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Wirre Gedanken, fernab jeglichen Kontextes spontan in die Tastatur gehämmert und anschließend ins erdrückende Datennirvana dieses neumodernen Internetzes entlassen:

DEEP FUCKING BRAINFLASH

Die Hälfte meines jungen Lebens verbrachte ich zu meinem eigenen Bedauern in den geistig unendlich düsteren Tiefen urbayerischen Hinterlandes. Hier treffen erzkonservative Ansichten auf manifestierte religiöse Überzeugungen, auf Engstirnigkeit und auf Angst vor der Welt außerhalb des geradezu lächerlich eng gezogenen Tellerrandes. Jene Mentalität der hiesigen Ureinwohner umklammerte und beeinflusste mich zeit meines Lebens. Ich ward der festen Überzeugung gewesen, mein Leben verliefen in ähnlichen gewohnten Bahnen wie die des mich umgebenden Volkes. Ein klassischer heterosexueller Regelfall: Junge lernt Mädchen kennen, verknallt sich, heiratet irgendwann, gründet eine Familie, lebt diverse Krisen durch und versucht händeringend, die im Bauch ansässigen Schmetterlinge aus den ersten verliebten Knuddelwochen so lange wie möglich am Leben zu erhalten.

So die aus dem Fernsehen und dem eigenen sozialen Umkreis gewohnte Variante. Doch dann der Schreck: FUCK! Ich bin schwul, OH MY GOD und YAAY. Voll der Euphorie und des Freiheitsrausches lernte ich mich selbst als neuen Menschen akzeptieren und kennen, dürstete nach frischen Hoffnungen und gierte gen selbstverliebter Träume. Ich probierte neue Dinge aus und entwickelte eine pflichtmäßige, gleich gesunde Sexbesessenheit. Unumstößlichem herumgecomingoute später stellte sich jedoch abrupt fahle Ernüchterung ein: Ein gehöriger Teil der mir so gewohnten Erwartungen und Ideale brach wackeliger Kartenhäuser gleich unaufhaltsam in sich zusammen. Und auf einmal stand die Welt kopf.

Wohl wahr, kaum am anderen Ufer angekommen ;), fand ich vor allem eines in jähen Flächen vor: Neuland. Es bedarf des profunden Auswurfes alter Normen aus dem obligatorischen Fenster, heben sich doch zärtlich bis ekstatische Beziehungen zwischen Jungs ungemein von Herkömmlichen zwischen Jungs und Mädchen ab. So tauschten sich denn althergebrachte Gewohnheiten mit infantilem und unbeholfenem Gebaren aus. Unsere Kultur und unsere Normen bauen gerade bei Beziehungen auf den Erfahrungen vergangener Jahrtausende auf; heterosexuelle Paare verfügen entsprechend jederzeit über die Möglichkeit, auf bewährte Verhaltensweisen zurückzugreifen. Nicht so bei schwulen Paaren. Hier existieren keine evolutionären Regeln, wir sind darauf angewiesen, unsere eigenen Grundsätze erst selbst und auf gut Glück zu erfinden. Trial and Error.

Außergewöhnliche Lebensumstände, die eine gehörige Portion Konfliktpotenzials bereithalten. Extrovertiertes Zurschaustellen der eigenen Sexualität, laufend und häufig auch mit gegenseitigem Einverständnis während einer offenen Beziehung wechselnde Sexpartner, emotionaler Druck aus der eigenen Familie und vom Umkreis schaffen eine wackelige, teils bizarr anmutende Alltagsbasis. Nichts ist falsch, aber auch nicht so wirklich richtig. Zudem liegt in schwulen Partnerschaften die Hürde zur Trennung – natürlich mit Ausnahmen – deutlich tiefer als in heterosexuellen, fallen doch eine gehörige Dosis sozialer Zwänge, kirchlicher Eigenheiten oder gar eigene Kinder weg. Ich kenne nur wenige drollige Schwuppen, deren Beziehung mehr als eine Handvoll Jahre gehalten hat – skurril, aber wahr.

Lange Rede, kurzer Sinn – es folgt die Quintessenz: Vieles ward mir neu gewesen. Wandte sich aber denn des Besseren zu. Trial and Error in Vollendung. Keine Zwänge, keine Traditionen, keine Bindungen, keine geltende Regeln. Freiheit! Also, ganz ehrlich: Abseits allen Geblases tiefschwarzen Trübsals vermag ich zu behaupten: Dude, mein Leben macht verdammt noch mal so was von Spaß, ich liebe das Unbekannte, die Herausforderung, das Risiko. Ich tu es, YAAAAY 🙂

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