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Ahmose begann das Neue Reich in etwa so, wie er die Zweite Zwischenzeit beendet hatte: Mit Krieg. Nachdem er die Hyksos aus Ägypten vertrieben hatte, wandte er sich gen Süden, um Teile Nubiens zurückzuerobern. Er wählte Waset („Theben„) erneut als Hauptstadt und stellte das Fort in Buhen in Nubien wieder her. Gestützt vom Militär entmachtete er die Nomarchen weitgehend und degradierte sie zu einer Art Bürgermeister von Städten und Dörfern. Mit seinen Militäraktionen hatte Ahmose für einen Großteil des Neuen Reichs den Takt vorgegeben. Ägypten wurde zu einer imperialistischen Macht und dehnte seine Grenzen weit nach Asien hinein aus.

Dieser erste Teil der achtzehnten Dynastie lief jedoch nicht ohne einigen inneren Aufruhr ab. Königin Hatschepsut, die Mutter von Thutmosis III., ergriff die Macht über den Thron, als ihr Sohn noch klein war. Sie herrschte über Ägypten und übernahm sämtliche Amtsinsignien des Pharao, bis hin zum zeremoniellen künstlichen Bart. Hatschepsut sorgte für die Stabilität des Reichs und errichtete viele Tempel und Monumente, von denen ihr Begräbnistempel in Deir el-Bahri als besonders bemerkenswert gilt.

In einer späteren Phase der achtzehnten Dynastie durchlief Ägypten eine radikale Veränderung. Als Amenophis IV. den Thron bestieg, änderte er seinen Namen in Echnaton und führte in Ägypten den Monotheismus ein. Er verehrte den Gott Aton, den Gott der Sonnenscheibe, und errichtete eine neue Hauptstadt mit dem Namen Achetaten („Tell el-Amarna„). Echnaton schloss alle Tempel zu Ehren anderer Götter und konfiszierte alles, was in diesen Tempeln auffindbar war. Außerdem stoppte er die Militärexpeditionen in andere Länder. Ein Großteil des ägyptischen Imperiums ging während seiner Herrschaft verloren.

Zwar litt Ägypten politisch unter der Herrschaft Echnatons, die Künste jedoch blühten auf. Eine neue Art der Porträtkunst entstand, in der Menschen bis hin zum Pharao selbst realistischer und mit ihren körperlichen Gebrechen dargestellt wurden.

Als Echnaton starb, setzte man das alte theologische System wieder ein, und Waset („Theben„) wurde wieder Hauptstadt. Nach der kurzen Herrschaft mehrere Pharaonen (darunter Tut-ench-amun) bestieg Haremhab, ein General der ägyptischen Armee, den Thron. Er stellte die Ordnung innerhalb der ägyptischen Grenzen wieder her und machte sich daran, die verlorenen Gebiete zurückzuerobern. Vor seinem Tod ernannte er Ramses I. zu seinem Thronerben.

Die Ramses-Zeit begann mit dem Tode Haremhabs. Ramses I. verlegte die Hauptstadt Ägyptens von Theben in eine neue Stadt namens Per-Ramesse, in der Nähe von Rowarty („Avaris„). Der Enkel von Ramses I., der weithin bekannte Ramses II. (auch „der Große“ genannt), eroberte neue Länder und unterzeichnete Verträge mit asiatischen Mächten. Außerdem gab er viele Bauprojekte in Auftrag, und sein Bildnis wurde in vielen Monumenten in ganz Ägypten gefunden.

Seine militärischen Leistungen fanden ihren Höhepunkt in der Schlacht von Kadesch. Der Bericht dieser Schlacht ist der erste uns überlieferte ausführliche Bericht einer großen Schlacht. Darin kämpften 20.000 Soldaten und 2.000 Streitwägen der Ägypter gegen 37.000 Soldaten und 3.500 Streitwägen der Hethiter. Die Hethiter waren ein kleinasiatisches Volk im Gebiet der heutigen Türkei. Es war das erste Mal, dass Ägypten einem Feind gegenüberstand, der ihm ebenbürtig war. Die Schlacht von Kadesch hätte für die ägyptische Armee vernichtend sein können. Ramses II. stand einer zahlenmäßig überlegenen Armee gegenüber, die sich zudem in eine strategisch bessere Position gebracht hatte. Dennoch gelang es ihm, die Moral seiner Truppen hoch zu halten, indem er sie wieder und wieder gegen den Feind anrennen ließ. Von einer vernichtenden Niederlage blieb die ägyptische Armee nur verschont, weil rechtzeitig Verstärkung eintraf. Unerbittlich wurde gekämpft, bis klar war, dass keiner siegen konnte. Dann wurde ein Vertrag unterzeichnet, mit dem die Teilung des Landes besiegelt wurde. Teile beider Vertragsausfertigungen haben die Zeit bis heute überdauert.

Die imperialistischen Tendenzen des Neuen Reichs hatten den Ägyptern viele Kämpfe und viele Feinde beschert, alte bekannte ebenso wie neue unbekannte. Die Kontrolle über Westasien machten den Ägyptern nicht nur die Hethiter, sondern auch die Mitanni und die Babylonier streitig. Das Seevolk, eine Art bunte Mischung verschiedener Kulturen, zu denen auch Philister und Minoer gehörten, mischten sich ebenfalls in die Kämpfe ein.

Während die Pharaonen zu Militärexpeditionen aufbrachen, blühte die Kultur im Lande. Während des Neuen Reichs veränderten sich die Begräbnisriten. Da die Pyramiden ständig von Plünderern heimgesucht wurden, gab man die Idee als Gräber für Pharaonen auf. Stattdessen verlegte man sich auf Grabstätten, die in die Klippen des Tals der Könige gehauen wurden. Das Tal der Könige und das ganz in der Nähe gelegene Tal der Königinnen, in dem die Frauen und Kinder der Pharaonen beigesetzt wurden, waren gut vor potentiellen Grabräubern versteckt. Um die ständigen Bautätigkeiten in den Tälern zu ermöglichen, wurde das Dorf Deir el-Medina gegründet, in dem die Handwerker und Arbeiter wohnten, die im Tal der Könige arbeiteten. Ein Großteil dessen, was wir über das Leben der einfachen Leute in Ägypten wissen, stammt aus Artefakten, die in Deir el-Medina gefunden wurden.

Das Neue Reich war außerdem von einem regelrechten Bau-Boom gekennzeichnet. Die Pharaonen gaben riesige Tempel in ganz Ägypten in Auftrag. Auch wurden viele große Skulpturen gefertigt. Mehrere berühmte Stücke sind erhalten. Die Memnonskolosse beispielsweise sind Statuen des Amenophis III., sie haben eine Größe von 20 Metern.

Die Kunst gedieh weiterhin. Künstler begannen, mit Fayence, einer glasartigen Substanz, zu arbeiten. Sie schmolzen und gossen das Glas zu Behältern und verwendeten Fayence für Einlegearbeiten. Doch das Neue Reich sollte nicht ewig währen …

Ägypten: Die komplette Reihe im Überblick

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