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Es ergab sich einmal vor gar nicht allzu langer Zeit, kurz nach dem bis Dato größten Krieg in der Menschheitsgeschichte, folgende Situation: die nach Individualismus strebende Welt, wie wir sie kennen, war in zwei große Machtblöcke aufgeteilt. Auf der einen Seite standen die Alliierten – ein sowohl wirtschaftlich als auch militärisch freundschaftliches Bündnis der westlichen Hemisphäre. Auf der anderen Seite stand der rote, kommunistische Osten unter der Fuchtel der einst so „glorreichen“ Sowjetunion. Diese beiden sich völlig gegensätzlichen Großmächte konnten einander gar nicht leiden, und so kam es, dass beiderseits Vorkehrungen auf eine mögliche Invasion des Feindes getroffen wurden. Ein eigener Eroberungsfeldzug war auch eine der offen gehaltenen Optionen, doch wollte keiner der verfeindeten Fraktionen den Erstschlag ausführen. Schließlich würde dadurch die Stabilität und Sicherheit des eigenen Machtbereichs gefährdet werden. Und so wurde weiter munter vorbereitet, gerüstet, geforscht und befestigt. Der Kalte Krieg ward geboren!

Das große Wettrüsten

Doch die Bevölkerung beider Parteien lebte in der ständigen Angst vor einem alles vernichtenden Krieg, vor allem da beide über ein gewaltiges Arsenal an interkontinentalen Nuklearraketen verfügten und die Zeichen der Zeit nichts Gutes verhießen. Intensive Stellvertreterkriege und die fast schon traditionellen, wöchentlichen Drohgebärden ließen die Angst kaum auf ein erträgliches Niveau sinken. Vor allem bei den Alliierten wurden Vorkehrungen auf den Einen, endgültigen Krieg getroffen; auf die menschengemachte Apokalypse. Landesweit verfolgte man kritisch die Installation neuartiger Alarmsysteme, den Bau gigantischer Atombunkerkomplexe und die Entwicklung immer zerstörerischer Waffen zur Einschüchterung des Feindes.

Aufklärungsarbeit

Auch den Kleinsten sollte die derzeitige Situation dargebracht werden, schließlich würden sie einmal die Zukunft der beiden Machtbereiche darstellen. Deren Schutz genoss somit höchste Priorität. In den USA erschien dafür 1951 eigens ein neun-minütiger Zivilverteidigungsfilm für Kinder, welcher von der US-Zivilverteidigungsbehörde bei Archer Productions Inc. in Auftrag gegeben wurde. Der animierte Film handelt von Bert, der Schildkröte, welche den Kindern zeigt, wie sie sich bei einer Atombombenexplosion in nächster Nähe zu verhalten haben.

Der Film erklärt, dass ein solches Ereignis am Läuten der Alarmsirenen und an dem hellen Blitz der Explosion zu erkennen sei. Da durch die Schockwelle der Explosion Trümmerteile durch die Gegend geschleudert würden und die darauffolgende Feuerwelle Hautverbrennungen auslösen wird, solle man sich laut Anleitung schnellstens mit dem Gesicht zum Boden eng zusammenkauern – to duck – und sich mit einem Mantel, Tischtüchern oder auch einer Zeitung bedecken – to cover. Je nach Möglichkeit solle dies hinter festen Mauern, unter Tischen oder ähnlichen Deckung bietenden Objekten geschehen. Der Slogan „Duck and Cover“ wird den Kindern im Laufe des Filmes dafür mehrmals instruktiv wiederholt.

Moderner Betrachtungswinkel

Aus heutiger Sicht vermag uns der Aufklärungsfilm allenfalls zum Schmunzeln bringen, zu naiv erscheinen einem die Sicherheitstipps. Nicht nur, dass wir in einer relativ stabilisierten Welt leben und die Gefahr eines Atomkriegs in weite Ferne gerückt ist, wir sind aufgrund des allgegenwärtigen Zugangs zu allen Medien besser aufgeklärt als alle Generationen vor uns zusammen. Wir wissen, dass wir im Falle einer Atomexplosion in direkter Nähe zu deren Zentrum kaum eine Chance aufs Überleben haben. Auch über die längerfristigen Folgen des nuklearen Fallouts wissen wir spätestens seit Tschernobyl bescheid. Alles in allem ein ziemlich skurriler Film und ein zum Nachdenken anregendes Zeugnis der Geschichte.

Dies aber entsprach dem amerikanischen „Zeitgeist“ der 1950er Jahre. Der alte Film wird verständlicher Weise schon seit Jahrzehnten nicht mehr als Lehrmittel oder Aufklärungsmaterial eingesetzt. Hoffen wir, dass solch ein Schreckensszenario für alle Zeiten Fiktion bleibt, vor allem in Hinsicht auf die Lage in Nordkorea, Pakistan und dem Iran.

Archer Productions, Inc.Duck and Cover (1951)

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