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Biographie

Saddam Hussein, eigentlich Ṣaddām Ḥusain ʿAbd al-Maǧīd al-Tikrītī, wurde am 28. April 1937 in al-Audscha bei Tikrit in einer Bauernfamilie geboren. Die uneheliche Schwangerschaft seiner Mutter galt als Schande.

Den Beinamen Saddam, der Standhafte, erhält er, weil es seiner Mutter nicht gelang, ihn zu „verlieren„. Subha Talfah war außerehelich mit Saddam schwanger geworden. Sie versuchte das unerwünschte Kind durch extrem harte körperliche Arbeit abzutreiben. Der Kindesvater starb, noch bevor Saddam zur Welt kam.

Als seine Mutter neun Jahre später einen Mann namens Ibrahim al-Hasan heiratete, gab sie den jungen Saddam zu seinem Onkel Khairallah Talfah, dem Offizier einer irakischen Einheit, die einen Aufstand gegen König Faisal II. im Jahr 1941 geplant hatte. Der Onkel hatte infolge dieses Aufstandes eine mehrjährige Gefängnisstrafe verbüßt.

1955 zog Saddam mit seinem Onkel in die Hauptstadt Bagdad. Ihm wurde dort Khairallah Talfahs älteste Tochter Sadschida versprochen. Er besuchte die al-Karch-Schule und absolvierte das Abitur auf einem Gymnasium in Bagdad mit guter Note. Mit neunzehn Jahren beging Saddam im Auftrag des Al-Bu-Nasir-Stamms, dem er und sein Onkel angehörten, einen Mord an einem entfernten, rivalisierenden Onkel namens Saadi.

Politischer Aufstieg

Saddam trat 1956 der damals noch verbotenen Baʿth-Partei bei und nahm 1957 an einem erfolglosen Putschversuch gegen den irakischen König Faisal II. teil. 1958 unterstützte er eine weitere von General Abd al-Karim Qasim geführte Gruppe. In der Folge eines misslungenen Attentats auf Premierminister Qasim 1959 war Saddam gezwungen, über Syrien nach Ägypten zu fliehen. Er wurde in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Der amtierende Chef der Baʿth-Partei, Fuad ar-Rikabi, wurde wegen des fehlgeschlagenen Attentats durch einen entfernten Verwandten Saddam Husseins, Madschid, ersetzt.

Sein Studium an der juristischen Fakultät der Universität Kairo brach er ergebnislos ab und kehrte am 8. Februar 1963 nach dem blutigen Putsch der Baʿth-Partei in den Irak zurück. Nach dem Machtwechsel (Ramadan-Revolte) wurde er 1964 zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, floh aber mit Hilfe Tahir Yahyas 1967.

1968 unterstützte er einen erfolgreichen Staatsstreich von Baʿth-Partei und Armee.

Als die Baʿth-Partei 1968 im Irak an die Macht kam, wurde Saddam in der neuen Regierung stellvertretender Generalsekretär des Revolutionären Kommandorates sowie Chef des Ministeriums für Staatssicherheit und des Propagandaministeriums. 1969 wurde er Vizepräsident.

Am 1. Juni 1972 leitete er die Verstaatlichung westlicher Ölfirmen ein, die ein Ölmonopol im Irak hatten. Mit den Öleinnahmen entwickelte er das Land zu einer regionalen militärischen Großmacht. Die Einnahmen aus dem Ölverkauf sorgten aber auch für den Wohlstand breiterer Bevölkerungsschichten.

Am 1. Juli 1973 wurde er vom Revolutionsrat zum Drei-Sterne-General der irakischen Streitkräfte ernannt. Später ernannte er sich selbst zum Feldmarschall.

Am 6. März 1975 schloss er als Vizepräsident mit dem iranischen Schah Mohammad Reza Pahlavi das Abkommen von Algier über den Grenzverlauf im Schatt al-Arab und die gegenseitige Nichteinmischung in innere Angelegenheiten.

