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Vater [mütterlich]: Sohnemann, wir müssen reden!

André [reaktionslos]:

Vater [aufgebracht]: Junge, hörst du mir wohl zu?!

André [reaktionslos]:

Vater [zornig]: NIMM SOFORT DIE KOPFHÖRER AB!

André [überrascht, nimmt die Kopfhörer ab]: Öhm hey Dad. Was gibt’s? Noch nix von Privatsphäre gehört oder was? Man, mach’s schnell – meine Jungs können den Strand auf Wake Island nicht ewig ohne mich halten!

Vater [belehrend]: Sohn, wir müssen reden. Ein Vater-Sohn-Gespräch. So von Mann zu Mann. Verstehe mich nicht falsch, André, aber du bist jetzt seit einer Woche 15 und es ist also an der Zeit, dass dir dein Vater ein paar grundlegende Dinge über das Leben erzählt.

André [fragend]: Hä? Was willste?

Vater [beschämt]: Es ist mir selber unangenehm, aber deine Mutter meinte zu mir, ich solle das nun endlich mal mit dir besprechen.

André [genervt]: Komm zum Punkt, Dad!

Vater [seufzend]: Okay. Gut. Sohn, dein Vater muss mit dir dringend über den Liebesakt, den intimen Koitus zwischen einem verheirateten Mann und seiner geliebten Frau reden. Darüber, wie …

André [euphorisch]: Sex? WOHOO, endz geil! Sag an, was willst du wissen?

Vater [irritierten Blickes]: Ich verstehe nicht …

André [stolz]: Dad, ich hab schon Ischen geknallt, als du noch dachtest, ich spiele mit Lego! Und ich hab Muschis geleckt. Und Schwänze gelutscht. Und es Jungs und Chickas hart besorgt!

Vater [mit weit aufgerissenen Augen]: … Herrgott im Himmel. Du beliebst zu scherzen!

André [selbstbewusst]: Ich weiß also schon alles und hab also kein Bock auf dein peinliches Gelaber hier! Kannst wieder verschwinden!

Vater [zweifelnd]: Sohn, du sprichst im Fieberwahn! Deinem Mund entfleuchen wirre Worte!

André [mutig]: Alter, bleib mal leger! Ich weiß Bescheid und will jetzt zocken. Also geh aus meinem Zimmer und mach hinter dir endlich mal die verfickte Tür zu!

Vater [aufbegehrend]: So nicht, Junior! Deine Aussagen kann ich nicht einfach so im Raume stehen lassen. Schau mich an … SCHAU MICH AN, VERDAMMT!

André [genervt]: Was issn noch?

Vater [erbost]: Entschuldige dich SOFORT für die sündigen Worte, welche dir soeben über die Lippen kamen! Bei Gott und bei mir!

André [störrisch]: Ja wie jetzt? Darauf kannst du lange warten, Dad. Ich bin der Letzte, der sich bei dir für irgendwas entschuldigen wird! Ich war dir noch nie perfekt genug und du hast mir auch nie Freiheiten gegeben! Also geh endlich und lass mich alleine, man man man!

Vater [aufbrausend]: Das ist doch die Höhe, ich …

André [unterbrechend]: Ich weiß ALLES, Dad. Hab euch oft belauscht. Ich bin kein Wunschkind. Sondern nur ’nen paar Cocktails und ’nen geplatztes Tankstellenkondom.

Vater [entsetzten Blickes]: André, so darfst du nicht denken, das war alles …

André [sarkastisch]: Zum Glück hast du Mum damals nicht in den Arsch gefickt, sonst wäre ich wirklich ein Arschlochkind, oder? ‚Ne Arschgeburt.

Vater [mit Hand an die Stirn fassend]: Gott bewahre! Mir deucht, mir bleibt die Luft weg!

André [spottend]: Dann setz dich hin! Man.

Vater [beschwörend murmelnd]: Gnade dir Gott, André. Es ist der Teufel, der aus dir spricht! Ja, anders kann das nicht sein. Du bist nicht du selbst, sondern …

André [trotzig]: Dann schock ich dich gern noch weiter, Dad. Weil ich bin Bi! Und treib’s mit Jungs. Und Frauen. Und ich liebe Sperma! Mjam om nom nom.

