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Ein taufrisches Meme überschwemmt derzeit das soziale Netzwerk Facebook: Comicfiguren. Ein Entkommen gibt es nicht, anstelle gewohnter Grimassen Konterfeis eigener Freunde grinsen allerorts Micky Maus, der rosarote Panther oder Spongebob hervor. Einem inneren Zwang gleich grassiert dieser unbändige Trend – und das nicht nur in Deutschland, sondern stoßweise weltweit. Obgleich unter Garantie nur ein kleiner Teil der beteiligten Facebook-Benutzer überhaupt weiß respektive zu wissen glaubt, warum denn jetzt ausgerechnet in diesem Moment das eigene Profilbild durch eine Comicfigur ersetzt werden muss „sollte“, machen es irgendwie jeder. Stichwort Gruppenzwang. Oder Langeweile.

Facebook: Profilbilder werden mit Comicfiguren ausgewechselt

Der Ursprung des Comic-Hypes

Wie Gizmodo recherchierte, stammt dieser irrsinnige Quell digitaler Tristesse ursprünglich aus Portugal. Xiko Rodrigues und Filipa Fonseca starteten eine öffentliche Facebook-Veranstaltung, in deren Beschreibung (allen Anschein nach mittels Google auf Deutsch übersetzt) geschrieben steht:

Im November, ändert Euer Profilbild durch ein Bild einer Comic-, Cartoon-, oder Spielzeugfigur aus Eurer Kindheit und ladet Eure Freunde ein, dasselbe zu tun. Das Ziel? Schaut nicht in ein wahres Gesicht auf „Facebook“, sondern seht eine wahre Invasion voller Kindheitserinnerungen. Macht mit! 🙂

Soviel dazu. Der finanzielle Ansporn hinter dieser gewaltige Wellen schlagenden Aktion: Keiner! Wirklich keiner. Es handelt sich augenscheinlich nicht um virales Marketing, zumindest beteuerte bislang jede von diversen Medien darauf angesprochene Agentur, dass sie ihre Finger NICHT im Spiel hätten. Die einzige Erklärung meinerseits – und das zeigt mit Sicherheit auch deine eigene Erfahrung: Menschen neigen erstaunlich oft dazu, ihr ach so leeres Leben mit massig sinnlosen Tätigkeiten aufzufüllen. Wie zum Beispiel den eigenen Namen im Sand zu verewigen. Die verrücktesten Ideen ernteten schließlich schon immer den größten Erfolg. Aufgrund dessen stehen auch spätestens seit heute die Sterne für Xiko Rodrigues und Filipa Fonseca nicht allzu schlecht, einen gut bezahlten Job in einer Werbe- oder Medienagentur angeboten zu bekommen. Um dann womöglich doch mal eine kommerzielle, also gezielt ausgelöste virale Marketinglawine loszutreten.

PS: Solltest du dein Facebook-Profilbild noch nicht gegen eine Comicfigur deiner Wahl ausgetauscht haben, wird es allerhöchste Zeit. „Alle anderen“ taten es schließlich auch schon. Tu es, tu es, denn: Sind wir zu schnell, bist du zu alt!

6 Kommentare

  1. Ja, es ist der Wahnsinn. Eine Welle von Comicfiguren überflutet Facebook. Wäre interessant zu wissen, ob der Hype auch bis in die USA rüberschwappt. Wäre schon geil.

    Aber es gabs ja schon früher – bloß wars damals sogar mit Sinn. Die grüne Revolution im Iran…als alle ihre Twitter Bilder in grün färbten!

    http://blog.tirol.org/comic-profilbild-bei-facebook-der-schneeballeffekt/

    Liebe Grüße aus den Bergen,
    Tirolblogger

  2. Xcyberpet
    Äußerte

    Ich bin immernoch gegen den Strom auch wenn ich zu Jugendzeiten sehr viel von Comics hielt.

    • Krony
      Plauderte

      Zwanghaftes Verweigern von vorübergehenden Trends, noch dazu digital, hat nichts mit „gegen den Strom schwimmen“, sondern meines Erachtens entweder mit Faulheit, Arroganz oder klarem Desinteresse zu tun. Und nichts weiter. Was wiederum auch nicht weiter schlimm ist 🙂

  3. Boomtime, The Aftermath 30, Year of Our Lady of Discord 3176

    Facebook? Habisch nisch, brauch isch nisch! Interessant, was da schon wieder losgetreten wurde, und das auch noch ohne jeglichen Sinn. Interessanterweise wäre aber mal zu erfahren, nachdem dies gehypt wird, ob es auch von manchen als Mainstream anerkannt wird und was Mainstreamgegner dagegenwerfen???

    • Krony
      Haspelte

      Mainstream? Facebook und Mainstream? Mitnichten. Facebook bzw. die Social Web-Portale sind schon lange kein Mainstream mehr, sondern gehören de facto zu unserer Kultur. Alltag also. Etwas völlig Normales und zudem auch eine Sache, die man von anderen Leuten unseren Alters voraussetzen sollte. Es sei denn, du willst am normalen gesellschaftlichen Leben nicht mehr teilnehmen und ziehst die Rolle eines allzeit notorischen, dauerschimpfenden und gegen alle Entwicklungen wetternden Außenseiters vor. Dann können Entwicklungen wie das Soziale Netz für dich pures Mainstreamgehabe sein.

      Die einen entwickeln sich weiter, die anderen sträuben sich dagegen – und werden letztendlich untergehen.

  4. Sweetmorn, The Aftermath 34, Year of Our Lady of Discord 3176

    Das Problem ist die Masse an sozialen Netzwerken, die ja auch eine Gefahr darstellen. In Facebook sehe ich keinen weiteren Grund. Das Mainstream war übrigens darauf bedacht, diese Aktion der Profilbilder mitzumachen.

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