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Es ward anno 2006 gewesen, dass ich eine Freundin hatte 🙊. Sie hieß Nadine, ein fesches Mädchen, welches ich über das in meiner damaligen Aufenthaltsregion erfolgreiche soziale Netzwerk ednetz kennenlernen durfte (ednetz ward ein dilettantischer Abklatsch des derzeitigen MySpace-Hypes gewesen. Oh, und MySpace wiederum der geistige Vater Facebooks). Fernab persönlicher Treffen fand die Kommunikation zu damaligen Zeiten neben Nachrichten via besagtem Netzwerk auch über ICQ, dem Simsen (mobilen, überteuerten Textnachrichten via SMS; ward Anfang des 21. Jahrhunderts recht populär gewesen) sowie – aufgepasst – handgeschriebenen Briefen statt. Wohl wahr, meine Generation vermochte sinnvoll Wörter, ja ganze Sätze im Zusammenspiel von Füllfeder, Geduld und Muße zu Papiere zu bringen. Und diese mehrere Tage zeitversetzt auf dem Postwege zustellen zu lassen; stets auf die Gefahr hin, dass Eltern oder Geschwister diese öffneten und heimlich mitlasen.

Weshalb ich dies erzähle? Nun, die Ohrgasmus-Reihe diente stets primär der Veröffentlichung meiner handgeklöppelten Spotify-Playlists. Indes, ich vergaß für geraume Zeit, genau das zu tun. Weswegen diese Playlist – Volume Kappa – aus dem Herbst des vergangenen Jahres 2016 stammt. Was läge ergo näher, diese alten akustischen Kamellen mit ungleich älteren handschriftlichen Liebesbriefrelikten meiner eigenen Jugend abzuwerten? Genau: Alles! Was mir jedoch egal ist. Es folgt daher die Transkription eines von Nadine handgeschriebenen Liebesbriefes vom August 2006, welcher als siebenseitige und richtiggehend kitschige, mit gezeichneter Bordüre, Lippenstiftkussmund und Parfüm versehene Antwort für einen vermutlich ähnlich langen Liebesbrief meinerseits diente. Was mich – knapp elf Jahre später – in die bequeme Situation versetzt, keinen eigenen Content zur Füllung dieses Artikels erdenken zu müssen. In diesem Sinne: Musik an – und feste lesen!

Hi Lui,

so, jetzt ist es mittlerweile 21:40 und ich sitze nun an meinem Schreibtisch, um Dir auf Deinen wunderschönen, lieben, süßen, unbeschreiblichen, hammergeilen Brief zu antworten.
Um Dir die Frage zu beantworten, ob wir uns mit meiner Freundin Jenny nach meinem Nordseeurlaub in München treffen können, sag ich jetzt noch mal Folgendes dazu: Klar will ich mich mit Dir in München treffen, und das ganze am liebsten schon morgen. Vielleicht findet unser erstes Treffen (hoffentlich der richtige Augenblick für den ersten Kuss) ja schon vor meinem Nordseeaufenthalt statt?! Wer weiß? Naja, um auf den Punkt zu kommen, ich wollte Dich fragen, ob Du Lust hast, Dich mit mir auf dem Herbstfest (oder was das auch immer sein soll) des Olympiageländes noch vor dem 12.08.06 zu treffen? Vielleicht sogar noch diese Woche? Ich weiß, Du musst lernen, aber es würde doch auch theoretisch Freitagabend gehen, oder? O. k., egal, es kann sich hier auch dieses Wochenende noch kurzfristig etwas ergeben, das werden wir dann sicherlich am Telefon klären. Wenn dies allerdings nicht klappt, dann können wir uns auf die darauffolgenden Wochen des 20.08.06 freuen. So und jetzt: STOPP! AUS! SCHLUSS! Ich laber schon wieder viel zu viel Scheiße und träume in meiner Fantasiewelt dahin.
Nun mal zu meiner Mutter (ein unleidiges Thema, ich weiß). Naja, aber das muss auch sein! Also … Ich habe nun zu meiner Mutter gesagt, dass ich Dich aus dem Chat eines Brieffreundschaftsklubs kenne … O. k., sie hat mir das abgenommen und ist so weit auch mit allem einverstanden. So, das war’s jetzt eigentlich auch schon wieder zum Thema: Mutter!

