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Der Faschist Mussolini und der Nazionalsozialist Hitler hätten gerne die Welt unter sich aufgeteilt. Am Anfang segelte Hitler im Windschatten Mussolinis, er bewunderte ihn und versuchte, ihn nachzuahmen. Am Ende war es Mussolini, der zu Hitler aufblickte und von dessen Erfolge zu profitieren versuchte. Beide verband eine Partnerschaft, die auf persönlicher Ebene konfliktgeladen und dramatisch verlief und endete. Unendliches Leid für das deutsche, das italienische und für viele andere Völker der ganzen Welt waren die Konsequenzen aus dieser unheiligen politischen Allianz.

Führerhauptquartier am 20. Juli 1944: Hitler, vom Attentat gezeichnet, begleitet den italienischen Diktator Mussolini nach dessen kurzer Visite in der „Wolfschanze“ zum Zug. Er sagt: „Duce, glauben Sie mir bitte, wenn ich Ihnen heute sage, dass Sie mein bester und vielleicht mein einziger Freund sind, den ich auf der Welt habe„. Und noch im Februar 1945 sagt Hitler über Mussolini: „Der Duce ist mir ebenbürtig, vielleicht sogar überlegen, wenn man ihn an dem misst, was er für sein Volk gewollt hat„.
Ob Freunde oder Rivalen, Hitler und Mussolini waren einander in wechselnden Rollen verbunden: Am Anfang waren sie Meister und Bewunderer, dann Konkurrenten und später Bündnispartner. Zuletzt war der eine Kriegsherr und der andere dessen Vasall. Vereint waren beide im Untergang. Und was sie gewollt hatten, war unter der Gewalt des Krieges zerstoben. Erreicht hatten sie totale Zerstörung und unermessliches Leid.

Bei allen Unterschieden weisen die deutsche und die italienische Geschichte auch sehr viele Parallelen auf:

  • bis ins 19. Jahrhundert eine starke politische Zersplitterung mit zahlreichen inneren Kriegen,
  • eine im Vergleich zu anderen anderen großen europäischen Staaten sehr späte politische Einheit (Italien: 1860, Deutschland: 1871),
  • ein daraus resultierender „Nachholbedarf“ an imperialistischer Ausdehnungspolitik
  • Bitterkeit über den Ausgang des ersten Weltkrieges: in Italien, weil es sich von den anderen Siegermächten um die „Teilnahme am Sieg“ betrogen fühlte, in Deutschland, weil die Niederlage und die Bedingungen der Sieger als Demütigung erlebt wurde.

Als Mussolini 1922 mit seinem „Marsch auf Rom“ die Macht in Italien übernahm, steckte die Bewegung Hitlers in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Hitler bewunderte Mussolini, ein Jahr später wollte er mit einem Putsch in München und einem anschließenden „Marsch auf Berlin“ Mussolini nacheifern. Der Putsch scheiterte und dies trug dazu bei, dass Mussolini Hitler anfänglich in einer etwas arrogant herablassenden Weise betrachtete. Als Hitler dann 1933 an die Macht kam, musste Mussolini schnell erkennen, dass er sich in Hitler gründlich getäuscht hatte: die Schnelligkeit und die Brutalität, mit der Hitler seine Diktatur in Deutschland etablierte, flößten ihm Respekt ein, in die sich bald schon Befürchtungen mischten. Hitler arbeitete zielstrebig auf einen Krieg hin, Mussolini fühlte sich plötzlich im Zugzwang, er musste beweisen, dass auch er kein „Feigling“ war. Aber Italien war nicht auf einen Krieg vorbereitet. So entstand die „Achse Rom-Berlin“ und Mussolini wiederholte unaufhörlich, dass das faschistische Italien, wenn es einen Freund hat, gemeinsam mit ihm bis zur letzten Konsequenz marschiert. Trotz aller großen Worte hatte Mussolini Angst vor dieser letzten Konsequenz und im Krieg sollte sich dann sofort zeigen, wer die erste Geige spielte: Hitler.

Als Enttäuschung, Verzweiflung und Erschöpfung in Italien 1943 schließlich zum Sturz Mussolinis und zum Waffenstillstand mit den Alliierten führten, reagierte Hitler in der für ihn typischen Art: Wer nicht mein Freund ist, ist mein Feind! Obwohl ihn mit der Person Mussolini bis zum Ende noch eine gewisse freundschaftliche Beziehung verband, entlud sich jetzt seine ganze Wut über den italienischen „Verrat„: Wenn nicht Liebe, dann eben Hass. Hunderttausende von italienischen Sodaten wurden gefangengenommen und nach Deutschland in KZs oder zur Zwangsarbeit geschickt. Auch die „Repubblica Sociale Italiana„, das restliche Norditalien, das unter Mussolini gezwungen war, Hitler die Treue zu halten, behandelte dieser mit der Arroganz des Besatzers, der die Besetzten demütigt, wo er kann. Enttäuschte Liebe macht grausam…

Kampf bis zum Ende, das war Hitlers Losung. In den letzten Wochen des Krieges, als die Alliierten bereits auf deutschem Boden standen, befahl Hitler die Taktik der „verbrannten Erde“ und erklärte im Kreis der engsten Vertrauten:

„Wenn der Krieg verloren geht, wird auch das Volk verloren sein. Es ist nicht notwendig, auf die Grundlagen, die das deutsche Volk zu seinem primitivsten Weiterleben braucht, Rücksicht zu nehmen. Im Gegenteil, es ist besser, selbst diese Dinge zu zerstören. Denn das deutsche Volk hat sich als das schwächere erwiesen (…). Was nach diesem Kampf übrigbleibt, sind ohnehin nur die Minderwertigen, denn die Guten sind gefallen“.

Zuerst die Italiener und dann die Deutschen selbst hatten bewiesen, dass sie es nicht würdig waren, den Krieg zu gewinnen. Die Zerstörung der italienischen und vor allem der deutschen Städte ist nicht nur das Werk der alliierten Bomber gewesen, es war vor allem das Werk Hitlers und seiner absurden Rassentheorie.

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