Ernennung zum Regierungschef

1979 ernannte Präsident Ahmad Hasan al-Bakr Saddam im Alter von 42 Jahren zum Vorsitzenden der Partei und zu seinem Nachfolger. Am 11. Juli 1979 wurde er Generalsekretär der Baʿth-Partei, und am 16. Juli 1979 übernahm er die Macht als Staats- und Regierungschef. In dieser Position diffamierte Saddam öffentlich Mitglieder der Baʿth-Partei, woraufhin sie ohne Prozess zum Tode verurteilt und sofort liquidiert wurden. Andere Mitglieder der Partei wurden durch dieses Exempel auf die Linie Saddams eingeschworen. Saddam verhinderte so auch den geplanten Zusammenschluss mit dem ebenfalls baʿthistischen Regime Syriens.

Dennoch war Saddam Husseins Autorität noch eingeschränkt. Nach dem Tausch seines Amtes mit al-Bakr blieb dieser faktisch Vizepräsident bis zu seinem Tode im April 1982. Saddam Hussein nutzte diese erste Zäsur einer Machterweiterung bereits im Juli zu einem folgenträchtigen Alleingang: Er gab den Rückzugsbefehl für die irakischen Truppen in einer entscheidenden Phase des Golfkrieges gegen den Iran. Die zweite Zäsur war 1989. Mit dem Tod des Baʿth-Partei-Gründers und Vizepräsidenten Michel Aflaq und dem Tod des als Kriegsminister im Golfkrieg populär gewordenen Chairallah Talfah durch einen unaufgeklärten Hubschrauberabsturz im gleichen Jahr gab es keine rivalisierende moralische Autorität mehr außer dem Präsidenten, die seine Entscheidung zum Krieg gegen Kuwait hätte beeinflussen können.

Saddam pflegte, sich „al-Kaid al-Daruri“ (unersetzlicher Führer) nennen zu lassen. Er sah sich als tatsächlicher Nachfolger des Königs von Babylon und Begründers des neubabylonischen Reiches Nebukadnezars II.

Erster Golfkrieg

Etwa ein Jahr nach der Revolution im Iran gegen den prowestlichen Mohammad Reza Pahlavi kündigte Saddam Hussein am 17. September 1980 das Abkommen von Algier, welches zuvor auch der Iran als nicht mehr bindend erklärt hatte. Der Irak verweigerte daraufhin die Räumung der 1975 abgetretenen Grenzgebiete, die seit dem 4. August unter iranischem Beschuss lagen. Am 22. September 1980 befahl Saddam der irakischen Armee, den Iran mit neun von insgesamt zwölf Divisionen auf einer 600 km breiten Front anzugreifen. Dies bildete den Auftakt für den fast acht Jahre dauernden Ersten Golfkrieg.

Dabei spielten auch verschiedene westliche Staaten eine führende Rolle, die den Irak wegen der drohenden Niederlage gegen den Iran massiv unterstützten, wie z. B. Frankreich und Deutschland als Rüstungsexporteure und Lieferanten für Kernreaktoren sowie Chemieanlagen (Pestizide und Giftgas). Hauptunterstützer des Iraks waren die Sowjetunion, Frankreich und die Volksrepublik China, die allerdings auch den Iran belieferte. Die Vereinigten Staaten (USA) gehörten bezüglich des Volumens der Waffenlieferungen eher zur zweiten Riege. Allerdings belieferte auch Washington beide Seiten. Auf einer vom Stockholmer SIPRI-Institut erstellten Übersicht folgen die USA erst an elfter Stelle.

Eine besondere Bedeutung hatten weiterhin die sunnitischen bzw. wahabitischen Golfstaaten als Kreditgeber und Finanziers des ersten Golfkrieges. Das Unvermögen, die Kredite zurückzuzahlen, wird allgemein als einer der Gründe für die versuchte Annektierung Kuwaits durch den Irak betrachtet. Während des Krieges ließen Hunderttausende ihr Leben, allein durch Saddam Husseins Giftgaseinsätze mehrere tausend Menschen. Sehr kritisch betrachtet werden Vermutungen, denen zufolge der US-Geheimdienst dem Irak Satellitenbilder der iranischen Stellungen zur Verfügung stellte sowie die Zurückhaltung bzw. teilweise stillschweigende Billigung eines Großteils der Staatengemeinschaft.

