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Das Alte Reich war im alten Ägypten eine Zeit des Wohlstands. Die Pharaonen sorgten durch eine straffe und zentralisierte Regierung dafür, dass Ägypten eine starke Einheit bildete. Ägypten war in Nomes („Gaue„) aufgeteilt, über die jeweils ein Nomarch („Gaufürst„) herrschte. In der Regel waren Nomarchen enge Verwandte der Pharaonen und diesen absolut treu ergeben.

Dank der Festigung der Einheit konnten die Pharaonen die Aufmerksamkeit nun Expeditionen in fremde Länder zuwenden, mit dem Ziel, den Wohlstand der Nation zu mehren. Um Gold zu beschaffen, schaute Ägypten vorrangig gen Süden, Kupfer und Türkis fand man im Osten, insbesondere in Serabit el-Chadim auf dem Sinai. Hier gründeten die Ägypter Siedlungen und kämpften gegen Beduinen, Nubier, Syrer, Kanaaniter und Palästinenser. Darüber hinaus errichteten die Ägypter Siedlungen in der Oase Baharija in der westlichen Wüste. Diese Position war entscheidend für die Erleichterung des Handels auf dem Landweg. Die Expeditionen in diese Gebiete erzielten den gewünschten Erfolg: Der Reichtum Ägyptens mehrte sich und die Pharaonen konnten es sich leisten, diesen neuen Geldsegen in riesige Monumente auszugeben.

Das Alte Reich verhalf auch dem Sonnenkult zu großer Bedeutung. Die Pyramiden haben die Form des „Benben„-Steins, jenes Urhügels, der aus dem zu Stein gewordenen Samen des Sonnengottes entstand und an dem Re-Atum, der Schöpfergott des Sonnenkults, zum ersten Mal in Erscheinung trat. In späteren Zeiten des Alten Reichs dominierte der Sonnenkult immer mehr, und es wurden Sonnentempel in mehreren Städten über ganz Ägypten verstreut errichtet.

Das Alte Reich begann mit der dritten Dynastie. Fast gleichzeitig wurde mit dem Pyramidenbau begonnen. Djoser, der zweite Pharao der dritten Dynastie, ließ die erste Pyramide bei Saqqara bauen. Imhotep, sein Wesir, der für seine Intelligenz berühmt und auch der Hohepriester des Sonnenkults in On („Heliopolis„) war, leitete den Pyramidenbau und fungierte als Architekt. Die Pyramide, eine so genannte „Stufenpyramide„, besteht im Prinzip aus sechst Mastabas übereinander, wobei jede neue Ebene kleiner als die vorherige ist. Keiner weiß genau, was die Pyramide darstellen sollte, aber einige Archäologen vermuten, dass die Pyramide wie eine Himmelstreppe aussehen sollte.

Bis zur Zeit Snofrus wurden mehrere Stufenpyramiden für weitere Pharaonen errichtet. Unter Snofru, dem ersten Pharao der vierten Dynastie, wurde die Pyramidenform perfektioniert. Sein erstes Projekt war der Abschluss der Pyramide seines Vaters Huni in Medum. Dessen Pyramide war ursprünglich als Stufenpyramide gedacht. Als Snofru das Projekt abschloss, glättete er die Seiten und lenkte so den Pyramidenbau in eine neue Richtung.

Snofru begann mindestens drei eigenen Pyramidenobjekte. Die erste brach unter ihrem eigenen Gewicht zusammen. Seine zweite Pyramide, die „Knickpyramide„, steht heute noch in Dahschur. Die Neigung der Seiten ändert sich auf halbem Weg, und niemand weiß genau, warum. Eine Theorie ist, dass die Architekten einen weiteren Einsturz fürchteten und daher den Winkel verringerten. Eine andere Theorie besagt, dass Snofru während des Baus gestorben sei, und man den Winkel verringert hätte, um die Fertigstellung zu beschleunigen. Eine dritte Theorie lautet, dass die Knickpyramide ein riesiger Obelisk sei, der einen Sonnenstrahl darstellen sollte. Wie dem auch sei – die Knickpyramide wies die glatten Seitenwände auf, die echte Pyramiden von Stufenpyramiden unterscheiden sollten.

