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Der Weg zur unwiederbringlichen Ergreifung der gülden lockenden Weltherrschaft ist steinig und steil. Sie stellt die ultimative Herausforderung dar, bislang ward allerdings jeder Versuch zum Scheitern verurteilt. Jenem indes, der entgegen allen Munkelns dergleichen Aufgabe erfolgreich meistert, darf sich mit Fug und Recht als uneingeschränkter Weltherrscher betiteln; ihm unterliegen fortan nahezu sieben Milliarden evolutionär entwickelte – und doch so kindliche Seelen. Freilich – ehe du genüsslicher Mienenspiele in deinem unendlichem Ruhm badetest, würdest du mit unglaublichen Tücken zu kämpfen gedurft haben. Im schlimmsten Falle stellten sich dir als letztes verzweifeltes Aufbäumen der bis dato totalitär überwachten freien Weltgemeinschaft multinationale, topmoderne und bis unter die Zähne bewaffnete Millionenheere entgegen.

Mehr noch, dich betrübt es sicherlich zu erfahren, dass schätzungsweise mehr als 22.000 nukleare Sprengköpfe nur begierig darauf warteten, dich mitsamt deinem Gefolge und deiner so scheinbar „kranken“ Pläne auf wortwörtlich atomare Ebene zu pulverisieren und nicht weniger als mahnende, in alle Ewigkeit verbrannte Erde zu hinterlassen. Wohl wahr, dein vorbestimmter Pfad gen unsterblicher Lande führt dich durch düstre Abgründe menschlicher Emotionen. Vielem vermagst du entgegenzublicken – vielem, außer Mitleid! Immer noch Bock? Dann auf, für Tod und Glorie!

Doppelt killt besser

Alle weltlichen Heere und gesprochenen Worte vermögen sich dir jedoch bei Weitem nicht so vernichtend entgegenzustellen wie die folgenden, permanent missachteten „Kleinigkeiten“. Stichwort Kopfschuss: Leichen pflasterten deinen todesmutigen Marsch zur Weltherrschaft; Opfer, bittere Opfer müssten deinerseits erbracht werden. Anfangs stündest du allein auf weiter Flur, bar jedes Gleichgesinnten. Die Drecksarbeit bliebe an dir haften, mitunter selbst die „Beseitigung“ unangenehmer, dir im Wege stehenden Zeitgenossen. Wie du das erledigtest, obläge einzig deinem perfiden Handeln. Jedoch lehrten mir gefühlte tausend Popkornfilme, schnöde Serien, angestaubte Bücher sowie opulente Spiele, dass du JEDEM Opfer ZWEIMAL in den Kopf schießen solltest. Spar dir das Sparen an Munition, du kannst es dir leisten – würdest ja schon bald unendlich einsamer reicher Herrscher des Planeten Erde geworden sein. Im gleichen Zuge sei dir das Sparen jedweder Rede geraten. Eine altbekannte Situation: Der Besiegte liegt dem „Bösen“ blutend zu Füßen, derweil dieser unendlich wortreiche Monologe ins Nirvana schickt. Und urplötzlich hinterrücks des Lebens beraubt wird. Also merke: Halte ein, wenn du ein Verlangen nach geisttötenden Ansprachen verspürst – bei Munition solltest du jedoch mitunter großzügig veranlagt sein.

Sprengfässer zu Pflugscharen

Im fortgeschrittenen Stadium deines ausgeklügelten Planes zur Ergreifung der Weltherrschaft wirst du nicht umher kommen, weitläufige Gelände, Industrieanlagen, Labors und Gebäudekomplexe dein Eigen nennen zu dürfen. Das Streben nach Macht bedeutet Kampf. Letzterer wiederum verschlingt Unsummen, wird dich schröpfen, bis all dein Geld aufgebraucht. Handeln wirst du, provozierend produzieren und methodisch handelnd Handeln. Die Welt gleicht ihrer ungeschönten Fratze einem der Sucht Verfallenem – und du bist ihr Dealer. Überschwemme die Märkte von Lhasa bis Ouagadougou mit deinem Konsumgut, spreng die Börsen und gönne dir eine lauschige Badepause in deinem Geldspeicher. Jene wirst du mitunter nötig haben, denn es droht Gefahr: Sprengfässer!

