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» Normal ist, was nicht auffällt. «

Wieder einmal hat mich mein alltägliches Leben auf eine Ebene des Denkens gebracht, mit der ich nicht fertig wurde. In einem Gespräch mit einem Freund tauchten häufig die Worte normal oder abnormal auf. Wenn man dies tut, ist es normal, wenn man jenes tut, nicht – und so weiter.

Doch, was ist eigentlich normal? Wer hat festgelegt, was denn für uns normal ist und was nicht?
An dieser Stelle könnte ich es übertreiben und weit ausholen. Nehmen wir die Behauptung „ein mal eins macht eins“ – wer auch immer sich das mal ausgedacht hat. Jeder kennt sie und jeder weiß, dass dieser Fakt stimmt. Im Gegensatz zur Normalität ist diese Behauptung also für alle gleich, sie ist normal. Oder doch nicht? Wie kommt es eigentlich, dass es eine Norm gibt, die doch für jeden etwas anderes bedeutet?
Oben steht ein Zitat. Ich entschuldige mich dafür, dass ich nicht mehr weiß, von wem es ist, doch ich finde es ziemlich treffend. Normal ist, was nicht auffällt. Durchschnitt halt. Das stimmt doch, oder? Wer sich nicht übermäßig schön anzieht, aber auch nicht furchtbar aussieht, ist eben normal. Wer in der Schule nicht besonders gut, aber auch nicht besonders schlecht ist, hat normale Leistungen. Leuchtet ein, oder? Man sticht eben nicht aus der breiten Masse heraus, man ist durchschnittlich, nahe an der Trendgerade einer jeden Statistik. Eben normal.

Andererseits trifft meine Behauptung überhaupt nicht zu. Man müsste definieren, wer feststellen soll, ob etwas normal oder nicht normal ist. Angenommen, ich setze mich als 16-jähriger Junge in meinen Keller und trinke eine Flasche Schnaps – aus welchen Gründen auch immer -fällt das dann jemandem auf? Nein, sofern ich mich nicht erwischen lasse und keine Spuren hinterlasse, bleibt es mein Geheimnis. Es ist nicht aufgefallen. Also auch nicht anormal. Aber ist das jetzt dadurch das Gegenteil, nämlich normal? Normal ist auf jeden Fall, das jeder irgendwas zu verheimlichen hat. Doch der Fakt, dass Trinken im Keller normal sei, ist also nicht zutreffend, oder? Fragen über Fragen, wieder antwortet mir keiner.

Vielleicht ist das ganze Gegrübel sinnlos, wenn man nicht beleuchtet, was denn diese Normalität für uns bedeutet. Es gibt Menschen, die sich bewusst an der Norm, also am Durchschnitt, orientieren. Dann gibt es andere, die bewusst gegen diese arbeiten, obwohl ich bezweifeln mag, dass dies immer wirklich deren Plan ist. Sich abheben zu wollen, ist menschlich. Niemand will sein wie der andere, außer er hat irgendetwas Negatives an sich, was ihn zum Selbsthass bringt. Aber mal ehrlich, Menschen definieren sich darüber, individuell zu sein. Ich glaube das bewegt sich in einem bestimmten Rahmen. Es gibt Dinge, die wir als normal, selbstverständlich und unabdingbar kennen. Jeder Mensch will Leben, gesund sein (Verhaltensstörungen oder Ähnliches müssen wir hier jetzt mal ignorieren) und keiner möchte in vollkommener Armut oder Abstinenz leben (außer aus religiöser Überzeugung – vielleicht – aber dann stellt sich die Frage, ob derjenige es wirklich von sich aus will). Das ist normal. Sobald wir etwas als richtig empfinden, ist es normal. Aus der Sicht von sich selbst, andere mögen darüber anders denken.

Normal. Normalität. Etwas, woran – das kann niemand leugnen – sich jeder irgendwann orientiert. Was für einem normal ist, muss jeder eigentlich selbst entscheiden, doch wir bekommen es tagtäglich von anderen eingebläut und können das meist gar nicht eigenmächtig. Doch da niemand, außer man selbst, weiß, ob man normal ist oder nicht, ist das eigentlich auch wieder egal.