Um die Neutralität der schiitischen Bevölkerungsmehrheit Iraks im Krieg gegen den Iran zu sichern, trat Saddam Hussein 1981 im Beisein des damaligen Großajatollahs Abul-Qassim al-Khoi formal zur Schia über.

Am 16. März 1988 wurde die kurdische Stadt Helepçe (arab. Halabdscha) von der irakischen Luftwaffe mit Giftgas angegriffen, wobei etwa 5000 Zivilisten zu Tode kamen. Im Gegensatz zu früheren Einsätzen von Giftgas wurde der Giftgasangriff auf Helepçe von der westlichen Presse mit Entsetzen und Empörung zur Kenntnis genommen. Staatliche Seiten verhielten sich weiterhin zurückhaltend.

Waffenstillstand

Am 18. Juli 1988 willigte der Iran in die Waffenstillstandsbedingungen der UN-Resolution 598 ein, die Saddam Hussein bereits zuvor akzeptiert hatte. Ajatollah Chomeini kommentierte dies mit dem Zusatz „bitterer als Gift„. Am 8. August 1988 wurde ein Waffenstillstandsabkommen geschlossen, das am 20. August 1988 in Kraft trat. Zum Abschluss eines Friedensvertrages ist es seither nicht gekommen.

Am 2. August 1990, zwei Jahre nach dem Waffenstillstand, ließ Saddam Hussein Kuwait mit der Behauptung besetzen, es würde illegal Ölfelder des Irak anzapfen. Die Besetzung erfolgte, nachdem Kuwait die Ölfördermenge erhöht und die Ölpreise gesenkt hatte. Der Irak hatte starke Interessen an einem lukrativen Ölgeschäft, zumal das Land sich im Wiederaufbau nach dem ersten Golfkrieg befand.

Im Zweiten Golfkrieg wurde die irakische Armee Anfang 1991 durch die von den USA geführte Koalition fast vollständig geschlagen. Ein bereits begonnenes Vorrücken amerikanischer Verbände Richtung Bagdad wurde eingestellt, da der Auftrag der UN-Resolution, die nur die Befreiung Kuwaits, aber nicht einen Regimewechsel des Iraks vorsah, erfüllt war und die Verbündeten der USA nicht gewillt waren, weitergehende Maßnahmen mitzutragen. Der von westlichen Kräften ermutigte Aufstand der Schiiten im südlichen Irak gegen Saddam Hussein wurde durch die militärisch immer noch überlegenen irakischen Regierungstruppen trotz Einrichtung einer Flugverbotszone brutal niedergeschlagen.

Saddam Hussein überlebte zahlreiche Putschversuche und Attentate, auch von ausländischen Geheimdiensten.

Saddam, der „nette“ Diktator

Er förderte aktiv die Modernisierung der irakischen Wirtschaft und den Aufbau von Industrie, Verwaltung und Polizei. Saddam leitete den Aufbau des irakischen Landes, die Mechanisierung der Landwirtschaft und die Bodenreform sowie die Volksbildung, des Weiteren förderte er eine vollständige Neuentwicklung der Energiewirtschaft, des öffentlichen Dienstes sowie Transport und Erziehung. Unter seiner Herrschaft begann eine nationale Alphabetisierungskampagne und die allgemeine Schulpflicht wurde eingeführt. Vor 1990 stieg die Alphabetisierungsrate bei Mädchen auf über 90 Prozent, nach der Zerstörung von Schulen in den beiden Golfkriegen von 1991 und 2003 sank sie wieder auf 24 Prozent, so die UNESCO.

