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[1] Prä-Geleitwort

Da laut eines kürzlich veröffentlichten t3n-Artikels weniger als 25% der anfänglichen Leser eines längeren Blogartikels diesen auch bis zum Ende durchlesen, startet eben jener Artikel hier sogleich mit dem eigentlichen Hauptteil durch; Einleitung und somit Quintessenz des Artikels finden sich gen Ende. Somit zwinge ich scrollfaule Leser gewieft dazu, erst zum Ende des Artikels, dann wieder zum Anfang und nach Beendigung des eigentlichen Lesevorgangs erneut gen Ende zu scrollen.

[3] Hauptteil

1. Hey Krony, du bist hochbegabt, teilautistisch veranlagt und schwul. Ehrlich, wie willst du mit dieser problematischen persönlichen Mische jemals einen passenden Partner finden?

Hab Dank für deine beherzte Courage und Anteilnahme mir gegenüber. Nun, ich bin mir meiner Situation durchaus bewusst, wenngleich mehr abstrakter denn irrationaler Weise. Meine zurückliegenden, zu Bruche gegangenen Beziehungen verstehen eine melancholische Melodie hiervon zu trällern. Doch obgleich mich jener Tatbestand regelmäßig Nächte meines Lebens kostet und Myriaden heimlicher Tränen hervorruft, bin ich guter Hoffnung; glücklich allein ist die Seele, die liebt. Einen Lebensgefährten respektive meinen Mann zu finden ist zwar mitunter vertrackt, gleichwohl nicht unmöglich; schließlich bin ich klug, geil, hübsch und gut im Bett. Stetiges Verweisen auf diesen anfänglichen Sachverhalt bringt jedoch keinerlei Besserung zustande.

2. Du willst Intellent sein? Deine Aussprache klingt aber so normal?!

Wahrer Scharfsinn vermag sich mitnichten exklusiv in Artikulation und Diktion prädestinierter Individuen zu manifestieren.

3. In der Schule warst du sicherlich ein Einserschüler, ein regelrechter Streber. Stimmt’s oder hab ich recht?

Halt‘ die Fresse! Meine Schulzeit ward von Langeweile und notorischer Unterforderung geprägt, weshalb ich blockierend, gar trotzig reagierte und Leistungen meinerseits überwiegend versagte. Freilich vermochte ich durchaus erstklassige Ergebnisse zu erbringen, jedoch nur in wenigen, in meinen Augen prädestinierten Ausnahmemomenten. Die weit größere Zeit war ich hingegen ein zugegeben seltsamer, jedoch übliches Potenzial erbringender Schüler.

4. Dann hast du sicherlich ein Abitur in der Tasche und studiertest dies und jenes binnen kürzester Zeit?

Nope. Weder noch. Jahrelange Depressionen, zwei via Zufall gescheiterte Suizidversuche und nicht zuletzt mein Alter Ego waren imstande, dies gekonnt zu verhindern. Rückblickend genieße ich indes größere berufliche Erfolge, als die meisten meiner Abitur und Studium wählenden Wegbegleiter.

5. Weshalb gehst du nicht in die Politik?

Da ich durchaus über Stolz, Ehre, Ehrlichkeit und einen ausgeprägten Realitätssinn verfüge. Willst du etwas bewegen, benötigst du die Stimmen der Menschen und / oder Geld. Unabhängig jeglichen klassischen politischen Handelns. Gerade dieses neumoderne Internetz hier, das gar sagenumwobene Neuland, verspricht die Gefüge der von alten, konservativen Menschen regierten Welt gehörig ins Wanken zu bringen. Die Welt wird sich wandeln; früher oder später – und es werden die vereinigten, vernetzten Völker sein, die diesen Wandel eingangs unbeachtet, letztlich dessen ungeachtet unaufhaltsam in die Wege leiten. Meine Wenigkeit hat in diesem globalen Spiel eine untergeordnete Rolle inne.

6. Aus deiner Perspektive betrachtet müssen dir „normale“ Menschen äußerst dumm vorkommen, oder?

In keinster Weise – und in der Tat zugleich. „Halte dich immer für dümmer als die anderen – sei es aber nicht“. So sprach’s Jean Cocteau, und so gilt’s zumeist zu handeln. Ich zweifle oft an Verstand und Intellekt grenzdebil anmutender Hardcore-Unterschichtler, RTL- und BILD-Konsumenten sowie schwarzer Politiker. Palme mir nahezu tagtäglich mein Face. Doch vor allem zweifle ich am Geiste blödsinniger Fragestellern wie dir.

