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Wie eine imposante Herde dummer Schafe. So kommen mir die umgebenden Charaktere vor. Nein, die gesamte Gesellschaft. Plumpe, dem Instinkt folgende, leicht lenkbare Schafe. Eines geht voran – alle anderen folgen. Und ich steh mit weit aufgerissenem Mund dazwischen, wundernd ob des abgedroschenen Verhaltens.

Moskito gleich Elefant

Allerorts flimmert Tag ein Tag aus die vermeintlich überlebensnotwendige Mattscheibe. Ob im eigenen Schlafzimmer, im Wohnzimmer, in der Küche oder bei manch einem gar im Bad. Sie läuft unentwegt, berieselt das Publikum mit “hochklassiger Unterhaltung” und “seriösen Nachrichten”. Das Fernsehen und indes ebenso diese neuartige Erfindung, das „Internetz“, sind DIE Medien des Informationszeitalters. Und jene, die uns Menschen bis dato nachträglicher umformten, als alles in der Geschichte der Menschheit davor. Stärker und nachträglicher, als alle Diktaturen es jemals erdenken könnten.

Irgendwie gruselig. Da trug es sich zum Beispiel am Samstag, den 12. Juni 2010 auf der „Die Krise heißt Kapitalismus“-Demonstration in Berlin zu, dass ein Böller in der Menschenmenge explodierte und mehrere Polizisten leicht verletzte. Kurz darauf überschlugen sich die Ereignisse, die Medien übertrumpften sich mit immer skandalöseren Schlagzeilen – und unsere Politiker zogen entsprechend, wenngleich offensichtlich planlos, nach. „Eine neue Dimension linker Gewalt!“, „Die Splitterbomben-Affäre!“ oder „Terror in Berlin: Der Sprengstoffanschlag!“ Das ist nur ein klitzekleiner Auszug der damals allerorts heiß diskutierten Parolen. Rhetorisch-journalistische Kniffe hin oder her – bedenklich ist meines Erachtens die Erkenntnis, dass offenkundig NIEMAND innehielt, um diesen Medienrummel kritisch zu hinterfragen. Mitnichten, es lief alles seine vertrauten Wege: Die Medien berichteten ausführlich – und der nervöse Bürger sorgt sich seither umso mehr um seine Sicherheit. Ein folgeschwerer, bunter Mix aus Katastrophenjournalismus, Panikschürei und Fehlinformationen.

So geschah es nicht nur bei der Berichterstattung zum Böllervorfall in Berlin, das war nur ein kleiner Tropfen auf dem heißen Stein. Nein, dieses Schema geht in unseren Medien tagein tagaus vonstatten, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Ob Zeitung, Radio, Fernsehen oder Internet. Meldungen gilt es aufzubauschen, zu verfälschen, zu hypen oder schlicht und einfach neu zu erfinden. Die Schlagzeile zählt. Beziehungsweise deren Wirkung auf die Menschen dort draußen. Und natürlich der Profit.

Makellose neue Welt

Fakt ist: Die uns gegenwärtig vorgespielte Welt ist zu einem großen Teil erstunken und erlogen. Vertrauen nie, was du im Fernsehen siehst! Schenke keinem Foto in einem Magazin, keinem Video im Internet und keinem Text in irgendeiner Zeitung glauben. Es darf nur geglaubt werden, was man selber gesehen respektive erlebt hat. Du denkst, das klänge allzu sehr „Verschwörungstheorien“ und „9/11“? Dito, aber es ist vermeintlich traurige Wahrheit. Nehmen wir nur einmal das Bildmaterial: Fotos werden digital retuschiert, zerschnippelt, neu zusammengesetzt oder komplett digital gerendert. Sei es, um einen zutiefst erschütterten und nachdenklichen Barack Obama darzustellen, die Zustände rund um die Ölkatastrophe im Golf vom Mexiko zu beschönigen, Raketentests abschreckender wirken zu lassen oder einfach, um den Frauen dieser Welt mittels auf Perfektion gepimpter Models aus Hochglanzmagazinen ein armseliges Gewissen einzubrennen.