Seit dem 29. Mai 1994 war Saddam wieder Premierminister, nachdem er nach dem Ende des Golfkriegs 1991 diesen Posten zwischenzeitlich aufgab. Zudem bekleidete er das Amt des Vorsitzenden der Baʿth-Partei und war Oberkommandierender der Armee. Im Oktober 1995 ließ er sich ohne Gegenkandidaten mit 97 % der abgegebenen Stimmen auch offiziell zum Präsidenten wählen. Die Gratulation durch den ehemaligen Staatspräsidenten Abd ar-Rahman Arif verlieh dieser „Wahl„einen beinahe legitimen Anstrich.

1995 flüchteten Saddams Schwiegersöhne sowie der Geheimdienstchef und dessen Bruder wegen Meinungsverschiedenheiten nach Jordanien. Angeblich durch Saddam begnadigt, kehrten sie in den Irak zurück, wo sie im Februar 1996 inhaftiert und hingerichtet wurden.

Die Vereinten Nationen hatten seit dem Golfkrieg ein ununterbrochenes Handelsembargo über das Land verhängt. 1996 akzeptierte das irakische Parlament den „Oil-for-Food„-Plan des UNO-Sicherheitsrates, der dem Irak den Verkauf begrenzter Mengen Erdöls ermöglichte, um dringende humanitäre Bedürfnisse zu decken. Im Oktober 2002 wurde Saddam Hussein in einer offensichtlich fingierten Wahl mit fast 100 Prozent der Stimmen als Führer des Landes für weitere sieben Jahre im Amt bestätigt.

Versager VS Diktator: Der 2. Golfkrieg

Im Irak-Krieg marschierten Truppen der Vereinigten Staaten und deren Verbündete am 20. März 2003 in den Irak ein. Die irakische Armee wurde geschlagen, das Land vollständig besetzt. Die USA begründeten dies damit, dass der Irak durch Entwicklung und Besitz von Massenvernichtungswaffen gegen die über ihn verhängten UN-Resolutionen verstoße, und dass Saddam Hussein terroristische Organisationen wie al-Qaida unterstütze. Beides konnte jedoch durch den Geheimdienstausschuss des US-Senats nicht bewiesen werden. Auf Saddam Hussein und eine Reihe von führenden Angehörigen der Regierung wurde ein Kopfgeld von 25 Millionen US-Dollar ausgesetzt. Nach ihnen wurde auch mittels eines in Umlauf gebrachten Kartenspiels gefahndet, in dem die Gesuchten Karo Ass, Herz König etc. darstellten.

Nach Kriegsende tauchten Tonbandaufnahmen auf, in denen eine männliche Stimme dazu aufrief, „die Invasoren aus unserem Land zu vertreiben„. Es wird als wahrscheinlich angesehen, dass es sich dabei um die Stimme Saddam Husseins handelte.

Seine Söhne Udai und Qusai, die für ihre Grausamkeit gefürchtet waren, kamen am 22. Juli 2003 bei einem US-Angriff auf ihren Unterschlupf in Mosul nach heftigen Kämpfen ums Leben. Sein dritter und jüngster Sohn Ali Saddam ist untergetaucht.

Festnahme

Am 13. Dezember 2003 wurde Saddam Hussein von US-amerikanischen Besatzungstruppen festgenommen. Nach US-amerikanischer Darstellung wurde er nach einem Verrat eines früheren Gefolgsmannes, eines ehemaligen irakischen Geheimdienstlers, in dem Dorf Dur rund 15 Kilometer von seiner Heimatstadt Tikrit entfernt von amerikanischen Soldaten gefangen genommen. Demnach habe sich der einstmals mächtigste Mann des Landes zuletzt in einem engen gemauerten Erdloch vor einer ärmlichen Hütte versteckt gehalten. Als die Soldaten das Erdloch mit vorgehaltener Waffe inspizierten, habe sich Saddam Hussein ihnen kampflos und müde ergeben. Bei ihm soll Bargeld im Wert von etwa 750.000 US-Dollar gefunden worden sein.Der von der US-amerikanischen Führung verbreitete Hergang der Festnahme und der konkrete Zeitpunkt wurde durch den Anwalt Saddam Husseins sowie ihn selbst bestritten. Der ehemalige US-Soldat Nadim Abou Rabeh sagte im März 2005, dass die Szene mit dem so genannten Erdloch gestellt worden sei, Saddam Hussein in einem Haus gelebt habe und die US-Soldaten bei der Festnahme auf Widerstand gestoßen seien. In jedem Fall blieb Saddam Hussein bei seiner Ergreifung – anders als seine Söhne – gänzlich unverletzt und machte einen recht heruntergekommenen Eindruck, wie Fotos während der ersten ärztlichen Untersuchung nach seiner Inhaftierung belegten.