Vater [fassungslos]: Großer Gott, steh mir bei! Mir wird ganz Schwarz vor Augen.

André [schwärmend]: Es gibt nichts Geileres als ’nen großen harten Schwanz von nem süßen Freund in meinen Mund zu nehmen und sanft zu lecken und lutschen und saugen!

Vater [erschrocken]: TEUFEL AUCH! GENUG! Im Namen Jesu und im Namen Mariä befehle ich euch, ihr höllischen Geister, weichet von uns und diesem Orte und waget nicht, wiederzukehren und …

André [ruhig weitererzählend]: Und ich schlucke auch gerne, Dad. Wie Mom! Ich mag’s, wenn ’nen Junge in mir kommt. Dann spritzen sechs Milliliter heißes Sperma mit knapp 15 bis 20 km/h in meinen Arsch. Oder Mund. Hmm. Sechs leckere Milliliter, ’nen ganzer Teelöffel voll mit 300 Millionen einzelnen Spermien. Was ’ne Wucht! Geilo!

Vater [verzweifelter Miene]: Weichet ihr bösen Geister im Namen des dreieinigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes! Sehet nicht, höret nicht, verwirret nicht, fesselt nicht, löst die Fessel! Der Herr, unser Gott, …

André [lauter redend]: Ey hör auf, so ’nen Scheiß zu labern. Das geht ja mal gar nicht! Kannst doch stolz auf mich sein, Dad. Immerhin werd ich im Gegensatz zu Mum von Sperma nicht dick. Weil wegen schwanger werden und so. Außerdem hat ’nen Schluck Sperma nur fünf Kalorien. Und ist dazu noch gesund. Hilft zwar echt nicht gegen Halsweh, wie im Web und so behauptet, aber hat gesundes Zeugs in sich. Also Dingens da. Genau, Inhaltsstoffe. Ich hab mich nämlich informiert!

Vater [nach Luft ringend]:

André [erklärend]: Und wenn ich schlucke, dann nehm ich 5 Milligramm Zink in mir auf. Und ’nen Mensch braucht davon nur zwölf am Tag. Außerdem besteht Sperma aus leckerer Fruktose. Und Cholesterin. Natrium, Kalium, Magnesium, Kalzium, Zitronensäure und so weiter. Pure Medizin, Dad. Du siehst, dass mich Schlucken gesund macht – und meine Freunde glücklich. Checkste?

Vater [bekreuzigend]: Streite, Herr, gegen alle, die gegen mich streiten, bekämpfe alle, die mich bekämpfen! Ergreife Schild und Waffen; steh auf, mir zu helfen! Confundantur et revereantur quaerentes animam meam; avertantur retrorsum et confundantur cogitantes mihi mala …

André [herausfordernd]: Ey weißte eigentlich, wie Sperma schmeckt? Total neutral, man. Manchmal bissle salzig oder nussig. Aber insgesamt eigentlich total fein!

Vater [rabiat]: STOPP, du Ausgeburt der Hölle! Mir stoßt’s schon sauer auf! Im Namen des Herren befehle ich dir …

André [unbeirrt schwadronierend]: Ich erkenne am Geschmack vom Sperma sogar, wie sich meine Freunde so ernähren, Dad. Das ist voll geil! Weil wenn die viel Würziges essen – so Pizza und Burger und so – dann schmeckt Sperma irgendwie säuerlich. Und faulig. Total schlecht. Und wenn die andauernd saufen gehen und rauchen, dann schmeckt’s fad. Bitter. Und abgestanden. Und Bier ist echt am Miesesten, Dad. Weil dann schmeckt Sperma echt total assi, übelst herb und fies und bitter. Also eigentlich schmeckt Sperma nur himmlisch, wenn die, denen ich grad einen blase, auch gesund leben und Sport machen und sich bewusst ernähren. So wie ich ja auch weil wegen Mums ewigen Salatgedöns hier. Meins schmeckt nämlich gut. Hat zumindest Becci gemeint. Und Nick auch.

Vater [böse zischend]: In nomine Iesu Christi Dei et Domini nostri, intercedente immaculata Vergine Dei Genetrice Maria …

André [grinsend erklärend]: Und Früchte machen Sperma echt lecker, Dad. Bananen sind IMBA. Und Ananas erst. Pfirsiche, Mangos und Kirschen auch. Und viel Wasser trinken hilft ebenso, wusstest du das? Dann schluck ich wirklich gerne und viel und immer wieder, weil’s dann süß und lecker schmeckt und hamma duftet, mjam! Nur Cola und so vermiesen den Geschmack wieder.