Dass sich Geschriebenes wiederum leicht fälschen lässt, wissen wir spätestens seit der Bibel, dem Dritten Reich oder der DDR. Doch die ausgefeilten Techniken der Informationsmanipulation sind mittlerweile in unvorstellbare Dimensionen vorgedrungen. So besteht streng genommen berechtigter Zweifel daran, dass sich z.B. ein Nachrichtensprecher wirklich bei der Örtlichkeit befindet, die er zu suggerieren versucht. Oder dass ein Video wirklich die Szenen wiedergibt, die es augenscheinlich darstellt. Wie erschreckend einfach sich bewegte Bilder manipulieren lassen, zeigt das nachfolgende Making-of-Video der Stargate Studios aus South Pasadena. Selbst grundsätzlich banale Situationen und Szenen werden vor einem Greenscreen gedreht und erst im Nachhinein digital überarbeitet und mit unserer alltäglichen Umgebung ergänzt. Das spart massig Geld und Zeit – und bietet den enormen Vorteil, die Welt so wiederzugeben, wie sie sich der Regisseur vorstellt. Überzeuge dich selbst:

Video putt? Dann mich bitte hier kurz informieren – danke!

Stellt sich einem die große Frage: Wenn sich im Vergleich sogar solch kleine Studios diesen digitalen Aufwand leisten können, wie schaut das Ganze dann erst bei weltumspannenden, milliardenschweren Nachrichtenagenturen wie „Reuters“ oder dem „Axel-Springer-Verlag“ aus? DASS manipuliert wird, ist wohl jedem klar. Aber: Keiner hinterfragt es. WARUM?

Gelenkte, idiotische Gesellschaft

Fakt ist desgleichen: Wir sind eine Gesellschaft gelenkter, scheinfreier Individuen; eine sich an virtuellen Utopien ergötzende das eigenständige Denken einstellende. Um beim Musterbeispiel Fernsehen zu bleiben: Dessen Niveau verfällt langsam, aber stetig. Eine geistlosere Sendung folgt auf der Nächsten, in einem Topf Abendfernsehen finden sich mit Glück ein paar verirrte Moleküle Anspruch. Hier könnte nun passenderweise Pro Siebens Wissenssendung „Galileo“ bekrittelt werden, die so essenzielle Fragen wie „Können 30 Leute ein Auto durch die Stadt tragen?“ beantwortet und tagtäglich die nutzlosesten Gadgets auflistet. Oder diverse Reality-Serien/-Soups, auf die ich hier schon gar nicht mehr näher eingehen will. In gleicher Weise lassen die Nachrichten an ihrer Grundidee, den Menschen zu informieren, mehr als zu wünschen übrig. Welcher „Z-Promi“ sich mit wem und wo traf, interessiert mich schlicht und einfach nicht, sorry! Andere anscheinend schon. Wenn irgendwo auf der Erde 100.000 Menschen durch ein Erdbeben elendig krepieren, ist das für ein paar wenige Tage interessant. Stichwort „Katastrophenjournalismus“. Doch wehe, wenn kurz darauf ein berühmter Promi einen Aussetzer hat, uhhh, DAS ist natürlich WIRKLICH interessant und verdrängt alles bisher da gewesene.

Noch krasser – ach was, besorgniserregender – ist die Tatsache, dass sich unsere Gesellschaft an medialen Trugbildern orientiert. Diese beeinflussen ganz entscheidend aktuelle Modetrends, verändern die Erziehung der Kinder, die Sprache und das alltägliche Einerlei. Unser Leben. Die attraktiven, sicheren Seiten der flimmernden Welt erscheinen plötzlich vollendet und erstrebenswert, es MUSS einfach danach gehandelt werden. Das kennst du selber sicherlich auch, wenn du etwas siehst und dir denkst: „Woah, das will ich auch haben. So will ich sein!“ Oder wenn dir dein Kollege nicht stolzgeschwängerte Stimm erzählen, dass er neulich im Fernsehen dieses und jenes sahen und sich nun diese Inhalte nun selber aneigneten. Schließlich zeigen die Medien ja die „Wahrheit“ und – in unserem Fall – den „echten Deutschen“. Obwohl fast ausschließlich Vollspacken präsentiert werden. Medien manipulieren! Meistens.

