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Es folgen verstörende, geistlose Worte – tick tack tick tack! Meine innere Uhr tickt nicht mehr ganz richtig. Ihre Impulse laufen völlig aus dem Ruder. Lichte Momente und düstere Finsternis entreißen sich abwechselnd die kühle Klinke aus den Händen, die Existenz fester Ess- und Schlafenszeiten hörte quasi auf. Meine Körpertemperatur kam komplett zum Erliegen. Vernebelnd verstörende Tage wechseln sich nun mit nervösen, schlaflosen Nächten ab.

Schuld trägt einzig und allein der zurückliegende Urlaub. Ab seinem ersten Tag verschob sich mein kompletter Biorhythmus um knappe 13 Stunden. Die Nacht wurde zum Tag und selbiger zur entspannenden Traumzone erklärt. Abendliche Morgenstunden von 17 Uhr und mehr etablierten sich ebenso in meinem kopfstehenden Tagesablauf wie das Zubettgehen zur morgendlichen Rushhour. Mit Beginn der Dämmerung begannen für mich die verstörenden Stunden der endlosen Partys. Zeiten stundenlangen Feierns und Lachens, aber auch des nachdenklichen Social-Networkings. Die umliegenden Luftschichten flirrten ob der Myriaden drahtlos übertragener Skypewortfetzen und endloser Chatromane.

Endlos trockene Podiumsdiskussionen über Gott und die Welt lösten kindlich-aufregende Flirts mit außergewöhnlich fesselnden Jungs ab. Und – nebenbei bemerkt – eine Person stach aus dieser anonymen Ansammlung digitaler Freunde ganz besonders heraus. Ein echter Freund. Nein, ein Seelenverwandter. Ich kenne ihn nun schon sehr lange und muss gestehen: Ich bin ausnahmsweise nicht nur von seinem unergründlich faszinierenden Wesen, sondern auch von seinem dunkelbraunen Haar, dessen adretter Pony schräg über sein keckes Gesicht fällt, gefangen. Von seiner modischen Kette, welche zumeist seinen Hals ziert, während sein trainierter Oberkörper ein schwarzes, körpernahes Hemd trägt. Dazu gesellen sich zutiefst nachdenkliche, vom jungen Leben gekennzeichnete blaue Augen. Und, gnnnhihi, zudem zwingt er mich aufgrund seiner eindeutig dreideutigen Hinweise in seinen engen schwarzen Hosen seine Männlichkeit zu erahnen, was mich wieder und wieder verlegen erröten lässt. Eine wahre Wucht, der Typ …

… leider. Er ist ein Frauenheld. Und damit das beste Beispiel einer einseitigen Anhimmelung. Ja, die schlimmste Art, jemanden zu vermissen, ist, an seiner Seite zu sitzen und zu wissen, dass er nie zu einem gehören wird. Die krasse, durch notorisches Dauerchatten verursachte Zeitverschiebung und vor allem die soeben grandios begangene Themenverfehlung verursachen definitiv meinen jetzigen, zermürbenden Zustand.

Ganz klar, ich leide am Chatlag. Was mir bleibt, ist dumpfe Betäubung. Ein nebelumwobener, auf Sparflamme brennender Verstand. Tristesse in Reinkultur … gute Nacht, du grausame Welt!

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