre so abstrakt an einem anderem Universum, in dem alles anders läuft als hier? Das Multiversum kann genauso gut existieren, wie wir genauso gut nur eine Laune einer höheren Macht sein könnten. Der Sinn des Seins ist nicht dafür gedacht, dass wir Menschen ihn verstehen sollen. Wir können mit unseren Augen ja noch nicht mal alles wahrnehmen, was das Universum uns bietet. Wir sind auf einer Ebene der Existenz, die uns nur wenig Einblicke gewährt, und doch denken wir, wir seien die Königsklasse. Wir wollen hoch hinaus, doch auf dem Weg dahin, kann es noch sehr steil werden, ein falscher Schritt und wir fallen. Und diesen Aufprall werden wir mit Sicherheit nicht wegstecken können. Der Sinn des Lebens ist also nicht definierbar, da er für jeden einzelnen Menschen, für jedes Individuum unterschiedlicher nicht sein kann und doch das Gleiche ergibt. Fragen über Fragen. Doch ohne Antwort gibt es theoretisch auch keine Frage.

    Wenn wir den Sinn des Lebens herausfinden, hat das Leben dann überhaupt noch einen Sinn? Vielleicht ist ja der Weg zur Antwort der Sinn, und sobald wir sie haben, ist alles sinnlos.

  2. Krony
    Sagte

    Dein letzter Absatz birgt im Kern die eigentliche Wahrheit. Ja, der Sinn des Lebens besteht paradoxerweise darin, eben diesen zu ergründen. Doch rein logisch dürfen wir den Sinn niemals herausfinden, denn sonst hätte es keinen Sinn mehr – ein klassisches intuitives Paradoxon. Aber es hört sich nach der Lösung an. Geil!

    Aufgegriffen wird der Sinn des Lebens im übertragenen Sinne übrigens unter anderem in Star Trek Voyager mit der Spezies Q aus dem Q-Kontinuum. Diese Lebensform hat es geschafft, alle Rätsel des Universums zu lösen und alle nur erdenklichen Technologien zu erschaffen und zu erproben. Nachdem nun seit Jahrhunderten zwischen den Qs kein einziges Wort mehr gesprochen wurde, da bereits alles gesagt wurde, sieht Q in seinem Leben keinen Sinn mehr und will nur noch das letzte unerreichte Ziel der Qs erreichen: Friedvoll sterben. Das wiederum löst die berühmte Q-Krise aus ….

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