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Die schlimmste Herrschaft ist die der Gewohnheit; sie dominiert mein berufliches Leben. Dieses gleicht just im Moment einem sicheren Hafen; stille GewĂ€sser, hinter mannshohen Wellenbrechern gelegen, fernab von erfrischendem Wind und reinigendem Wetter. Meiner derzeitigen BeschĂ€ftigung vermöchte ich womöglich zehn weitere Jahre nachzugehen, abseits jedweder Aufregung oder gar betrieblicher VerĂ€nderung. Es gleicht flauer BĂŒroarbeit in Reingeburt; weit ĂŒber KaffeekĂŒchengeplĂ€nkel fĂŒr AnfĂ€nger hinaus. Bequem, einfach, entspannt. Oder besser: Langweilig, perspektivlos und ungemein festgefahren.

Im Angesicht meiner labilen jĂŒngeren Vergangenheit ward jene BĂŒrokonstante bis dato ein wahrlich vortreffliches Attribut zur eisernen Wahrung alltĂ€glichen Turnus gewesen; retrospektiv betrachtet erkenne ich, dass es gut war. Indes, Zeiten Ă€ndern sich. Vorstellungen, WĂŒnsche und Ziele meines Lebens konkretisieren sich erstmalig vor meinen geistigen Augen. Die IT ward ein angenehmer temporĂ€rer BeschĂ€ftigungsbereich gewesen, eine stoische Arbeitsbeschaffungsmaßnahme des puren Arbeitens wegen. Finanziell außerordentlich lukrativ und bisweilen gar interessant, einfach in ihrer steten AusfĂŒhrung und mitunter auch rudimentĂ€r abwechslungsreich. Jedoch – komfortable BeschĂ€ftigungstherapie hin oder her – die Fachinformatik per se stellt nicht der Weisheit letzter Schluss dar; ich bin ihrer ĂŒberdrĂŒssig. Will nicht weitere kostbare Jahre meines jungen Lebens dröge vor matt glimmenden Bildschirmen sitzend verschwenden. Der Stichtag, gewohnte Pfade zu verlassen und holdes Neuland zu betreten, rĂŒckt in greifbare NĂ€he; ich schnĂŒre beflissen meine BĂŒndel – denn der schlimmste Weg, den ich wĂ€hlen könnte, wĂ€re der, weiterhin keinen zu wĂ€hlen. Endstation Sarg-Gasse.

Materieller Reichtum ist irrelevant. Mich dĂŒrstet’s mehr gen sinniger Berufung, nach einem Job, welcher meinen unterforderten Verstand befriedigt und meinen frustrierten Geist befriedet. Mich erfĂŒllt und sanfte Prisen silbernen GlĂŒcks generiert. Mein selbst erklĂ€rtes Ziel: Anpacken – und Menschen helfen. Nun, auch jenes ideelle Ziel vermag mitnichten den ultimativen Sinn meines Lebens darzustellen; kommt diesem jedoch spĂŒrbar nĂ€her – und fĂŒhlt sich erquickend formidabel an.

Und so entwickeln sich meine infrage kommenden beruflichen SehnsĂŒchte dieser Tage vom international tĂ€tigen Entwicklungshelfer ĂŒber das Traineedasein bei den Vereinten Nationen bis hin zum Bachelorstudiengang Psychologie. Einem TĂ€tigkeitsbereich, welcher besonnen betrachtet meine Wenigkeit betreffend frappierend naheliegend erscheint – denn es sind allzu oft die Starken, die unter TrĂ€nen lachen, eigene Sorgen verbergen und andere glĂŒcklich machen. Mit mittelfristiger Option auf muntere Mischung besagter Ressorts; so werden etwa vonseiten der UN engagierte Entwicklungshelfer mit psychotherapeutischem Hintergrund hĂ€nderingend gesucht. (Alternativ eröffneten sich parallel neue dienstliche Chancen in Richtung Marketing, Spieleentwicklung, Politik, Finanzwesen, et cetera, et cetera). Und bis es so weit ist, wird mich meine bisherige Qualifikation als Softwareentwickler unterstĂŒtzend begleiten; ein monetĂ€res Sicherungsnetz ist somit durch die Bank (höhö) existent.

Hiermit einher wird im Laufe dieses Jahres ein befristeter wohnlicher Wechsel zum grĂ¶ĂŸten provinziellen Dorf Mitteleuropas gehen: MĂŒnchen. Hin zu Familie sowie elitĂ€rem Freundeskreis; zu Sicherheit, Ermunterung und seltsamen Sprachgebrauch. Zugegeben, angesichts des Verzichts auf Deutschlands stĂ€dtischste „Stadt“ Frankfurt am Main gleicht diese fragwĂŒrdige Entscheidung einer mehr als radikalen Dislokation, doch auch jene fĂŒhlt sich intuitiv und korrekt an – einzig das ist’s, was fĂŒr mich zĂ€hlt. Ich muss nur gehen, bleib einfach nicht steh’n. Well, so soll es sein – adieu, IT đŸ‘‹đŸ»

2 Kommentare

  1. 69percent
    LĂ€sterte

    Krass … Alles Gute dir 😉
    Der Kreis der an deinen Lippen hĂ€ngenden Liebhab… Ă€hh Leser wĂŒrde sicherlich frohlocken, zu gegebener Zeit und an geeigneter Stelle deinen Lebensweg weiterverfolgen zu können!

    Nimm’s Ă  la Hesse:
    Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
    Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
    Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
    Mag lÀhmender Gewöhnung sich entraffen.

    • Krony
      SchwÀtzte

      Gude,

      der beschrittene Lebensweg wird auch in Zukunft fĂŒr gar mannigfaltige Überraschungen gut sein, denn die eigene Lebenserfahrung ist lediglich wie eine Laterne im RĂŒcken; sie beleuchtet stets nur das StĂŒck Weg, das wir bereits hinter uns haben. Und was vor uns liegt, verbirgt sich vor uns trotz aller guten Absichten und perfiden Planungen in unbekanntem Terrain 🙂

      Viele GrĂŒĂŸe, Krony

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