Saddams Identität wurde nach US-amerikanischen Angaben durch eine DNA-Probe sowie anhand von Zähnen und Narben nachgewiesen. Die offizielle Bestätigung der Festnahme erfolgte am 14. Dezember 2003 um etwa 13 Uhr MEZ durch den britischen Premierminister Tony Blair und kurz danach in einer Pressekonferenz durch Paul Bremer, den US-amerikanischen Zivilverwalter im Irak.

Der Ex-Diktator wurde im Hochsicherheitsgefängnis Camp Cropper inhaftiert. Am 10. Januar 2004 gab die US-amerikanische Regierung bekannt, dass er nun offizieller Kriegsgefangener der USA sei. Der Status des Kriegsgefangenen ermöglicht unter anderem, dass unabhängige Beobachter und Hilfsorganisationen, z. B. das Rote Kreuz, mit dem Ex-Diktator in Kontakt treten können, um sich von dessen Unversehrtheit und den Haftbedingungen ein Bild machen zu können. Am selben Tag forderte der irakische Regierungsrat die Vereinigten Staaten auf, Saddam als einen Kriminellen der irakischen Justiz zu übergeben. Am 30. Juni 2004, zwei Tage nach der offiziellen Machtübergabe der USA an die irakische Übergangsregierung, wurde Saddam der irakischen Justiz übergeben.

Saddam Hussein im Juli 2004

Der gestürzte Diktator

Ein Sondertribunal beschäftigte sich mit Saddam Hussein und elf weiteren Politikern und Militärs des Iraks. In einer ersten Anhörung ohne Anwalt am 1. Juli 2004, welche – wegen US-Zensur – überwiegend ohne Ton im Fernsehen übertragen wurde, stritt Saddam jede Schuld ab und erkannte das Tribunal nicht an. Er sah sich weiterhin als Präsident: „Ich bin Saddam Hussein, der Präsident des Irak„. Er blieb unter Bewachung der USA. Gemäß irakischem Recht wurde Saddam Husseins Einmarsch in Kuwait vor dem Tribunal verhandelt. Davon ausgenommen sollte der Überfall auf den Iran 1980 nicht als Angriffskrieg verhandelt werden. Die iranische Regierung beabsichtigte, in Bagdad zu klagen, da Saddam Hussein 1980 den Krieg gegen Iran begonnen und Chemiewaffen eingesetzt habe. Saddam Hussein wurden die in diesen Kriegen verübten Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt. Laut Human Rights Watch wurden bis zu 290.000 Menschen ermordet.

Die US-Regierung hatte sich sehr bemüht, ein funktionsfähiges Tribunal aufzubauen. Die Ermittlungen wurden laut New York Times vom FBI und einer Einheit des US-Justizministeriums geführt. Die irakischen Juristen erhielten Unterstützung von ausländischen Experten. Salam Tschalabi, der Gerichtsdirektor, wurde in den USA ausgebildet.

Der Kurdenführer und spätere irakische Staatspräsident Dschalal Talabani sprach sich gegen die Todesstrafe für Saddam Hussein aus. Dennoch zweifelt er nicht an seiner Schuld: Saddam Hussein habe „massakriert“ und „unsere Städte abgebrannt und zerstört.“ Der neue Irak, der gerade im Entstehen sei, müsse deshalb die Rechte der kurdischen Bevölkerung achten: „Wenn der Irak diese Verpflichtung nicht anerkennt, wird das das Ende der irakischen Einheit sein„.

