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Letztens skypte ich mit einem guten Freund, wir unterhielten und über den Sinn des Lebens und darüber, ob der Sand in der Sahara jemals ausgehen würde. Irgendwann kamen wir dann auf das schwierigste aller Themen zu sprechen, der Liebe. Nun, und auf das Statement, dass ich gerade auf der Suche nach einem neuen Freund sei, antwortete er mit einem eindeutigen „Waahhh, das ist doch eklig!“ Aha. Ekelig also. Gut, da wollte ich natürlich wissen, warum, worauf er meinte, dass er schwulen Sex abstoßend fände. Trotzdem, okay, zur Kenntnis genommen!

Hmm. Aber warum denken eigentlich alle immer gleich an Sex, wenn sie an schwule Jungs denken? Warum gibt es hier eine weitverbreitete Meinung, dass sich schwule nur treffen, um – entschuldigt den Ausdruck – miteinander zu ficken? Da läuft doch eindeutig etwas schief!

Denn schwule Liebe ist so viel mehr als nur der reine Spaß am Sex. Er umspannt nicht mehr und nicht weniger Aspekte der Liebe als die von Heten-Pärchen. Ich bin ebenso auf der dauernden Suche nach dem einen Partner, nach der einen besonderen Person. Nach jemanden, mit dem ich rumkuscheln kann. Jemanden zum Knuddeln. Jemand, der da ist, wenn ich ihn brauche. Ein Freund, der mich tröstet und in die Arme nimmt, wenn es mir schlecht geht oder ich traurig bin. Jemand, der mir das Gefühl von Geborgenheit gibt. Mit dem ich im übertragenen Sinne Pferde klauen gehen kannst, mit dem ich auch einfach mal ein Picknick im Englischen Garten in München machen kann. Mit dem ich die Clubs der Stadt aufscheuche. Einen Freund, mit dem ich einfach glücklich zusammen leben kann. Also nichts anderes, als „normale“ Pärchen auch zu erreichen versuchen. Sicherlich, der Sex spielt in einer Partnerschaft auch eine Rolle, sogar eine ziemlich wichtige. Dennoch stellt er eigentlich ein schönes Nebenprodukt einer intensiven Freundschaft dar, er ist nur ein kleiner Teil des Ganzen.

Und es ist für uns Schwule alles andere als leicht, neue Bekanntschaften zu schließen. Wir können schließlich nicht die erstbeste Person auf der Straße fragen, ob sie denn auch schwul sei und Lust auf ein Date hätte. Gut, können schon, aber es empfiehlt sich nicht. Die meisten schwulen Jungs sehen ganz normal aus und fallen nicht weiter auf. Und wenn sich jemand nicht direkt outet, fällt es verdammt schwer, ihn zu erkennen. Es gibt zwar auch genügend eindeutige Clubs und Bars, um neue Kontakte zu knüpfen – doch das ist auch nicht jedermanns Ding. Doch zum Glück leben wir im Zeitalter der Digitalisierung und der weltweiten Vernetzung, ein Hoch auf das Internet. Viele Bekanntschaften werden – sowohl in heterosexuellen als auch in homosexuellen Beziehungen – über das Internet gemacht. Denn Dating- und Flirtingportale gibt es wie Sand am Meer.

Doch selbst hier haben es schwule Jungs nicht immer allzu leicht. Nehmen wir das europaweit größte Portal, gayromeo.com. Es schaut nicht ansprechend aus, ist überfüllt mit Fake-Accounts und – das musste sogar ich am eigenen Leib erfahren – es gibt unglaublich viele alte und heruntergekommene Personen, die einem – nett ausgedrückt – Geld für eine gemeinsame Nacht bieten. Dann gibt es funkyboys.com, das sich eher an jüngere Mitglieder richtet. Auch nicht schlecht, aber ebenso voll mit gefakten Accounts und schlecht zu bedienen. dbna.de und schwulejungs.de wiederum richten sich komplett an die jüngeren unter uns im Alter von 16 – 30 Jahren. Und hier muss ich sagen, ist die Chance, einen ehrlichen Freund zu finden, am größten. Es wird viel Wert auf die Authentizität der Profile gelegt, sei es über Ausweiskontrolle oder Profilbildüberprüfung. Dennoch bleibt ein schaler Nachgeschmack, es fehlt einfach der perfekte Platz, um neue Jungs kennen zulernen. Man(n) hat es nicht leicht …

