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Geschichte wurde Legende, Legende wurde Mythos. Mein ganz eigener Mythos trug sich zu einer Zeit zu, als die vom miesen Wetter getriebenen Menschen noch ob eines sonnenverwöhnten Sommers hoffen durften. Als das Verprügeln kleiner Jungs noch Aufgabe der katholischen Kirche und nicht der baden-württembergischen Polizei war. Als Japan noch die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt und Pakistan eher aufgrund seiner kargen Vegetation denn seiner feuchten Flussauen berühmt war. Wir schreiben den 21. Juni 2010.

Eine Geschichte ward geboren

Es war einer dieser wenigen schönen Tage dieses Jahres. Twitscher vögelten von den Dächern derweil die Sonne pralle Brüste entblößter Chicks im Englischen Garten verwöhnte. Beflügelt meines jugendlichen Leichtsinns stolzierte ich nichts ahnend in den dufte Applestore im Herzen Münchens. Meine gesamte Aufmerksamkeit richtete sich in die Reservierung eines brandneuen Apple iPhone 4 – in Weiß! Weiß und edel, eines unbefleckten Einhorns gleich. Stand doch dessen Veröffentlichung kurz vor der Tür. Ein wahrhaftiges „Wunder“-Smartphone sollte es sein. So wurde es mir dann auch beschrieben. Der zugegebenermaßen überaus smarte Apple-Verkäufer verfügte über einen gigantischen Fundus blumiger Worte und kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Geblendet von so viel adretter Redekunst ward ich endgültig überzeugt und setzte mein lange geplantes Vorhaben in die Tat um. Reservierung eines iPhone 4 in Weiß. YAHOO! Aber: Apple ist böse!

Geschichte wurde Legende

Mir wurde mehrmalig versichert, dass ich über den Deutschlandrelease des iPhone 4 in Weiß persönlich informiert würde. Alles in Butter also. Und – das muss ich Apple zugestehen – ich wurde informiert. Mehrmals sogar. Persönlich, sowohl per E-Mail als auch telefonisch. Man sagte mir, das iPhone 4 weiß verspätete sich „geringfügig“. Es sei schwieriger als gedacht herzustellen, käme aber in der zweiten Juli-Hälfte. Das Weiß wäre zudem nicht weiß genug, da müsse noch optimiert werden. Schließlich wurde es sogar auf unbekannte Zeit verschoben. Trost, Zuspruch, schöne Worte, Gutscheine. Ich bekam alles, en masse. Außer ein funktionierendes, weißes iPhone 4.

Legende wurde Mythos

Der Telekom – des deutschen Knebelvertragspartners in iPhone-Angelegenheiten – ist diese Firmenpolitik Apples selber mehr als unangenehm. Man bekäme keine Informationen über die Auslieferung des weißen iPhones, wäre selber mehr als ratlos. Zwar bietet die Telekom allen Interessenten und Kunden einen kostenlosen (!) Info-Newsletter an, der einem auf die Auslieferung hinweist – doch eine entsprechende, erlösende Nachricht blieb bis dato aus. Im Gegenteil: In letzter Zeit wurden Gerüchte laut, dass sich die Veröffentlichung des weißen iPhone 4 bis Weihnachten hinziehen könne. Genaueres sei nicht bekannt. So viel zu Apples Firmenpolitik.

Eine Ära ging zur Neige

Gestern, 103 Tage oder 2.472 Stunden oder 148.320 Minuten oder 8.899.200 Sekunden später, platze mir der Kragen. Ich will telefonieren, egal womit. Gerne auch mit zwei durch eine gespannte Schnur verbundenen Dosen. Ich stornierte meine Reservierung. Und bestellte mir im gleichen Zuge ein HTC Wildfire – es ist kleiner, niedlicher, bei Weitem günstiger und bietet vor allem den von mir gewünschten Umfang. UND ist auf Anhieb verfügbar, sogar in Weiß! 😉 Gestern bestellt, für Dienstag versprochen. Es wird kommen – andernfalls fräße ich einen Besen! Nun, ich weiß schon, warum ich Apple und deren dekadente Firmenpolitik noch nie leiden konnte …

Foto: Apple-Store Schanghai

10 Kommentare

  1. Naja dich trifft es aber immerhin noch besser als den armen Woz vor vielen Jahren. Was Mr Apple persönlich mit ihm abgezogen hat, war mehr als hinterlistig, aber genial zugleich und der Beginn einer Spielära zugleich…ich spreche von nichts anderem als Breakout, worauf ich gleich mal auf ne Runde Lust hab 😀

    • Krony
      Schwätzte

      Woz the fuck? Wie meinen? Erzähl, erzähl, bin gerade zu faul den Google-Knopp zu drücken!

    • Krony
      Sabbelte

      Verdammt, stimmt. Und ich war außerstande, das offensichtlich böse Omen richtig zu deuten. Selber schuld, grmbl …

  2. Wikipedia sagt: „Das erste Atari-Breakout-Spiel war wie viele frühe Videospiele noch kein echtes Computerspiel, da es sich nicht um einen Computer mit einem darauf ablaufenden Programm handelte, sondern um einen das Spielprinzip direkt umsetzenden elektronischen Schaltkreis. Diese Spielelektronik wurde von Steve Wozniak entworfen, während das Game-Design von Nolan Bushnell stammte. Nolan Bushnell zeichnete das Spielprinzip auf eine Tafel auf. Steve Jobs, der damals bei Atari arbeitete, überredete seinen Freund Steve Wozniak (damals bei HP), dieses Spiel zu konstruieren. Steve Jobs bekam für das Spiel Breakout von Nolan Bushnell 5000 Dollar bezahlt. Er gab seinem Freund Steve Wozniak, der das eigentliche Spiel konstruiert hat, nur 350 Dollar. Steve Wozniak benötigte nur 42 TTL (Transistor-Transistor-Logik) Bauteile, um das Spiel Breakout zu konstruieren.“

    • Krony
      Sabbelte

      Äh … uff! Ich frage mich jetzt nur noch wie du den Bogen vom iPhone 4 zum ersten Atari-Breakout-Spiel spannen konntest.

      Aber, das gebe ich zu, es ist wirklich beeindruckend, dass für das Spiel – angeblich – gerade einmal 42 TTLs verwendet wurden. 42 (!). Eine magische Zahl. Und heutzutage schier unvorstellbar …

      • Xcyberpet
        Kritisierte

        tja, 42 ist die Antwort auf alles

        • Krony
          Äußerte

          Entweder das – oder die seit Langem gesuchte Weltformel. Die ultimative Vereinigung der beiden größten Theorien der Menschheit, der Quantentheorie und der Relativitätstheorie. Wenn du es schafftest, diese beiden Theorien miteinander zu vereinen, würdest du erstens mit Bergen von Gold überhäuft werden und zweitens eines der größten Rätsel der Menschheit gelöst haben, wenn nicht sogar DAS Größte. (Wahrscheinlich kommt nach Auflösung der Formel unterm Strich wirklich 42 raus. Oder 1337 😀 ) Ach, wie ich diesen geistlosen Kommentar-Konsens auf Krony doch liebe …

      • Der Bogen ist schnell gespannt, wenn man weiß, wer The Woz aka Steven Wozniak ist und weiß wer gerade bei Apple das sagen hat. Dann darf man dein Problem mal als Problem darstellen und es findet sich eine Charakteristik von Mr Jobs wieder.

        • Krony
          Schrie

          Gut, dann ist dass eben eine Bogenleitung auf höchstem Niveau. Respekt 😉

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