7. Weshalb erwähnst du diese Stichpunkte hier überhaupt, wenn dir deine eigenen Reaktionen darauf Kummer und Schmerzen bereiten; regelrecht auf den Senkel gehen?

Aus dem einfachen Grunde, dass ich nun einmal offen zu mir selbst stehe. Meine Reaktionen respektive die Verursacher dieser – Hochbegabung und Spuren von Autismus – sind prägende Attribute meines eigenen Wesens; sie machen mich aus. Und ich will mich hiermit nicht weiterhin künstlich verstellen müssen, genauso wenig profilieren wollen. Was ich erreichen will, ist, Vorurteile und mehr oder minder spaßig anmutende Sprüche wegen dieser Charakteristika zumindest in meinem eigenen Umfeld weitestgehend zu dezimieren. Denn dies schafft flauschigen Seelenfrieden.

8. Gib mir mal Nachhilfe in Mathe!

Nein! Nur für viel Geld, denn Mathe ist mies. Nächste Frage!

9. Entwickle als Softwareentwickler doch ein schnafte Portal oder eine schnieke Anwendung, TheNextBigThing™, und werde damit erfolgreich, berühmt und reich!

Des Kronys Tragödie: Ich sehe, empfinde und verstehe die Welt aus meiner Perspektive; redlich erfolgreich und ausnahmslos perfektionistisch veranlagt, jedoch gelinde gesagt: Anders. Entsprechend fiel und fällt es mir schon immer schwer, mich in die Bedürfnisse anderer Menschen hineinzuversetzen. Verständnis und Voraussehung ob der Gedanken und Taten meiner Mitmenschen stellen keinerlei Herausforderung dar; doch das Erahnen von Begehren und Wünschen sind für mich wahrlich unüberwindbare Hürden. Analog hierzu scheiterte ich mit der Entwicklung einer massentauglichen Anwendung wenigstens grandios – und es gibt mehr Leute, die kapitulieren, als solche, die scheitern. Mich eingeschlossen.

10. Hm, du interessierst dich vermutlich nur für Kultur, Ausstellungen, Symposien und dergleichen?!

Pustekuchen! Kino, Restaurantbesuche, Sitcoms, Pornos oder überraschende Lektüre können mich ebenso intensiv in ihren Bann ziehen. Mehr noch, infantile Sparwitze sowie auf Dünndruckpapier verfasste Comics rufen zyklisch regelrechte Begeisterungsstürme meinerseits hervor.

[2] Epilog

Welch Freude; du nahmst in der Tat die dir auferlegte Bürde auf dich und navigiertest vertikal gen Intro jenes Textchens hier. Respekt und Hut ab; dir seien hiermit tiefschürfende Einblicke in den einleitenden Ausblick ob dieses Blogbeitrags gewährt. Zutiefst berührt von Outerspace_girl’s Artikel „10 Dinge, die man nicht zu Autisten sagen sollte“ fasste ich den narzisstisch begründeten Mut, eigene Aspekte verbaler Natur darzulegen, welche das mitunter strahlend bunte Wesen meiner Großartigkeit tagaus tagein begleiten, in Schatten zu hüllen vermögen – und, verzeiht mir jenen sprachlichen Lapsus, mir bisweilen gehörig auf den Sack gehen auf die Pelle rücken. Mehr noch, obig beschriebene respektive im Anschluss dieser abschließenden Einleitung bevorstehende Phrasen verstehen es gekonnt, metaphysische Stiche zu versetzen; sie kränken. Rufen Trauer, Wut, Verbitterung und vereinzelt gar Verzweiflung hervor; wenngleich dank einstudierter Gesten und Mienen im ersten reaktionären Moment mitnichten ersichtlich. Begründet ob meiner Hochbegabung und meines teilautistisch veranlagten Charakters, welche sich im Rahmen meines diesjährigen Aufenthaltes im Universitätsklinikum Frankfurt am Main im gemeinsamen Wirken mit bewanderten und herzensguten Psychologen mehr als bestätigten [siehe auch]. Rede nur, wenn du gefragt wirst, aber lebe so, dass man dich fragt – das ist’s, was ich nun mache. Es folgt das Zurückliegende; der Hauptteil wartet auf. Direkt im Anschluss des einleitenden, zum Abschluss geleitenden Prä-Geleitwortes.

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