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Deutschland, Februar 2010. Trotz aller hochgepriesenen gesellschaftlichen Entwicklungen und der individuellen Entfaltung leben wir in einer massenmedialen Gesellschaft, deren Medien von Jahr zu Jahr noch heterosexistischer und noch zwangseinfältiger werden. Die Auswirkungen auf das Bewusstsein und die effektive sexuelle Freiheit gerade junger Männer sind dementsprechend verheerend und empirisch klar belegt. Niemanden würde es einfallen, irgendeinem jungen Mann eine authentische schwule Identifikationsfigur zu bieten. Ganz zu schweigen davon, den Eindruck zu erwecken, dass Jungs und einfach geil (aufeinander) sein können.

Doch abseits der Massenmedien entwickelt sich eine völlig neue Generation von offenen, individuellen und auch kritischen Medien – und deren Betrachter: In den berühmten Tiefen des Internets. Im Zuge dieser positiven Entwicklung startete am 15. Februar 2010 auf 3min.de – also einen Tag nach Valentinstag – eine neue Webserie mit schwulen Charakteren. Darunter befindet sich auch Oliver Bender, welchen einige von euch vielleicht noch aus „Gute Zeiten schlechte Zeiten“ kennen werden, sowie Romy Haag (eine relativ bekannte Sängerin und Tänzerin).

Bier und Darkroom

Hauptcharakter der 12 Folgen langen Serie ist Tom (Dieter Bach aus „Verliebt in Berlin“ mit vollem Körpereinsatz 😉 ), dessen Spitzname der namensgebende „Doc Love“ ist. Tom ist ein über 40-jähriger Psychotherapeut, befindet sich in der alterstypischen Midlife-Crisis und hadert mit seinem 25-jährigen Freund. Dieser heißt Michi und träumt davon, irgendwann in einer erfolgreichen TV-Soap mitzuspielen – augenzwinkernd gespielt von Oliver Bender, welcher selber in der erfolgreichen TV-Soap „GZSZ“ spielt. Der – respektive die – dritte im Bunde ist Doc Loves Sprechstundenhilfe „Magda„, gespielt von Romy Haag. Sie ist die gute Mutter der Praxis und kümmert sich um die Angelegenheiten und alltäglichen Probleme der Kollegen.

Die Handlung der bislang insgesamt zwölf Folgen spielt zwischen der arbeitsreichen Praxis und einer abgefahrenen schwulen Darkroom-Bar, in der Toms Freund Michi jobbt. Was mit einer interessanten Problemstellung in der Therapie beginnt, endet oft bei einem Bier an der Theke – frei nach dem Motto: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen„. Oder auch umgekehrt … So erfährt man bei „Doc Love„, wie ein Ödipuskomplex schief gehen kann, eine geplante Umpolung ungeplant andersrum verläuft, dass Asexualität auch eine relativ seriöse Lebensweise sein kann (wissen wir allerdings spätestens seit Theodore „Ted“ Buckland aus der Serie „Scrubs„) oder wie man sich verhalten sollte, wenn es im Darkroom überraschend und ungewollt zu einem Familientreffen kommt.

Schlusswort

Die Serie wurde übrigens eigens nur für das Internet gedreht und reiht sich dabei in eine mittlerweile ansehnliche Schlange von professionellen, oftmals auch internationalen reinen Webserien ein. Bislang steht noch offen, ob eine zweite Staffel gedreht wird – am Engagement der Schauspieler sollte das allerdings nicht scheitern. Doch genug geschrieben – Bilder sagen mehr als tausend Worte:

Doc Love: Folge 1 – ThreeNightStand

Doc Love: Folge 2 – Dong und Dose

Doc Love: Folge 3 – Coming Out

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