Dazu gesellt sich, dass wir vollends zu einer geldgeilen Konsumgesellschaft mutierten. Der Markt wird laufend von „innovativen, unverzichtbaren“ Produkten überschwemmt, die wir selbstverständlich unbedingt haben müssen. Nichts ahnend, dass wir dadurch mehr und mehr von den eigentlichen Werten des Lebens UND von stillen Momenten zum Nachdenken abgelenkt werden. Es zählt der materielle Mensch. Besonders in den USA nahm diese Entwicklung bereits beängstigende Ausmaße an, die Opfer das Volk verfällt in einen hypnotischen Kaufrausch, schafft sich auf Pump neue Dinge an und blendet die restliche Welt komplett aus. Falls es sich dann tatsächlich für etwas interessieren sollte, bekommt es Informationen als appetitliche Häppchen präsentierte – einfach gehaltene, beschnittene Nachrichtenfetzen oder Sendungen, die des Volkes Geist nicht allzu überfordern. Marionetten, leicht zu lenken, gutgläubig und folgsam wie fromme Schafe.

Wer die Medien kontrolliert, kontrolliert den Menschen

Wir halten fest: Nachrichten werden künstlich aufgebläht. Medien reagieren hysterisch. Politiker handeln gedankenlos. Bilder, Text und Videos werden optimiert, manipuliert oder erfunden. Das Niveau sinkt, der Stress durch Dauerberieselung und Konsumsucht steigt stetig an. Medien „bilden“ und lenken, fatamorganieren eine schöne neue Welt und wecken den Drang, es ihr gleichzutun. Die Welt, wie wir sie heute kennen, ist ein einziges, großes Kasperltheater – und wir dessen willige Zuschauer. Niemand hinterfragt es. Doch: Was passiert denn abseits dieser Mauer aus Ablenkung und Fehlinformationen wirklich hinter den Kulissen der politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Bühnen dieser Welt? Wer steuert diese Vorgänge, wer entscheidet darüber, was veröffentlicht wird oder besser geheim bleibt? Wer kümmert sich um Ablenkungsmanöver und streut wirre Gerüchte? Und vor allem: Warum? Sind wir denn alle längst überwachte, indirekt gesteuerte Bürger, die ihren uralten Ansporn zu denken und gegen die Missstände in diesem Land aufzubegehren, verloren haben? Was ist wahr, was ist gelogen? Wem dürfen wir noch glauben schenken?

Sind wir auf dem Weg in eine orwellsche Gesellschaft? In eine düstere Zukunft, in der auf freies, eigenes Denken Strafe folgt? In eine digitalisierte Welt, in welcher Informationen von schemenhaften Konzernen, Staaten und deren Propagandaministerien gestreut und leider nicht hinterfragt werden? In ein totalitäres, überwachtes System? Nun, der Wandel dorthin geschieht schleichend. Stück für Stück zieht sich die Schlinge enger um den Hals, die Weidefläche der Schafe verringert sich von Jahr zu Jahr. Das Wasser im Topf wird so langsam erwärmt, bis es zu spät ist und der Frosch nahezu unbemerkt stirbt. Ich will hier ja nicht den Teufel an die Wand malen, obgleich ich dadurch Tapete sparte. Aber: Wir müssen die Lauscher spitzen, scheinbar gewöhnliches hinterfragen und den Mut zu Zweifel und Kritik beibehalten. Sonst sehen wir einer düsteren, unfreien Zukunft entgegen.

Zeit aufzubegehren!

Im alten Rom schlug ein Senator einst vor, man solle doch alle Sklaven mit einem weißen Armband versehen, um sie besser erkennen zu können. „Nein“, polterte daraufhin ein weiser Senator, „Wenn sie sehen, wie viele sie sind, dann gibt es einen Aufstand gegen uns.“

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