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Erwachsenwerden ist doof. Es geht mit dem Schultern großer Belastungen einher, der Übernahme vielfältiger Verantwortungen. Urplötzlich ist man für das Überleben der eigenen Person oder gar der eigenen Familie zuständig. Für die tagtägliche Versorgung mit Lebensmitteln, der Darbietung von Wohnraum, Tilgung von Schulden, Berappung von Versicherungen, Zahlung von Steuern, und so weiter und so fort. Einzig: das Kindsein bleibt hierbei auf der Strecke, es weicht schnöder Ernsthaftigkeit (obschon es einer Tugend ähnelt, die man gar nicht ernst genug nehmen kann).

Dabei gliche die Verwirklichung der kindlichen Seite unseres Wesens im Grunde einem Kinkerlitzchen; uns allen wohnt schließlich seit Beginn unserer Tage die Kunstfertigkeit inne, uns an Kleinigkeiten erfreuen wie auch ergötzen zu dürfen. Die Anlage, einfach mal abrupt stehen zu bleiben – und zu beobachten. Lappalien wahrzunehmen, die wir im stressigen und hektischen Alltag nur allzu gekonnt ausblenden. Lustige Situationen und spannende Geschehnisse, an welchen wir unentwegt mit vorgehaltenen Scheuklappen, den Blick stur aufs Smartphone gerichtet und in Gedanken bereits beim nächsten Tweet oder Termin verweilend, vorbei eilen. Wir übersehen alle nasenlang die unterschwelligen Schönheiten, welche uns umgeben – und die ihre wahre Pracht zumeist in ihrer schlichten Bescheidenheit entfalten. Duftende, verschwenderisch staffierte Blumen beispielsweise, welche durchaus unsere routinierten Pfade spicken. Ameisenstraßen mit wuseligem Hochbetrieb. Stadtszenen, die wie abstrakte Gemälde wirken. Listige Bananenschalen vor arglosen Flaneuren. Glück, Freude und Spieltrieb liegen im Kleinen auf der Straße (respektive am Wegesrand), doch mit dem Erwachsenwerden verlernen wir, jene Kleinode wertzuschätzen und an uns heran zu lassen; wir streben samt und sonders angestrengt nach Größerem.

Wohl wahr, als Kind nahmen wir unsere Umwelt wahrhaftig aus anderer Warte wahr; wir vermochten zugegebenermaßen aber auch in einer sorgloseren, wohlbehüteten Blase zu verweilen. Nichtsdestotrotz tat uns das natürliche Ausleben unserer lütten Komponente gut; wir spürten das erquickende Leben durch jede Faser unseres Körpers pulsieren, empfanden es als eine Lust, ja eine Wohltat. Dies vermag als Erwachsener fürwahr nur bedingt umsetzbar zu sein; indes: es ist im Rahmen des Möglichen. Es gölte, uns zu trauen; einen Satz über eigene Schatten zu wagen und das Kindsein bisweilen zuzulassen. Ohne sogleich mit Gedanken zu hadern, was andere in just diesem Moment über unsere Wenigkeit grübeln mögen; genau jene Denkweise ist’s, die uns im Endeffekt dutzendfach wirksam davon abschreckt, glücklich zu sein.

Ich selbst, um zur Quintessenz dieses Gedankenfragments zu gelangen, ich selbst sah mich in dieser Beziehung mit Folgendem konfrontiert: dem Schaukeln. Schaukeln außerhalb des Schrittes oder SM-Kellers. Seit vielen, vielen Jahren ward ich nicht mehr auf einer Schaukel hutschen. Sicher, bis zum heutigen Tage stürze ich mich auf jedes „Drehteil“, welches meine immer suchenden Äuglein auf Spielplätzen zu erspähen vermögen. Du weißt schon, diese kleinen Karusselle, die mittels einer zentrisch drapierten Drehplatte zum speiüblen Schleudern gebracht werden. Doch um Schaukeln per se machte ich erfolgreich große Bögen. Wieso eigentlich? Weshalb hielt ich mich selbst effektiv davon ab, wie dereinst hin und her, rauf und runter, schneller und wilder durch die Lüfte zu wogen? Ich wand mich um pfeifende Winde im Ohr und von Böen zerzaustem Haar. Um jauchzende Gefühle von Freiheit, entrückte Empfindungen von Schwerelosigkeit. Darum, schwingend geschlossener Augen die Arme auszubreiten, zu jubeln – und weiterzufliegen. Hoch empor, über die Wipfel der Bäume und Dächer der Stadt hinweg gen unbekannter Gestade.

Nun, ich tat es einfach. Betrat stolz ob meiner 27 Jahre einen Spielplatz meines Vertrauens, verkabelte mein Gehör, startete Spotify, bestieg die ortsansässige Schaukel – und schwebte wie auf Wolke 42. Und es war großartig. Scheiß auf schräge Blicke verwirrter Passanten und verheulte Gesichter neidischer Kinder: ich blühte auf und frohlockte. Ließ mich gehen, ach was, schaukeln, untermalt von klassischer Musik. Blendete das Jetzt souverän aus; vergaß das Erwachsenendasein – und überließ meinem inneren Kind die Zügel ob meines Lebens. Ich empfand pure Freude, zartes Glück und killernden Spaß.

Dem Leben schöne Facetten abzugewinnen kann so einfach sein. So unfassbar einfach. Wenn man’s nur tut. In diesem Sinne: Tu es!

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