Der Prozess

Der Prozess gegen Saddam Hussein und sieben Mitangeklagte begann am 19. Oktober 2005. In erster Instanz entschied eine Kammer aus fünf Richtern, wobei zunächst Richter Raouf Abdul Rahman den Vorsitz hatte, nachdem der ursprünglich dem Gericht vorsitzende Rizgar Muhammad Amin sein Amt niederlegte. In der Berufung entschieden neun Richter. Das Gericht hatte Jurisdiktion über Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen sowie über drei weitere aus dem irakischen Recht abgeleitete Verbrechen, unter ihnen etwa die unerlaubte Einmischung in die Justiz, die während Saddams Präsidentschaft von 1979 bis zum Beginn der Okkupation durch die Koalitionstruppen 2003 begangen wurden.

Der erste Anklagepunkt vor dem Gericht bestand aus einer Vergeltungstat, die in Folge eines misslungenen Attentats auf Saddam Hussein in der Stadt Dudschail 1982 stattgefunden haben soll. 148 Männer und Jungen wurden hingerichtet bzw. starben bei „Vernehmungen“ durch staatliche Behörden. Die weiteren zwölf geplanten Anklagen reichten vom Giftgasangriff auf Kurden in der so genannten Anfal-Kampagne und dem Angriff auf die Stadt Halabdscha 1988 bis hin zur Tötung zehntausender Schiiten nach deren Aufstand 1991. Das Gericht hatte zudem Anklage gegen Saddam wegen Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Kriegsverbrechen im Rahmen eines internen Konfliktes im Rahmen der Anfal-Aktivitäten erhoben.

Mit Saddam Hussein standen sieben weitere Personen vor Gericht. Unter ihnen waren Taha Yassin Ramadan, Iraks früherer Vize-Präsident, Barsan Ibrahim al-Tikriti, ein jüngerer Halbbruder Saddams und gleichzeitig ehemaliger Direktor des Sicherheitsdienstes Mukhabarat sowie Awad al-Bandar, früherer Vorsitzender des „Revolutionsgerichtshofs„, der unter anderem für die Todesurteile in Dudschail zuständig war.

Blut und Morde

Nachdem zwei Verteidiger von Saddams Mitangeklagten Anschlägen zum Opfer fielen, ein Mordkomplott gegen den Ermittlungsrichter Dschuhi aufgedeckt sowie ein Anschlag auf das Gerichtsgebäude vereitelt wurde und einige Verteidiger sich aus diesem Grund zurückzogen, wurde vom damaligen Vorsitzenden Amin die Verlegung des Prozesses in die weniger instabilen kurdischen Regionen erwogen. Der Prozess wurde allerdings weiterhin in Bagdad geführt. Der US-amerikanische Anwalt Ramsey Clark, früherer US-Justizminister und prominenter Gegner des Irak-Kriegs, gehörte ebenfalls zu dem Team, das Saddam im Prozess verteidigte. Er hatte schon Slobodan Milošević verteidigt. Ein weiterer Anwalt Saddam Husseins, Najib al-Nawimi, ehemaliger katarischer Justizminister, versuchte die Legitimität des Gerichts anzuzweifeln, da große Teile seines Statuts während der Besetzung durch die USA geschrieben worden seien.

In Bagdad wurde der Prozess unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen abgehalten. Zeugen gegen Saddam Hussein wurde Anonymität aufgrund der Furcht vor Anschlägen zugestanden. Der Prozess wird von Anhängern Saddam Husseins und US-kritischen Stimmen als „Schauprozess“ und als „Siegerjustiz“ interpretiert. Menschenrechtsorganisationen zweifeln an der rechtmäßigen Einsetzung des Tribunals. Human Rights Watch betonte zudem, die Rechte der Angeklagten würden beschnitten. Ein Menschenrechtsbeobachter der Vereinten Nationen erklärte, das Gericht werde internationalen Standards für solche Verfahren nicht gerecht. Saddam Hussein begann am 7. Juli einen Hungerstreik, um gegen die mangelhafte Sicherheit für seine Anwälte zu protestieren. Ab dem 23. Juli wurde er deswegen in einem Krankenhaus zwangsernährt.