Die Devise des Moments lautet daher, nicht aufzugeben. Ich werde auch weiterhin über unerschöpfliche Sandvorkommen philosophieren und meinen Traumprinzen suchen. Unabhängig davon, was andere zu sagen pflegen. Denn das ist eine der größten Schwierigkeiten – sich nicht beeinflussen zu lassen und es sich einfach nicht mies machen zu lassen. Howgh, ich habe gesprochen!

Foto: gschpænli / photocase.com

6 Kommentare

  1. weigand
    Verfasste

    Aha!!! Alt =heruntergekommen.auch ältere brauchen Zärtlichkeit.schön das du ewig jung bleibst

    • Krony
      Faselte

      Dass auch Ältere Zärtlichkeiten benötigen, steht außer Frage. Nur die Art und Weise, wie dies oft und gerade auf Portalen wie Gayromeo geschieht, zeugt einerseits von Schamlosigkeit, wirft andererseits ein geradezu verzweifeltes Licht auf die betroffenen Personen. Liebe benötigt nun einmal Vertrauen, Geduld und Zeit. Und nicht Geld, selbst wenn es einem nur um eine schnelle Sexnummer geht, das kann auch anders angengangen werden. Nichts desto trotz bezieht sich obiger Verweis im Artikel nur auf einen kleinen Teil älterer Schwuler, die meisten sind völlig in Ordnung und können durchaus überaus charmant sein 🙂

  2. Andy
    Schwadronierte

    Wir haben es schwer !!!

  3. Pingback: Homosexualität: Warum Schwuppen schwul sind | Krony

  4. Achmed
    Formulierte

    und für mich als Türken ist es noch schwerer meine Schwule Seite auszuleben und jetzt hat noch mein Vater für mich eine Frau aus der Türkei besorgt die ich in Juni Heiraten soll, ich bin richtig Verzeifelt da ich mich nicht vor meinen Arabischen Freund Trennen möchte, wir Lieben uns seit 3 Jahre und wollen auch zusammen bleiben. Ich weis jetzt nicht a sich tun soll, wenn meine Famile dahinter kommt das ich Schwul bin, werde ich entweder Verstossen oder sogar mit Gewalt bedroht….Ist alles Mist wenn man ein Schwuler Türke ist.

    • Krony
      Schwadronierte

      Moin Achmed,

      das klingt in der Tat mies – aber nicht hoffnungslos, Kopf hoch! Selber vermag ich dir zwar recht wenig weiterzuhelfen, ich kann dir allenfalls Mut, Durchhaltevermögen und den Glauben an deine Liebe ans Herz legen. Jedoch existieren anonyme Anlaufstellen telefonischer Natur, an welche du dich wenden könntest. Dort findest du fundierte Hilfe bzw. Unterstützung von Profis vor, die sich mit derlei Angelegenheiten auskennen (sollten) und dir auf jeden Fall weiterhelfen können. Du musst dich lediglich trauen, anzurufen. Unverbindlich und wie gesagt auch anonym. Kostet einiges an Überwindung, das weiß ich aus eigener Erfahrung, aber stellt sich rückblickend zumeist als richtige Entscheidung heraus 🙂

      Nun, ich bin mir nicht sicher, ob die folgenden Kontakte für dich wirklich die passenden sind, aber einen Versuch ist es auf jeden Fall wert: Telefonische Beratung und Beratungszentren für Schwule, auch mit Migrationshintergrund. Trau dich, es geht schließlich um dich und dein persönliches Glück. Chacka! 🙂

      Daumendrückende Grüße, Krony

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