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Fleisch! Mehr! Billiger! Hunger! So lechzt die ganze Menschheit. 7,1 Milliarden Menschen (fr)aßen anno 2012 circa 300 Millionen Tonnen Fleisch[*] (entspricht dem Gewicht von 41.096 Eiffeltürmen), wobei der unbändige Fleischeshunger des aufstrebenden 1,3-Milliarden-Volkes China gerade erst begann. Just in diesem Augenblick wachsen weltweit knapp 19 Milliarden Hühner, 1,4 Milliarden Rinder, eine Milliarde Schweine und nochmals eine Milliarde Schafe[*] für ihre industrielle Weiterverarbeitung als günstiges Fleisch oder Tiermehl zur Fütterung weiterer Tiere heran. Köpfe rollen, bergeweise: Im Laufe eines Jahres enthaupten und verwerten Fleischbetriebe zwischen 45 und 50 Milliarden Masthühner[*], Tendenz: stark steigend. Dabei haben Masttiere an sich mit ihren ursprünglichen natürlichen Pedanten kaum etwas gemeinsam. Ihr gesamtes Dasein wurde von Menschenhand auf Effektivität, Effizienz und Monetarisierung getrimmt. Sie sind Maschinen in einer computergesteuerten industriellen Umgebung – und lediglich ihr eigenes Material wert.

Die Züchter haben das Masthuhn über die Jahre gründlich umfunktioniert, zu einer »hocheffizienten Maschine, die Getreidefutter in billiges, proteinreiches Tierfleisch verwandelt«, wie es der amerikanische Historiker William Boyd ebenso bewundernd wie schaudernd formuliert. Diese Maschine frisst doppelt so schnell wie eine Legehenne. Sie frisst auch, wenn der Nährstoffbedarf schon gedeckt ist, bis nichts mehr in den Magen passt. Dafür bewegt sie sich wenig, fliegt und flattert kaum. Gegen Ende der Mast ruht sie fast nur noch – die Knochen wachsen einfach nicht so schnell wie die Schenkel oder das Brustfleisch. Den Mästern kommt dieses passive Verhalten entgegen: Weniger Bewegung bedeutet weniger Energieverbrauch, also höhere Gewichtszunahme.

Quelle: „Der Überflieger“ des Süddeutsche Zeitung Magazins. Lesenswert!

Menschen sind hungrig – und vertilgen Masttiere. Masttiere sind allerdings ungleich hungriger – und verschlangen 2012 rund 800 Millionen Tonnen Weizen, Roggen, Hafer und Mais sowie 250 Millionen Tonnen Fischmehl, Ölschrot aus Sojabohnen und Kleie[*]. Mehr noch:

Der Weltagrarrat, bei der Unesco angesiedelt, schätzt, dass die Nutztierhaltung heute 70 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche beansprucht.

Quelle: Fleischatlas 2013 – Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel, Seite 39.

Flächen, die der grundlegenden Lebensmittelversorgung von 870 Millionen unterernährten Menschen abhanden kommen[*]. Und der Hunger steigt ungebremst: Fleisch gilt als Statussymbol – wer es sich leisten kann, greift zur Keule. Beißt in die Lende. Kaut an der Wurst. Die Fleischproduzenten hinken der enormen Gier nach frischem Fleisch regelrecht nach. Artgerechte Tierhaltung ist unter diesem Milliarden versprechenden Leistungsdruck de facto nicht realisierbar; Wirtschaftlichkeit und technischer Fortschritt stehen vor Wohlergehen und Lebensqualität der Masttiere. Doch lange Rede, kurzer Sinn: Eigentlich wollte ich lediglich auf folgende Ausschnitte des 2013 erschienenen französischen Filmes „Samsâra verweisen, welcher in knapp 1,5 Stunden ein beeindruckendes, unkommentiertes – aber mit packender Musik untermaltes – Porträt der Menschheit zeichnet. Fremdartige Kulturen, gigantomanische Bauwerke, das Wunder des Lebens, Stress und Hektik, Krieg und Leid, Liebe und Freundschaft und auch ausufernde wirtschaftliche Facetten unseres Wirkens und Daseins auf unserem kleinen Blauen Planeten wurden auf Film gebannt. Eine wahrlich neue Definition des Wortes „Menschheit“.

Weiter zur Website des Filmes „Samsâra“ samt offiziellem Trailer.

Ausschnitt aus Samsâra: La surconsommation – Überkonsum

Video putt? Dann mich bitte hier kurz informieren – danke!

Titelbild: Ausschnitt aus „Samsâra„.

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