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Spark_2013-05-06_13-02-31Seit einigen Tagen spiele ich nun bereits die neue, mit Trompeten und Posaunen angekündigte Städtesimulation Simcity 5 von Maxis unter der Federführung von EA Games. Nun, das Spiel an sich bot bisher entgegen meinen Erwartungen tatsächlich massig unterhaltsame und launige Stunden des perfiden Städtlebauens. Was von einem Simcity aber auch erwartet wird. Allerdings verfügt Simcity 5 gleichfalls an allen Ecken und Enden über die Fähigkeit, den aufkeimenden Spaß am Spielen gelinde zu lindern und die verantwortlichen Entwickler dafür so richtig schön ohrfeigen zu wollen. Simcity 5 ist selbst mit dem derzeit aktuellen Patch 2.0 vieles, aber nach wie vor kein rundes Spiel. KI-Aussetzer, Designschnitzer, Verbindungsprobleme mit den EA-Servern dank Onlinezwang und Origin sowie unrealistische Mikrosimulationen, wohin das Auge schweift.

Spark_2013-05-06_10-58-33O ja, es gäbe so einige Aspekte am Spiel, die verbessert gehörten oder überhaupt erst einmal hinzugefügt müssten. Angefangen bei deutlich weiteren Stadtgrenzen. Im derzeitigen Zustand gleicht Simcity 5 eher einem Simvillage 5. Der grandiose Vorgänger Simcity 4 bot 16-mal so große Einzelstädte (!). Und davon umso mehr in einer nahtlos zusammenhängenden, gigantischen Metropolregion. Eine Metroplex mit locker 25 Millionen Einwohnern war ergo durchaus im Rahmen des Möglichen. Nicht so in Simcity 5 – mehrere jeweils 1,5 auf 1,5 Kilometer kleine Städtchen verteilen sich großzügig verloren über zwar ansehnliche, aber vorgegebene Regionen. Mit weiten Wiesen, Wäldern, Steilhängen, Flüsschen und Steppen zwischen den Städten. Apropos Landschaft – Berge, Seen, Flüsse, Buschwerk und Hügel sind allesamt statisch. Ein Modus zum Editieren des eigenen Stadtgeländes wie in allen bisherigen Simcity-Teilen fehlt vollends. Manche der spielbaren Stadtgebiete bieten daher aufgrund diverser Gewässer oder Hügel noch deutlich weniger freien Baugrund für prosperierende Städtchen.

Spark_2013-05-06_10-59-03Weiter zu den namensgebenden Städten. Die Beeinflussung der Großdörfer untereinander scheint noch nicht wirklich reibungslos zu funktionieren – aus einer reinen Einwohnerstadt mit hunderttausenden Personen pendeln gerade einmal wenige tausend in die arbeitsreiche Nachbarstadt – und schon herrscht Vollbeschäftigung. In der anderen Stadt hingegen beschweren sich Gewerbe und Industrie nach wie vor über fehlende Arbeitskräfte. Realistische Schlafstädte oder lärmende Industriemoloche wie aus Simcity 4 sind so noch nicht möglich. Demgegenüber dürfen Trinkwasser, Abwasser, Strom sowie Müll wie gewohnt gegen Bares an Nachbarstädte verhökert werden. Jedoch zu irrsinnig günstigen Preisen – und ohne Auswirkungen auf die am Handel beteiligte Nachbarstadt. So verpuffen Myriaden Hektoliter importiertes Abwasser praktischerweise im Nichts. Außerdem fehlt ein komfortables Handelsmenü für interstädtische Rohstoffhandelsverträge – für die eigene Spezialisierung dauerhaft benötigte Güter wie Eisenerz, Rohöl oder Plastik lassen sich nur einzeln und verdammt langsam per Geschenk versenden.

Spark_2013-05-06_13-24-30Und dann erst die Grundstücksaufteilung der Gebäude in der Stadt: Zwischen Gebäuden mit höchster Dichte existiert bis dato viel zu viel Freiraum. Zumal für kleinere Gebäudepartiellen keine hohen Gebäudevorlagen existieren. Die Folge: breite Kiesflächen, grüne Wiesen und kleine Einfamilienwohnwägen samt Garten zwischen horrend teuren, innerstädtischen Wolkenkratzern. In Innenstädten des Vorgängers dagegen wurde nahezu jeder verfügbare Quadratmeter Fläche vertikal großzügig ausgenutzt. Dichter, höher, mehr. Neu ist allerdings, dass Straßen und Gleise beliebig gedreht, verbogen und verquirlt gebaut werden können. Das ist toll. Nicht so toll ist andererseits, dass dadurch noch viel mehr nutzloser Platz zwischen Gebäuden entsteht – denn Gebäude und beispielsweise auch Parkanlagen richten sich immer an der jeweiligen Straße aus. Und dürfen nur noch an Straßen errichtet werden. Richtig gelesen, selbst Teiche und Bolzplätze benötigen einen Straßenanschluss, freies Bauen ade.

Spark_2013-05-06_13-20-31Wo blieben überdies die detaillierten Statistiken? Es ist nicht nachvollziehbar, wie viele Einwohner ein bestimmtes Wohnhaus innehat. Oder wie viele Angestellte eine Fabrik. Und genauso wenig, wie besagte Arbeiter dort hinkommen – per pedes, per Straßenbahn oder per Bus? (U-Bahnen, Hochbahnen und Autobahnen erübrigten sich von vornherein aufgrund der kleinen Stadtflächen) Nun gut, dazu müssten sie aber auch erst mal ein öffentliches Transportmittel finden, dass das gewünschte Ziel wirklich anfährt. Denn alle umherfahrenden Servicefahrzeuge – Feuerwehren, Müllwägen, Busse, Straßenbahnen, Polizeikräfte und so weiter – haben die seltsame Eigenschaft, immer wieder in schön unproduktiven Kolonnen hintereinander und dazu gerne wiederholt den gleichen Straßenblock abzufahren. Oder spontan vor dem Ziel umzudrehen. Einfach so. Fern jeglicher effektiven Wegfindung.

Spark_2013-05-06_10-59-44Die langfristigen Herausforderungen fehlen ebenso. Straßen und öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Polizeipräsidien oder Parks kosten keinen monatlichen Unterhalt mehr – und verfallen auch nicht. Was einmal gebaut, steht kostenlos für alle Zeiten. Streiks? Gibt es nicht. Stadtverordnungen wie Rußfilter und Bildungsinitiativen? Pustekuchen. Krisen im gewerblichen und/oder industriellen Sektor? Kaum vorhanden.
 
Letztendlich finanziell dank städtischer Spezialisierung auf Ölförderung, Glücksspiel, Unterhaltungselektronik und so weiter im grünen Bereich, darf man sich als Bürgermeister also getrost entspannt zurücklehnen. Und zugucken. Denn zu Bauen gibt es dann in den meisten Fällen vermutlich nichts mehr, da die Stadtgrenzen zur Gänze ausgeschöpft wurden. Allenfalls Optimierungen bestehender Gebäudekomplexe stünden an. Also bleibt letztlich nur noch drehen, zoomen, gucken und sich am Leben der pulsierenden Kleinstadt erfreuen. Denn schön schaut es ja schon aus, das Spiel, das so gerne ein gebührender Nachfolger der elitären Simcity-Reihe wäre.

Titelbild: „SimCity 5 – 3D, Games Wallpapers„.

Ein Kommentar

  1. Pingback: Simcity 5. Oder: The Publisher From Hell | Krony

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