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In den vielfach angepriesenen Tagen der großen Depression und Krise gibt es nur wenige Menschen auf der Welt, die offen und mit einem Lächeln im Gesicht behaupten, dass es Ihnen in Zeiten der Krise besser als davor geht. Insolvenzverwalter machen ungefähr die Hälfte dieser Menschen aus – die andere Hälfte davon lebt in Panama.

Oh wie schön ist Panama

Hochhäuser aus Stahl und Beton schießen wie Pilze aus dem Boden. Kaum ein anderes Land auf der Erde profitiert in solchen Maßen von Bankenpleiten, Rezessionen und privaten Tragödien. Panama – Jahrzehnte lang nur einer von vielen lateinamerikanischen, unterentwickelten Staaten und auf der politischen Weltbühne völlig unbedeutend – hat sich in den letzten fünf Jahren als stabiler und euphorischer Standort für die Banken und Unternehmen dieser Welt herausgefiltert und boomt seit einigen Jahren geradezu. Das Wirtschaftswachstum betrug im Jahre 2008 stolze 8,7 Prozent – Deutschland hingegen verzeichnet allein dieses Jahr voraussichtlich ein weiteres Wirtschaftsschrumpfen mit –5,4 Prozent. Doch nicht so in Panama: Auch für dieses Jahr wird trotz der weltweiten Wirtschaftskrise in dem Land mit rund 3,4 Millionen Einwohnern noch ein robustes Wachstum von drei bis vier Prozent erwartet. Dieser Erfolg nicht nur am wirtschaftlich wichtigsten, von Menschenhand in die Erde geschaffenen Eingriff der Welt – dem Panamakanal, der allein im letzten Jahr knappe 2 Milliarden Dollar in die Kassen Panamas spülte – sondern ebenso an der rigorosen liberalen Steuerpolitik des Landes. Panama und vor allem dessen Hauptstadt „Panama City“ ist heute ein international bedeutendes Banken- und Offshore-Zentrum. Und befindet sich auf dem Weg, Singapur den Rang als bedeutendste Bankenstadt der Welt abzuringen.

Große Kleinstadt

Panama City ist die offizielle Hauptstadt und Regierungssitz des mittelamerikanischen Staates Panama. Mit seinen pi mal Daumen 700.000 Einwohner ist es zudem die größte Stadt des Landes. Sie befindet sich im Südosten des Landes, direkt an der pazifischen Küste und ebenfalls direkt östlich am Panamakanal. Abgesehen vom wirtschaftlichen, politischen, touristischen und kulturellen Zentrum des Landes ist sie auch eine der – man will es kaum glauben – modernsten Städte der Welt. Sie gilt mittlerweile in wirtschaftlicher Hinsicht als eine Weltstadt. Wer die eindrucksvollen Panoramen von Mega-Städten wie HongKong oder Shanghai kennt, in denen sich bis zum Horizont Hochhaus an Hochhaus drängt, durchbrochen von breitspurigen, neuschwarzen Autobahnen, ja der wird sich in Panama City sofort wie zu Hause fühlen.

Panhatten

104 vorwiegend internationale Banken haben ihren Sitz in der Stadt oder unterhalten Niederlassung, in kaum einem anderen Ort der Welt gibt es mehr Bankfilialen. Dazu kommen große Unternehmen, die im Dienstleistungssektor tätig sind sowie internationale Reedereien, die sich wiederum aufgrund des Seehafens im Westen der Stadt und des Panamakanals in der Stadt niederließen. Weiter hinzu kommen bis Dato fünf große, mehrstöckige Einkaufszentren – ach was Zentren. Mega-Shopping-Malls! – und ganze Einkaufsstraßen, die einzig und allein für den puren Konsum errichtet wurden. In der Stadt befinden sich acht der zehn größten Hochhäuser Lateinamerikas, derzeit werden hier bis zu 70 Hochhäuser gleichzeitig gebaut – Kräne, soweit der Blick reicht. Auch der Bau am sogenannten „Ice Tower“ – dem zukünftig höchsten Gebäude Südamerikas – wird nun voraussichtlich fortgesetzt, nachdem er Mitte 2006 erst einmal – entschuldigt den Wortwitz – auf Eis gelegt wurde. Er wird mit 104 Stockwerken mehr Etagen bekommen als der Freedom-Tower von New York.

Panama Altstadt

Neben moderner Architektur sind aber auch noch historische Gebäude erhalten. Das alte Stadtgebiet ist als Ruinengelände erhalten und wurde 2003 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Neben der zentralen Plaza mit Kathedrale, Rathaus, Bischofspalast und vielen urigen Kneipen sind mehrere Klöster sowie das Spital und wenige Wohnbauten der alten Oberschicht erhalten. Doch der Glanz aus alten Zeiten blättert, erst seit einigen Jahren restaurieren findige Investoren und Neureiche Teile der schönen Altstadt, um exklusive Lofts und Wohnungen für die neue Oberschicht zu schaffen.

Investitionen in die Zukunft

Ganze fünf Milliarden US-Dollar steckt das relativ kleine Land in den Ausbau seines Kanals, dieser wird nicht weniger als verdoppelt. In bereits fünf Jahren sollen hier Tanker- und Containerschiffe durchfahren, die doppelt so viel Last tragen können wie heute. Der Preis der Passage wird nach Art und Größe des Schiffes berechnet und beträgt durchschnittlich 48.000 US-Dollar. Schiffe der sogenannten Panamax-Klasse zahlen rund 150.000 US-Dollar pro Passage. Das klingt nicht nach besonders viel, doch allein im letzten Jahr fuhren 14.702 Schiffe den Kanal durch. Die transportierte Warenmenge entspricht 6 % des Welthandels und entspricht dem Wert von geschätzten 100 Milliarden Dollar. Auch im Bildungs- und Gesundheitsbereich wird groß Investiert; außerdem steht der landesweite Ausbau eines Hochgeschwindigkeit-Internets an. Schließlich sollen auch kommende Generationen vom derzeitigen Boom profitieren. Im Fahrwasser des Booms kennt Panama derzeit nur eine Richtung – volle Kraft voraus.

2 Kommentare

  1. Maria
    Bemerkte

    Warst du schonmal in Panama?
    Dann wüsstest du, dass die meisten der Wolkenkratzer leer stehen und nur als Spekulationsobjekte oder zur Geldwäsche dienen. Vom Kanal und den Bankgeschäften haben nur einige wenige Familien der Oberschicht und vor allem die vielen Ausländer etwas, die in Panama so gut wie keine Steuern zahlen. Beim Rest der Bevölkerung nehmen Ungleichheit und Armut eher zu, was man auch an der steigenden Kriminalitätsrate sehen kann.

  2. Joshy
    Notierte

    Leider nein, von uns war noch keiner dort. Dabei wäre das Land allein der Kultur und Landschaftlichen Vielfalt einen Besuch wert.

    Dass die meisten Gebäude leer stehen und aus illegalen Geschäften finanziert wurden, kann man sich durchaus vorstellen – ähnliche Entwicklungen gibt es auch in Russland, China oder anderen „Boom-Städten“. Über die Kehrseite solcher Spekulations(blasen) – in diesem Fall Panama City – wird bei uns leider viel zu wenig berichtet, an erster Stelle geht es um oberflächlichen Prestige und die Präsentation der „neuen und modernen“ Stadt.

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