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Was ein Hype – im Zeitraum der vergangenen vier Wochen generierte Niantic Labs Augmented Reality-Spiel Pokémon GO den beteiligten Unternehmen dank In-App-Käufen einen wahren Geldregen von mehr als 200 Millionen US-Dollar; durchschnittlich zehn Millionen Bucks per Tag. Resultierend aus weit über 150 Millionen Downloads über Googles Play Store sowie Apples App Store. 🆗🆒🚮. Zugegeben, dies sind ansehnliche, zugleich irrelevante Daten, welche dennoch ungleich beeindruckender zu wirken vermögen, wenn ihnen die objektiv hässlichen Fratzen der Schwächen des mobilen Spieles gegenübergestellt werden: Gefühlt mehr fehlerhafte Bugs denn funktionierender Features (japp, selbst mancher Bug ward verbuggt gewesen), anfänglich – gelinde gesagt – gravierende Probleme mit Servern, Cheatern und Bots, das Fehlen einer nennenswerten Spieltiefe und eine exorbitant oberflächliche Spielmechanik; dies sind die wahren bestialischen Eingeweide des belanglos gestrickten Taschenmonster-Hypes. Und dennoch hatte Pokémon GO auch meinerseits von Beginn an die eindrucksvolle Position inne, einen nicht versiegenden Quell hinreißender Faszination und unbefleckter Begeisterung hervorzurufen.

Denn nicht das Game per se ist’s, das mich so fesselt; nein – es sind die sozialen Komponenten der Sommerhysterie. Das Kennenlernen ulkiger Menschen. Das Knüpfen neuer inniger Kontakte. Das skurril anmutende Fachsimpeln mit verrückten Pokémonspielern aller Altersgruppen. Klar wie Kloßbrühe: Pokémon GO schafft eine formidable vereinte Basis für gesellige Unternehmungen; für Arenaeroberungsfeldzüge, Pokéstopbelagerungen und Lockmodulfestivitäten mit dem einen oder anderen Kubikdezimeter kühlen, ungespritzten Apfelweines. In Pokémonhype-typischen Grüppchen zwischen fünf und 100 irren Suchties. Endloses Quatschen, tiefgründiges Sinnieren, schellendes Kichern und rationales Philosophieren – das sind die allgegenwärtigen Begleiterscheinungen der fröhlichen Monsterhatz, welche das eigentliche banale Spiel zur reinen simultan gelebten Nebensächlichkeit verdammen. Wohl wahr, in den letzten Wochen entstanden so dank Pokémon GO etliche dauerhafte Freundschaften, die interessensspezifisch weit über das eigentliche Fingerdaddeln hinaus reichen.

Zumal sich unter den allerorts anzutreffenden Spielergrüppchen meinen Erfahrungen nach außerordentlich viele willige Hotties vom anderen (Main)ufer befinden; die unterwürfige Monstersammelgier und die launige Gegebenheit, dass Schulferien, Semesterferien und Urlaubszeit zeitgleich über die Bühne gehen, locken sie hinaus in die weite Welt und lassen sie handzahm wie auch handlich um zentral gelegene Pokéstops scharen. Exquisite Bedingungen also für kecke Erstkontakte, schmucke Flirts und flotte Dreier, ehm, Dates. Nach Detektion und Auserkiesens einer angemessenen Zielperson fällt die explizite Tuchfühlung erschreckend leicht; eine gemeinsame Gesprächseinstiegsgrundlage ist ja bekanntlich vorhanden: Pokémon. Idealerweise befindet sich das umschmeichelte Gegenüber auch noch im selben Team (Team Wagemut selbstredend; die Blauen sind im Zweifel auch noch zulässig; doch Gelb indes… also… Bitch, please 💁💅), sodass kooperativ Myriaden herrenloser Pokéstops wie auch besetzter Arenen abgeklappert und vereinnahmt werden können. Himmlische Bedingungen zum taktvollen Auskundschaften des jeweils anderen; für heimliche Beobachtungen und des in Erfahrung Bringens intimer Vorlieben. Konsequenz: Bei entwaffnender gegenseitiger Sympathie wird ein lüsternes Folgepokédate vereinbart.

Und eben diese Dates machen für mich den größten Reiz an Pokémon GO aus: Seite an Seite Prestige für den Roten Frontkämpferbund sammeln; unterbrochen vom Gurgeln erquickender Brausen, dem Dinieren dekadenten Fast Foods und untermalt von billigst anmutenden Pokésprüchen, die indes ob ihrer geistigen Sparsamkeit wahre Wunder wirken: „Na, magst du deine prallen Pokébälle auch mal gegen mich klatschen lassen?“. Oder auch: „Bist du auch so Hornliu wie ich?“, „Gosh, ich könnte dein persönliches thirsty Ultrigaria sein!“ sowie „Psst, willst du mal mein Digda sehen? Ein wahrhaft stattliches Arbok, kein Raupi!“. Beflissen geführte Gespräche seriöserer Natur driften aufgrund dessen recht schnell in andere Regionen wuschiger Interessensschnittmengen ab; Präferenzen werden definiert, Umgebungsvariablen offengelegt und verkoppelnde Pläne geschmiedet. Und so entwickelt sich aus digitalem Spielen anal-oge Betriebsamkeit; prickelnde, heitere und befriedigende Pokémonpartien.

Das Ende vom G… Lied: Stelldicheins in vertraulichen (Poké)bälle-Spielwiesen; bei ihm oder bei mir. Aus Pokémon GO wird Pokémon CUM COME (haha, go und come, kapischo? 😄🔫); das Spiel verbindet Menschen; lässt sie gemeinsame Sache(n) machen und unter einer Decke steckend geheimbündlerische Dinge aushecken. Jeweils wortwörtlich. Für mich repräsentiert Pokémon GO daher das bessere Tinder („Pokémon GO: Besser als Tinder. Ohne Anmeldung. Kein Schwachsinn. Gleich ficken.“) oder auch GayRomeo – mit den eklatanten Unterschieden, dass es mit ungleich höheren Erfolgsquoten und einem ehrlicheren, offeneren, motivierenden und mitnichten verstörenden zwischenmenschlichen Umgang aufzuwarten vermag.

Kurz gesagt: Ima Pokémon HO! Und das ist sehr sehr geil 😏💦💦💦

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