Nahezu jeder Actiontitel der letzten 200 Jahre – nostalgische Romane mit inbegriffen – behandelte unausweichlich einmal Sprengfässer. In jeder Fabrik, in Gängen und Kellern, vor Häusern und Tankstellen, in Regalen und Containern – ja sogar in manch privater Eigentumswohnung stehen SPRENGFÄSSER! Fässer, gefüllt mit hochexplosiven Stoffen und dämonischen Eigenlebens erpicht darauf, auf jedwede geringste Berührung vernichtend zu reagieren. Dunkle Auren kommender Weltherrscher ziehen sie vermeintlich magisch an – je mehr Macht, desto mehr Fässer. Ein unumstößliches Gesetz! Und das zu jedem Zeitalter. Waren es früher aus blankem Holz geschreinerte Schwarzpulverfässer, so sind es heute metallene Treibstofffässer. Sie sind überall. Abwarten vermag die Misere nicht abzuhalten, allenfalls kurzzeitig verzögern. Dann wirst du eben mit futuristisch anmutenden, umso explosiveren Fässern konfrontiert werden. Und – das verspreche ich dir – sie explodieren immer nur DANN, wenn es schlecht um deinen Plan respektive dein eigenes Leben auf dem Spiel steht.

Darum lasse dir ans Herz legen: Sobald ein gewisser Grad des weltweiten Einflusses überschritten wird – KAUF ALLE FASSFABRIKEN DIESES PLANETEN AUF und schließe sie! Bis dahin produzierte Fässer ließen sich mit Leichtigkeit in humane Pflugscharen umschmieden – oder einfach entdeckeln und als Markentonnen weiterverkaufen. Oder du leertest sie einfach aus ließest sie als hoffnungsvolle Attrappe herumstehen. Stell dir vor, ein CIAler überrumpelte dich, es käme zum Kampf. Kurz darauf läge er angeschlagen unter dir, ergriffe allerdings noch seine Waffe und schösse aufopfernd auf ein nahestehendes Fass. … Und nichts geschähe. Das Letzte, was er mit vor Angst verzerrtem Gesicht schaute, wäre dein süffisantes Lächeln, derweil du den Abzug betätigst.

Ein kleines Gitter für dich, eine große Barriere für den Widerstand

Letzte Lektion für heute. Gemäß des Falles, du stündest kurz vor der Machtergreifung. Besäßest eine 1.000 Meter hohe, gläserne Firmenzentrale in den lebhaften Hochhausschluchten Schanghais. Bewacht durch eine trainierte Armada kostenspieliger Elitesoldaten, mittels modernster Techniken unterstützt. Keine Mücke flöge unbemerkt in deinen Machtbereich. Wenn, ja wenn sie nicht über verhängnisvolle Belüftungssysteme und Tunnel verfügte. Du kennst das: An der Oberfläche steht ein scheinbar uneinnehmbares Bollwerk, doch unterirdisch kann ein jeder Möchtegern-Penner ohne Probleme eindringen. Blut und Morde wären die direkte Folge, dein jahrelanges Streben gar umsonst gewesen. Lass dir raten: Kaufe Gitter. Ein kleines Gitter schon für knappe zehn Euro soll bare Wunder wirken.

Die Geburt des Herrn

Durch Folgeleistung jener vorherigen Hinweise sollte es dir bei Weitem trivialer erscheinen, die Weltherrschaft an dich zu reißen. Dies mag durchaus die Stunde sein, in der wir die Geburt einer neuen, revolutionären Idee erleben. Die Geburt eines Königs. Eines Herrschers jener Menschen, die so leicht seiner Macht erliegen. Und solltest du entgegen allem Erwarten dennoch das Zeitliche segen, dein dir treues teures Leben opfern – nun, so sei es denn verwirkt!

Aus den Tagebüchern des künftigen Weltherrschers [*] – macht platz für Krony, macht Platz für den menschgewordenen Gott!

Artikelbild: Frillion

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