Der irakische Generalstaatsanwalt forderte im Prozess wegen des Massakers von Dudschail die Todesstrafe für Saddam Hussein. Auch der ehemalige Vizepräsident Taha Jassin Ramadan und Saddams Halbbruder Barsan Ibrahim al-Tikriti sollten hingerichtet werden, forderte der Staatsanwalt in seinem Schlussplädoyer. Für vier weitere Angeklagte beantragte er Haftstrafen.

Tod durch Erhängen

Saddam wurde am 5. November 2006 zum Tod durch den Strang verurteilt. Er wollte sich zur Urteilsverkündung vor dem Sondertribunal nicht erheben, lenkte jedoch ein, als ihm letztlich mit Zwang gedroht wurde. Während der Urteilsverkündung rief er wiederholt Koranverse, Kriegsparolen und Beleidigungen in den Gerichtssaal. Saddams persönlichem Wunsch, nicht „wie ein einfacher Krimineller“ erhängt, sondern erschossen zu werden, wurde nicht entsprochen.

Die Berufungsverhandlung in der Berufungskammer des Sondertribunals, die bei jedem Todesurteil automatisch angeordnet wird, bestätigte das Urteil schließlich am 26. Dezember 2006. Eine zügige Hinrichtung innerhalb von maximal 30 Tagen, d.h. bis zum 25. Januar 2007, wurde außerdem vorgeschrieben. Ein letzter Versuch, die Hinrichtung durch einen Antrag seiner Anwälte vor einem US-Bezirksgericht in Washington aufzuschieben, wurde abgelehnt.

Das Urteil gegen Saddam wurde am 30. Dezember 2006 kurz nach 6:00 Uhr Ortszeit (4:00 Uhr MEZ) in al-Kadhimiya, einer Nachbarstadt im Nordosten von Bagdad, durch Erhängen vollstreckt.

Millionen sahen zu

Die gesamte Hinrichtung wurde offiziell von den irakischen Behörden gefilmt und auf Fotos festgehalten; entsprechende Aufnahmen, welche die letzten Minuten Saddams, nicht jedoch das unmittelbare Erhängen zeigen, waren wenig später weltweit in zahllosen Medien zu sehen. Die Hinrichtung sei nach offizieller Darstellung schnell und ruhig verlaufen. Saddam habe keine Bemerkung gemacht, während er zum Galgen geführt worden sei. Vor der Hinrichtung habe er das sunnitisch-islamische Glaubensbekenntnis gesprochen.

Eine im Internet kursierende Amateuraufnahme der Hinrichtung widerlegt jedoch diese Darstellung. Dabei ist zu hören, dass Personen im Raum Saddam Hussein beschimpfen, er werde „direkt in die Hölle gelangen„, woraufhin dieser antwortet: „Irak ist nichts ohne Saddam„. Ebenso wird der radikale irakische Schiiten-Führer Muqtada as-Sadr, einer der größten Gegner Saddams, durch die unbekannten Personen bejubelt. Bereits mit der Schlinge um den Hals auf der Falltür stehend sprach Saddam anschließend seine letzten Worte, die zweizeilige Schahada der Sunniten: «Es gibt keine Gottheit außer Allah. Mohammed ist der Prophet Allahs.» Noch während der ersten Wiederholung öffnete sich die Falltür, als er das Wort «Mohammed» aussprach. Die inoffizielle Filmaufnahme zeigt entgegen der offiziellen auch, wie Saddam durch Genickbruch stirbt und unmittelbar nach der Hinrichtung am Galgen hängt.

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