Vater [fanatisch lauter fauchend]: … beato Michaele Archangelo, beatis Apostolis Petro et Paulo et omnibus Sanctis, et sacra ministerii nostri auctoritate confisi, ad infestationes diabolicae fraudis repellendas securi aggredimur.

André [provozierend]: Wenn ich auf Koks bin und ’ne Freundin so richtig hart und lange ficke und dann in ihr abspritze, dann ist das Coco auch im Sperma und in der Muschi von ihr und wird von ihren Schleimhäuten aufgenommen. Dann ist sie auch voll geil drauf!

Vater [mit verzerrtem Gesicht ans Herz fassend]: Keuch!

André [böse kichernd]: Alter, das war ’nen Witz, jetzt beruhig dich mal!

Vater [bestürzt]:

André [entnervt]: Was ist denn los? Ich bin bi und steh auf Sperma, ja und? Komm mal damit klar! Daran wird auch dein ach so geliebter Dingens-Gott da nix ändern können. Außerdem stammst du selber aus Sperma, das dein Dad mal in deine Mum schoss, vergiss das nicht. Alter! So ’nen Theater hier. Du führst dich auf wie im Film!

Vater [brüllend, dann flüsternd]: KEIN WORT MEHR! UND FASS MICH JA NICHT AN! DU DÄMON! SATAN! DAS wird ein NACHSPIEL HABEN, das schwöre ich dir bei GOTT und all seinen irdischen Dienern! Herrje, ich muss umgehend zu Pfarrer Braun und … nein, besser gleich Kardinal Michael Semjonowitsch Filitow informieren.

Vater [fluchtartig das Zimmer verlassend]: Es eilt …

André [laut keifend]: Hey, wenn du dich schon verpisst, dann denk an die Tür. Hey! HEY! SCHLIESS ENDLICH DIE VERDAMMTE TÜR HINTER DIR! ARGH!

André [aufstehend und Tür zuknallend, danach zurück an PC gehend und Kopfhörer aufsetzend]: Irgendwann …

André [motiviert]: Leute? Re! Sorry, dasses so lang gedauert hat … Was? … Ach, nichts Besonderes! Dad spackt mal wieder rum … Scheiße, man, welcher Penner hat mich hier erwischt?! …

Foto: Sperm… after a fashion von ~Squil~.

4 Kommentare

  1. Scoon
    Erörterte

    Hm, so richtig, weiß ich nicht was ich daraus nehmen soll. Ein Vater mit konservativen und christlichen Idealen will seinem Sohn viel zu spät aufklären. Aber statt das dieser ihm einfach klar macht, wie es aussieht, behandelt er diesen wie den letzten Dreck. Toleranz gleich null. Witzig? Nicht wirklich, da für mich zu nah an der Wirklichkeit. Meine Meinung.

    PS: Das gilt für diesen Beitrag. Andere haben mir sehr gut gefallen.

    • Krony
      Formulierte

      Aloha Scoon,

      danke für deine ehrliche Meinung. Das Aufeinanderprallen zweier so unterschiedlicher Wesensarten kann meines Erachtens durchaus auf den einen oder anderen Leser komisch, womöglich gar lustig wirken – dies ist hierbei allerdings von der jeweiligen persönlichen Situation respektive den Erlebnissen besagten Lesers abhängig.
      Fakt ist hingegen in der Tat, dass sich der beschriebene Dialog tragischerweise sehr nahe an der Wirklichkeit orientiert – basiert er doch in seiner Grundsubstanz auf den reellen Erlebnissen eines mir bekannten Menschen.

      Viele Grüße, Krony

  2. Ben
    Referierte

    geiler Dialog, würd ein geiles Ende mit Vater und Sohn haben. Hab das bis zum Ende erlebt mit meinem Vater.

    • Krony
      Schwafelte

      Aloha Ben,

      definiere „geiles Ende“, das klingt im Zusammenhang der Thematik dieses Dialogs nämlich durchaus grässlich zweideutig.

      Grüße, Krony

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