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Chinas stetiges Wirtschaftswachstum wirft neben darbenden Biotopen massig investitionsfreudige Neumillionäre ab. Reiche Chinesen, deren Geldkatzen regelrecht danach schreien, ordentlich gemolken zu werden. Dachten sich unter anderem Dubais Scheichs – und erschufen eine schimmelnde Großbaustelle schimmernde Metropole an den sandigen Küsten des Persischen Golfs. Dumm nur, dass die Kunst des Denkens auch andernorts fleißige Verwendung findet. So auch bei visionären Unternehmern der Millionenstadt Incheon im Nordwesten Südkoreas. Jene Planer griffen wohl zu Weltkugel und Zollstock und nahmen Maß. Resultat: Die Luftlinie zwischen Peking und Dubai beträgt 5.841 Kilometer. Die zwischen Peking und Incheon hingegen lediglich 935 Kilometer. Eine Idee ward geboren. Inhalt des Vorhabens: Planstadt für asiatische Touristen klöppeln. Name des Projektes: 8City – oder auch Eightcity.

Eightcity(8City) Master Plan

Video putt? Dann mich bitte hier kurz informieren – danke!

8City soll vor allem für neureiche Chinesen zukünftig in etwas das verkörpern, was Dubai für betuchte Europäer sowie Orientalisten und Vegas für unterhaltungsgeile Amerikaner darstellt: Eine exquisite, topmoderne, stylishe Touristenoase. Nun ließen sich leicht ein paar Kasinos samt Wellnessbereichen aus dem Boden Südkoreas stampfen. Doch mainstreamige Touristenfallen dieser Art stellen den Initiatoren 8Citys, dem Unternehmen Eightcity Co, ein Dorn im Auge dar. Sie wollen mehr. Viel mehr. Etwas noch nie da Gewesenes.

Aus den Wassern des Gelben Meeres vor Incheons Küste, in Nähe des größten Flughafens Südkoreas, vermag 8City eines menschgeschaffenen Weltwunders gleich emporsteigen. 80 Quadratkilometer groß. Kostenpunkt: Rund 317 Billionen südkoreanische Won – umgerechnet 289 Milliarden US-Dollar oder 216 Milliarden Euro. In Form einer acht, der chinesischen Glückszahl. Mit zwei innerhalb der beiden Rundflächen der Ziffer 8 verlaufenden, 14 Kilometer langen Gebäuden und einem Verbindungsstück zwischen den beiden Rundungen mit 3,3 Kilometer Länge, 880 Metern Breite und 200 Metern Höhe. Umsäumt von sündhaft teuren Hotelanlagen, futuristisch anmutenden Hochhäusern, Einkaufszentren, Theatern, Konzertsälen, Kasinos, Freizeitparks, Yachthäfen und noch und nöcher. Durchwoben von gediegenen Stränden, Golfplätzen und Grünanlagen sowie einem fahrerlosen, öffentlichen Personennahverkehrssystem. Die Erbauer versprechen sich nicht weniger als Platz für 350.000 zahlende Touristen und 930.000 neue Mitarbeiter, welche Selbigen jegliche Wünsche aus den Augen lesen. 8City soll DAS touristische Zentrum des gesamtasiatischen Kontinents werden. Und der Plan könnte aufgehen; Schätzungen zufolge bietet der direkte Einflussbereich 8Citys rund 134 Millionen potenzielle Touristen, Tendenz stark steigend. Ganz zu Schweigen von den anderen vier Milliarden Bewohnern Großasiens.

Unerschwingliche Gigantomanie? Undurchführbares Vorhaben? Mitnichten. Zwar mißlingt hierzulande bereits der Bau eines einzelnen Bahnhofs oder Flughafens, doch Südkorea tickt anders. Dank zahlreicher privater Investoren sollen die Arbeiten zur Landgewinnung von 8City ungefähr Mitte des ersten Halbjahres 2013 starten. Das Ziel: Eröffnung erster Teilstücke von 8City um 2020 herum und Fertigstellung der kompletten Spaß- und Chillmetropole gen 2030. Lehrreiche Erfahrungen mit Planung und Bau gänzlich neuer Städte konnte Südkorea und im Speziellen Incheon beispielsweise mit New Songdo City sammeln – wie hier am 9. März 2009 berichtet. Diese 40 Milliarden Euro teure Hightech-Stadt befindet sich seit 2003 erfolgreich und vor allem plangemäß (!) in Bau und soll bis circa 2020 fertiggestellt werden. Well, that’s real Gangnam Style, Dude!

Quellen: „Mega leisure hub in sight | The Korea Times„, „Korea’s whopping US$275 billion tourism city plan | CNN Travel“ sowie „Korea plans gigantic $270 billion ‘tourism city’ | SmartPlanet„. Grafik: Ähm, jene hier von dort.

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