Nun auch noch mal zurück zum ersten Kuss. Weißt Du noch, wie Du das alles in Deinem Brief an mich beschrieben hast? Ja? O. k., genauso habe ich mir immer meinen ersten Kuss vorgestellt und ich glaube, in Dir habe ich echt meinen Traummann gefunden. Du bist romantisch, einfühlsam, gut aussehend, nett, ehrlich, offen, süß, zärtlich, lustig, bringst jedermann zum Lachen. Um Dich zu beschreiben, fehlen mir erstens die Worte – und zweitens bräuchte ich dazu 1.000.000 Seiten. Du kannst echt stolz auf Dich sein! Um auf Deinen Vorschlag zurückzukommen, einen gemeinsamen Filmeabend zu veranstalten, sage ich nur eins: Das ist eine brillante Idee! Da können wir uns dann beide eng aneinander kuscheln, uns küssen, streicheln, und liebevolle und bedeutende Worte ins Ohr flüstern usw. Und jetzt nicht träumen, Schatz! Denn der Film läuft ja dann noch, von dem müssen wir auch noch etwas mitkriegen. Ich würde halt mal sagen, dass wir alles auf uns zukommen lassen, o. k.? Und nichts überstürzen, das habe ich bei meinem Ex gesehen, denn das kann ein großer Fehler sein!
Oh, der Nordseeurlaub *schwärm*, ich freu mich schon voll auf den. Der riesengroße Nachteil ist, dass wir nicht nur 800 km, sondern über 1.000 km voneinander entfernt sind, *traurig dreinschau*. Aber … Selbstverständlich werde ich Dich anrufen, wenn Du mich dann auch mal anrufst. Schließlich befinde ich mich ja noch in Deutschland! Und das nächste große Problem ist, dass ich noch nicht weiß, ob in unserer Ferienwohnung ein Telefon vorhanden ist. Ich werde Dir aber so viel wie möglich SMSen schreiben und auch versuchen, irgendwie und irgendwo ins ednetz zu kommen. Wie versprochen werde ich Dir von dort auch Postkarten, Briefe und auch eine Überraschung schicken, sowie Dir ein Souvenir mitbringen.
So, nun mal zu meinen Haustieren: Ich hatte sechs Wellensittiche! Charly (an Altersschwäche gestorben), Beppo (gleiches Schicksal wie Charly), Pippo (hat sich vergiftet) und dann gab es noch drei weitere, die entweder vom Auto überfahren worden sind oder eben auch ausgebüxt. Aber das ist nun mal „das Schicksal der Tiere“! Wenigstens ist mir mein Hund Whisky noch treu geblieben, auch mit den Frauen, *smile*!
Nun, ich wollte Dir auch noch sagen, dass es mir egal ist, wie Du durchgefeiert aussiehst, welchen Tick oder Style Du hast. Es kommt auf die inneren Werte an!

LUI, ICH LIEBE DICH!

Auch ich möchte mich mit diesen Worten verabschieden. Ich hoffe, der Brief enthält nicht allzu viele Rechtschreibfehler! Ich durfte nun wundervolle 5 Stunden an Dich denken! Bye bye, bleibt gesund und so wie Du bist. Bis zum/zur nächsten Brief, Telefonat, SMS oder ednetz-Nachricht.

In Liebe,
deine Nadine *kiss*

PS: Deine Idee mit dem T-Shirt finde ich fantastisch! Die T-Shirt-Farbe ist mir egal, nimm einfach die, die Dir am liebsten gefällt, o. k.? Und von der Größe nimmst Du am besten XL, dann passt auch meine Oberweite rein xD Wenn’s zu groß ist, ist es auch nicht schlimm. Ich mag’s sowieso lieber, wenn sie weiter sind, *smile*!

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