Wenn ich mir selbst die Frage stelle, ob ich normal sein will… weiß ich keine Antwort. Das ist etwas, worüber sich jeder mal Gedanken machen sollte, bevor er jemanden oder etwas als abnormal betitelt……

Foto: kallejipp / photocase.com

3 Kommentare

  1. Schaeuble
    Verbalisierte

    […]Angenommen, ich setze mich als 16-jähriger Junge in meinen Keller und trinke eine Flasche Schnaps – aus welchen Gründen auch immer -fällt das dann jemandem auf? Nein, sofern ich mich nicht erwischen lasse und keine Spuren hinterlasse, bleibt es mein Geheimnis. Es ist nicht aufgefallen. Also auch nicht anormal.[…]

    Aber es ist doch nur für die Außenwelt normal, wenn man nicht davon weiß, man selber weiß aber davon und könnte sich selbst als nicht normal ansehen, bzw sein Verhalten. Ich persönlich glaube, dass der Begriff „normal sein“ nur ein Wort ohne weitere Bedeutung ist. Was für den einen normal ist, ist für den anderen sicherlich höchst seltsam. Das ist doch normal, das es so ist. 😀

    Normalität ist kein Maßstab. Normalität ist das, was man versucht uns aufzuwingen, wie man sein soll, versucht. Doch das Bewusstsein der heutigen Gesellschaft ist durch die Vergangenheit unetrschiedlich beeinflusst wurden. So sieht sich jeder entweder als Normal, den mainstream an, oder als Rebell und andersdenkender Mensch.

    Nehmen wir mich zum Beispiel. Ich habe am Donnerstag im Pennergame Forum gegen jede Regel in einem Post verstoßen. Ich wussste, dass mich danach ein Bann im Forum erwartet, das war doch nur normal. Dass mich aber auch ein Ingamebann auf Lebenszeit erwartete, das hielt ich für fast ausgeschlossen, doch so kam es. Nun widersprach das der Normalität, denn ich hatte mich nicht an das Normale, hierbei die Regeln gehalten. Es war ein Experiment, ein Experiment, was gelang, andererseits aber auch nach hinten losging, zumindest für mich.

    Durch dieses banale Beispiel lässt sich doch klar zeigen, wenn man etwas nicht normales tut, also gegen bestimmte Regeln verstößt, ist man nicht mehr normal. Soso. Wenn ich hingegen, wie jemand anderes aus einem Flugzeug springe, wäre das für uns beide normal. Wenn es alle tun würden, wäre es für jeden normal. Das ist wie Religion. Manche glauben an etwas, andere an etwas anderes und widerum andere an gar nichts, Alle drei Parteien sehen die jeweils anderen als nicht normal an, akzeptieren sie aber. Andere akzeptieren sie nicht, das wird dann wieder von den 3 Parteien als nicht normal angesehen. Somit kann man sagen, dass nichts normal ist.
    Jede Reaktion auf eine Aktion ist nicht normal. Wenn sie nicht schon festgelegt wurde. Doch ist es dann noch eine Reaktion? Spontanität bringt nichts normales mit sich. Feste Regeln legen Normalität fest. Wer sich die Regeln ausgedacht hat, der sagt, was normal ist. Das können physikalische Regeln, Normen, Werte und Moralische Regeln, Spielregeln, sonst was sein. Nicht normal ist, wer dagegen verstößt.

    Mal auf das Zitat bezogen: » Normal ist, was nicht auffällt. «
    In einer Welt, in der alles nicht normal, also sagen wir bunt ist, würde das normale, nennen wir es „weiß“ auffallen und wäre somit nicht mehr normal.

  2. Krony
    Kritisierte

    Normalität bedeutete Stillstand und damit unseren Untergang. Es gibt daher keinen normalen Zustand in unserem Universum, nichts ist normal. Und sogar die Dinge, die wir als „normal“ erachten, sind – aus einem anderem Betrachtungswinkel – unnormal! Ich könnte hier jetzt auch stundenlang schwadronieren und tiefgründige philosophische Betrachtungen starten – aber ein gutes Zitat sagt oftmals mehr als tausend Worte:

    Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben.

    George Bernard Shaw, 26.07.1856 – 02.11.1950
    irischer Dramatiker, Schriftsteller und Nobelpreisträger

  3. Ibo mitsu
    Tratschte

    Ich frag mich wirklich öfters was jetzt tatsächlich normal ist?! Vielleicht sind wir doch alle nicht normal? Woher wissen wir dass das was wir jeden tag um uns sehen normal ist? Vielleicht sehen die dinge ja in wirklichkeit ganz anders aus? Wirklichkeit? Was ist das denn jetzt schon wieder.. Normal ist wie du schon sagtest -für uns- das was nicht auffällt. Nehmen wir mal ein menschen mit 4 armen als beispiel: die 7 Milliarden Menschen würden es als anormal bezeichnen, aber wer weiss, vielleicht ist der der Normale, und wir die anormalen? Hmm.. Fragen über fragen, is doch nicht normal 😀

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