Schließlich gelang es den Architekten des Snofru, die echte Pyramidenform mit der „Roten Pyramide“ zu perfektionieren. Diese Pyramide, die ebenfalls in Dahschur steht, weist die charakteristischen geglätteten Steinwände und eine Verkleidung aus feinem Stein auf, die zukünftige Pyramiden imitieren sollten. Die Pyramide trägt ihren Namen aufgrund der Farbe des Monuments bei Sonnenuntergang.

Der Pyramidenbau erreichte seinen Höhepunkt mit der Pyramide des Cheops in Rostia („Giseh„). Diese Pyramide – die größte heute noch stehende Pyramide – war ursprünglich etwa 160 Meter hoch und hatte ca. 250 Meter lange Seitenwände. Sie bestand aus ca. 2.300.000 Blöcken Kalkstein. Die gesamte Pyramide wurde mit Tura-Kalkstein verkleidet, der aus On („Heliopolis„) importiert wurde. Der Pyramidenbau wurde während des gesamten Alten Reichs fortgesetzt, und auch einige Pharaonen des Mittleren Reichs ließen sich Pyramiden bauen. Insgesamt hat man etwa 50 Königspyramiden in Ägypten gefunden, sowie Dutzende kleinere Pyramiden für den niederen Adel.

Die grandiose Optik der Pyramiden unterstrich noch den Status der Pharaonen als irdische Götter und zeigte die Macht und den Wohlstand, den diese während der dritten und vierten Dynastie angehäuft hatten. Manche Historiker sind der Auffassung, dass ein Großteil des Wohlstands Altägyptens für den Pyramidenbau aufgewendet wurde.

Die fünfte Dynastie kennzeichnete ein Abrücken vom Bau kolossaler Pyramiden. Pyramiden wurden zwar noch immer gebaut, aber in deutlich kleinerem Format, da mehr Ressourcen für den Bau von Sonnentempeln aufgewendet wurden.

Userkaf, der erste Pharao der fünften Dynastie, errichtete den ersten Sonnentempel bei Djedu („Abusir„). Sechs weitere Pharaonen der fünften Dynastie errichteten ebenfalls Sonnentempel, wodurch der Sonnenkult als Hauptreligion gefestigt wurde.

Mit der Zeit begann die Macht der stark zentralisierten Regierung, die den Pyramidenbau erst ermöglicht hatte, zu bröckeln. Während die Pharaonen der vierten Dynastie Regierungsposten noch mit engen Verwandten besetzten, brachen die Pharaonen der fünften Dynastie mit dieser Tradition. Zwar blieb das riesige Netz der Regierungsbeamten bestehen, aber diese Posten wurden nun nicht mehr mit Verwandten des Pharao besetzt. Stattdessen wurden diese Posten mit Adligen anderer Familien besetzt. Ihre Beziehungen zum Pharao machte sie zu Teilhabern an der Macht, sie hatten aber nicht das Maß an Treue wie frühere Blutsverwandte.

Diese Schwächung der Macht des Pharao in Verbindung mit der Stärkung der Macht anderer Familien war entscheidend für den Zusammenbruch des Alten Reichs. Der letzte Herrscher des Alten Reichs, Pepi II. aus der sechsten Dynastie, herrschte etwa 94 Jahre lang über Ägypten. Es gibt keinen Monarchen in der Geschichte, für den eine längere Regierungszeit belegt ist. Mit zunehmenden Alter ließ die Regierungsfähigkeit nach, und die Familien, denen die Herrschaft über die Nomes („Gaue„) anvertraut worden war, griffen immer gieriger nach der Macht. Eine Hungersnot beschleunigte den Niedergang der Zentralregierung. Das Klima hatte sich geändert, und die jährlichen Monsune, die für die Überschwemmung verantwortlich warten, gab es nicht mehr. Ohne die Überschwemmung wurde das Land immer weniger fruchtbar, bis schließlich nichts mehr angepflanzt werden konnte. Der Wirtschaft war die Grundlage genommen, die Menschen hungerten, und der Pharao, ein irdischer Gott, war machtlos, irgendetwas dagegen zu unternehmen. Das Alte Ägypten splitterte wieder in kleine Gemeinschaften unter der Führung von Provinzherrschern auf. Die Zentralregierung verschwand.

Ägypten: Die komplette Reihe im Überblick

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