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Einstmals, im vergangenen Jahrtausend, entwickelten aufgeweckte Jugendliche in allen größeren Städten rund um unseren Planeten Erde eigene Subkulturen, welche sich teils deutlich von denen anderer Städte unterschieden. Sie drückten damit Einzigartigkeit aus, schufen eine gemeinsame Identifikationsebene mit gleichaltrigen Freunden und Bekannten. Und grenzten sich durch ihre ureigen entfalteten Wesensarten sowohl mental als auch künstlerisch gegenüber Jugendlichen anderer Städte und Länder ab – und selbstverständlich auch gegenüber als brutalst steinzeitlich anmutenden, älteren Semestern. Als lebhaftes Beispiel dieser regionalen Lebensstile soll hier die ehemals so blühende Berliner Jugendkultur erwähnt werden, welche nebst einer eigenen Jugendsprache auch einen eigenen Kleidungsstil und selbstredend eigene Ansichten vertrat. Und dies Szenen übergreifend – Emos, Punks, Metaller, Hippies, Raver, Hopper sowie Skater – nahezu alle gehörten dazu. Sie liebten ihre Stadt, all ihre Schwächen und Stärken – und trugen diese Botschaft vereint in die ganze weite Welt hinaus. Der gelebte Alltag war ungewöhnlich, crazy und kreativ – aber fand unter einem gemeinsamen Dach statt.

Heutzutage verwischen diese kulturellen Unterschiede zwischen Jugendlichen zunehmend – landesweit und global gesehen. Picke dir eine beliebige, westlich orientierte Stadt auf dieser Welt heraus und betrete dort einen unter Garantie vorhandenen McDonalds. Du wirst Jugendliche schauen, welche überall auf der Welt die gleichen Burger verschlingen und dieselben Softdrinks schlürfen. Die sich allesamt in den aktuellsten Trends beliebter Modelabels wie H&M, Esprit & Konsorten kleiden. Die über iPhone, Android oder Windows Phone 7 kommunizieren, sich als Produkt in denselben sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder Myspace verkaufen lassen und in diesen über die identischen, weltweit laufenden Kinofilme aus Hollywood, global vorherrschenden englischsprachigen Charts oder allerorts ähnlich angehimmelten Superstars unterhalten. Jugendliche, welche unterschiedslos die gleichen Dinge liken, einheitliche Nachrichten diskutieren und frappierend unindividuelle Zukunftsvorstellungen besitzen. Zudem nähert sich die Sprache der weltweiten Jugend mehr und mehr einem globalen Gemenge aus Englisch und der jeweiligen Landessprache, durchwoben von neologistischen Chatkürzeln und Smileys. Die von dir herausgepickte Stadt verliert bevölkerungsspezifisch ihre mentalen und kulturellen Eigenheiten; sie wird austauschbar.

Angesichts dieses Bildes vermag der Gedanke zu keimen, dass die Jugendlichen unserer Generation ihr Gesicht verlieren. Dass weder die Vergangenheit, noch die nähere Umgebung oder aktuelle politische sowie gesellschaftliche Entwicklungen die heutige Jugendkultur zu formen vermögen – sondern Milliardenschwere, multinational und profitorientiert agierende Konzerne diese Aufgabe übernehmen. Was nicht wirklich verwundert, schließlich gehört die Gegenwart nun einmal den Konzernen – die Entwicklung zum heutigen Status quo dauerte knapp über 100 Jahre an.

Wie sich nun diese neue, länderübergreifende Konzernkultur auf Dauer weiterentwickeln und auswirken wird, darüber kann lediglich spekuliert werden. Geteilte Meinungen sind quasi vorprogrammiert. Meine ganz persönliche Ansicht dazu lautet, dass die laufende Transformation zur gemeinsamen Jugendkultur neben aller kommerziell orientierten Vereinheitlichung und Verblassung auch erstmals eine gewaltige, so noch nie da gewesene Chance bietet: Kommende Generationen werden näher denn je zuvor zusammenwachsen. Kulturelle Barrieren schrumpfen auf ein gesundes Niveau und Ländergrenzen existieren irgendwann einmal nur noch obligatorisch respektive traditionell. Der Menschheit bietet sich zukünftig die Möglichkeit, langsam eins zu werden.

Foto: Taken by ehud (This photo was taken from flickr.) [CC-BY-2.0], via Wikimedia Commons.

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