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Es folgt aus aktuellem Anlass ein (rudimentär überarbeiteter) Gastbeitrag von BlueXephos:

Das Jahr 2011 stand bislang medial im Zentrum des politischen und sozialen Wandels im Nahen Osten. Ein neues Zeitalter bräche an, so ist die Rede, die junge Bevölkerung nähme ihre Zukunft selbst in die Hand, erpicht darauf, für Frieden, Freiheit, mehr Demokratie und ein sozial vertretbares Leben zu kämpfen.

Lodernde Flammen züngeln ums brodelnde Öl

Doch auch die Staaten der Europäischen Union befinden sich am Anfang eines längerfristigen, durch alle Reihen gehenden Wandels. Menschenmassen demonstrierten 2011 unter anderem in Athen, Paris, Dublin, Lissabon, Prag, Brüssel und jetzt zum wiederholten Male in London. Wir reden hierbei mitnichten über eine Handvoll rebellischer Bürger, sondern über Hunderttausende teils verzweifelte, teils erzürnte Familienväter, Jugendlicher und Angehörige der so schön neologischen „Unterschicht“. Die Stimmung in den durchaus als Armenviertel zu bezeichnenden Stadtteilen unserer europäischen Millionenstädte ist aufgeheizt, das Fass zum überlaufen gefüllt. London zeigt in ergreifenden kameraperspektifischen Einstellungen, dass in eben jenem nur ein Einzelner, in seiner Ursubstanz zwar tragischer, aber eigentlich dennoch bagatellisierender Tropfen den Anstoß zu Ausschreitungen und Randalen bislang ungekannter Ausmaße genügt. Und dass jenes Fass voll brennbarem Öl sehr leicht ins Wanken gerät, umkippt und damit einen Flächenbrand auslösen kann. Nun steht der rasant wachsenden Schicht sozial benachteiligter Menschen auch in vielen anderen europäischen Städten – Berlin mit inbegriffen – das Wasser bis zum Hals. Besteht hier nicht die reelle Gefahr, dass ein einzelner, die Massen berührender „Tropfen“ einen sich über die Grenzen der europäischen Staaten hinweg verbindenden Aufschrei hervorruft? Dass unsere Städte brennen und sich der ganze über die Jahre hinweg angestaute Frust und die Angst vor fehlenden Zukunftsperspektiven geballt entladen?

Das krisengebeutelte Wolkenhaus des Reichtums

Nun, unsere Regierungen verhalten sich ob gegensätzlicher Beteuerungen und diverser konstruktiver Ansätze alles in allem gefühlslos und arrogant. Die Meinungen der Menschen sind ihnen zwar nicht völlig, aber außerhalb bevorstehender Wahlen relativ egal. Rücksicht existiert in krisengebeutelten Zeiten wie den heutigen kaum. Auf der einen Seite steht unser derzeitiges Finanzsystem vor dem größten Kollaps seit seiner Existenz und die Schuldenberge erreichen neue Rekorde, auf der anderen Seite werden die Spitzensteuersätze für Vielverdienende in den meisten europäischen Staaten gesenkt. Einkommen stagnieren, Preise steigen, Börsen trudeln, Arbeitsplätze wanken – und die Oberschicht reibt sich hämisch die Hände. Unsere politischen Oberhäupter mögen zwar für Freiheit und Demokratie stehen, beschneiden und zensieren aber eben jene seit Jahren schleichend und nahezu unauffällig. Wir wollen jemanden darstellen, müssen gebeugten Hauptes und knirschender Zähne aber erkennen, dass uns andere Staaten – bevorzugt in Fernost – schon längst ein- und überholten. Wohl wahr, wir halten uns seit vielen Jahren mit geliehenen und nicht existierenden Geldern über dem Wasser, erschufen uns im Westen über Jahrzehnte hinweg Wohlstand und Reichtum, hielten uns für die Weltelite. Ein Luxus, der auf Kosten andere und vor allem auf geradezu grandiosen Pump baut.

Unsere Städte werden brennen …

Und nun droht dieses wackelige Kartenhaus langsam, aber sicher zusammenzubrechen. Die Folge: Brutale Spardiktate, die Kürzung sozialer Ausgaben, Milliardenpakete zur Rettung des Euros, politische Querelen, Streitigkeiten, Uneinigkeit, unüberlegtes Handeln, radikale Forderungen, eine ungewisse Zukunft. In diesem politischen und wirtschaftlichen Theater verlieren die einfachen Bürger endgültig ihr Gesicht, die Expansion der Schere zwischen Arm und Reich erreicht schwindelerregende Dimensionen. Parallel steigt die Kurve des Zorns, der Wut und der hoffnungslosen Verzweiflung. Radikalisierung und Selbstjustiz machen sich breit, Gewalt flammt auf. Staaten reagieren wortwörtlich mit knüppelharter Gegengewalt, schränkten Rechte weiter ein und stehen all dem dennoch hilflos gegenüber. Ein Teufelskreis, dessen Folgen in London das erste Mal zögerlich aufflammen. Der langsam seinen Anfang nimmt und uns in den nächsten Jahren noch auf vielfältige, brennend heiße Art und Weise beschäftigen wird. Und spätestens, wenn die sich der 20 Billionen Dollar-Grenze nähernde Schuldenflut die USA ertränkt, wird sich dort das an sich träge Volk auch erheben … Die westlich geprägte Welt steht vor ihrem größten Umbruch seit dem Zweiten Weltkrieg.

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